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·20. September 2026

Stollen über den Punkt, Ball an den Pfosten: Die Szene, die Hamann zur Sperrenforderung brachte

Artikelbild:Stollen über den Punkt, Ball an den Pfosten: Die Szene, die Hamann zur Sperrenforderung brachte

Mönchengladbach. 57. Minute, Borussia-Park, Mainz führt 2:1. Schiedsrichter Robert Hartmann hat nach VAR-Überprüfung auf Elfmeter für Gladbach entschieden, Handspiel Philipp Tietz. Kevin Diks legt sich den Ball zurecht. Und wenige Augenblicke vorher fangen die Kameras ein, wie Nadiem Amiri im Vorbeigehen zum Elfmeterpunkt geht und ihn mit den Stollen bearbeitet. Diks schießt an den rechten Pfosten. Es war sein fünfter Bundesliga-Elfmeter – und der erste, den er nicht verwandelte.

Was danach in der Sky-Sendung „Alle Spiele, Alle Tore“ passierte, hat den Rest des Wochenendes überlagert.


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Hamanns Wutrede

„Das hat mit feiner englischer Art gar nichts zu tun“, sagte Didi Hamann zunächst. Als er die Szene ein zweites Mal sah, wurde er deutlicher: „Ein Spiel Sperre. Den würde ich aus dem Verkehr ziehen.“ Und weiter: „Er ist Nationalspieler geworden, hat großen Wert für die Mannschaft. Aber wir müssen diese Sachen aus dem Sport bringen. Da schauen Kinder zu, so was macht man nicht. Das ist nicht im Spirit of the Game.“

Seine Einordnung: „Das ist für mich nicht unsportlich, sondern grob unsportlich. Das gehört sich nicht. Da spielt es auch keine Rolle, dass er zu Recht Nationalspieler ist.“ Und: „Man kann immer versuchen, einen Vorteil für sich rauszuholen. Aber das hat alles Grenzen, und die Grenze wurde dort weit überschritten.“ Hamann vermutete zudem, Amiri habe den Zeitpunkt bewusst gewählt – und Hartmann hätte die Szene, wenn er sie gesehen hätte, wohl geahndet.

Was genau passiert ist – und warum das strittig ist

Hier lohnt der genaue Blick, weil die Bewertung daran hängt. Der kicker beschreibt die Aktion so: Amiri habe „fast beiläufig seine Stollen über den Elfmeterpunkt gezogen, also nicht auf ihn eingetreten“ – und grenzt das ausdrücklich von einem Fall bei der WM ab, als Paraguays Gustavo Velázquez im Achtelfinale gegen Frankreich auf den Punkt getreten hatte. Andere Portale formulieren schärfer und schreiben von „zertreten“ oder „bewusst drauftreten“.

Der zweite offene Punkt ist die Wirkung. Diks rutschte nicht aus, wie Sport1 festhält – anders als Anthony Modeste 2015, als Augsburgs Torhüter Marwin Hitz in Köln mit den Hacken Löcher in den Rasen gehackt hatte. Ob Amiris Aktion mit dem Fehlschuss etwas zu tun hatte, lässt sich nicht sagen. Es bleibt der Versuch, und über dessen Bewertung diskutiert die Liga jetzt.

Die Regellage: warum nichts passieren dürfte

Das Regelwerk kennt das unsportliche Betragen, und ein Schiedsrichter kann dafür Gelb zeigen – während des Spiels. Hartmann hat die Szene nicht gesehen. Eine nachträgliche Sperre setzt voraus, dass der DFB-Kontrollausschuss ein Verfahren eröffnet, was bei Vergehen ohne Rotkarten-Qualität und ohne Schiedsrichtermeldung selten geschieht.

Die Präzedenzfälle sprechen dagegen. Hitz wurde 2015 nicht gesperrt. Auch Jeanuel Belocian, der in der vergangenen Saison gegen Bayern den Rasen bearbeitete, woraufhin Harry Kane wegrutschte und verschoss, blieb ohne Strafe. Hamanns Forderung ist deshalb weniger eine Prognose als ein Appell: Die Liga solle anfangen, so etwas zu ahnden. Das ist eine legitime Position. Sie beschreibt nur nicht die gegenwärtige Praxis.

Das Spiel, das dabei fast unterging

Mainz gewann 4:3, und das Spiel hatte mehr zu bieten als eine Szene am Elfmeterpunkt. Gladbach glich zwei Minuten nach dem Fehlschuss aus. Eric Martel (78.) und Danny da Costa (89.) trafen für Mainz, Shuto Machino verkürzte tief in der Nachspielzeit per Handelfmeter auf 3:4. Es war das erste Spiel nach der Trennung von Eugen Polanski, und Gladbach ist nach vier Spieltagen weiter ohne Punkt. Mainz hat sieben.

Für Amiri, 29, Kapitän der Mainzer, endete der Nachmittag mit einem Auswärtssieg und einer Debatte, zu der er sich nicht äußerte. Am Montag reist er zur Nationalmannschaft. Jürgen Klopp hat ihn in Kader eins berufen, für die Spiele in Amsterdam am 24. September und gegen Griechenland in Augsburg am 27. September. Amiri steht bei 13 Länderspielen und einem Tor.

Ob Klopp die Szene anspricht, ist offen. Hamann hat sie zum Thema gemacht. Und ein Bundestrainer, der in seinem ersten Lehrgang Werte und Haltung betont, wird kaum darum herumkommen, danach gefragt zu werden.

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