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·16. Juni 2026
Stolpert Top-Favorit Frankreich früh? – WM-Vorschau Gruppe I

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·16. Juni 2026

Der Begriff ,,Todesgruppe“ ist in Bezug auf große internationale Turniere mit Gruppenformat eine sehr gebräuchliche Vokabel. Aber was zeichnet eine Todesgruppe aus? Und ist dieses Jahr überhaupt eine Gruppe dabei, die diese Bezeichnung verdient?
Todesgruppen erhalten ihren Namen durch den Fakt, dass ein- oder mehrere hochgehandelte Mannschaften bereits im frühen Turnierverlauf ausscheiden könnten. Grundvoraussetzung dafür ist, dass mindestens zwei, beziehungsweise eher drei starke Teams in einer Vierergruppe an den Start gehen. Zumindest auf dem Papier im Vorlauf des Turniers. Ein prominentes Beispiel ist die WM 2014, als mit England, Italien und Uruguay drei Mannschaften aufeinander trafen, die allesamt Ambitionen auf einen tiefen Run im Laufe des Turniers hegten. Fußball-Zwerg Costa Rica durfte auch noch mitspielen. Ach ja, die schlugen im Übrigen sensationell Uruguay und Italien und zogen als Gruppensieger in die K.O.-Runde ein, erst im Viertelfinale war gegen die Niederlande Schluss.
Genug in der Vergangenheit geschwelgt. In der Gegenwart ist die Benennung einer richtigen Todesgruppe kompliziert. Schuld daran ist auch das neue Turnierformat, dass neben den beiden Gruppenersten auch den acht besten Gruppendritten den Einzug in die K.O.-Runde erlaubt. Ein Ausscheiden ist somit für gute Teams ziemlich schwer. Nichtsdestotrotz kann man sich durch schwache Ergebnisse zumindest eine gute Ausgangsposition verhageln.
Auftritt Gruppe I. Die bietet eine Top-Mannschaft, zwei weitere Teams mit viel Qualität und Potential zum Stolperstein, sowie einen klaren Außenseiter auf. Eine spannende Mischung, auf die sich ein näherer Blick definitiv lohnt.
Trainer: Didier Deschamps
WM-Teilnahmen: 17
Players to Watch: Kylian Mbappé, Michael Olise, Ousmane Dembélé
Die Équipe Tricolore reist als Weltranglistenerster nach Nordamerika – und als konstantestes Team auf der WM-Bühne in den letzten acht Jahren. Frankreich gewann das Turnier 2018 und scheiterte nur knapp im Elfmeterschießen an Argentinien und der Titelverteidigung. Das Ziel ist somit klar: Das dritte Finale in Folge und der dritte WM-Titel der Historie.
Viele Teams schaffen es nicht, über so viele Jahre das Top-Level zu halten. Oft liegt zu viel Zeit zwischen den Turnieren, Spieler verlieren ihre Form oder werden schlichtweg älter – Mannschaften benötigen einen Umbruch. Nicht so Les Bleus. In der Offensive rücken für Antoine Griezmann und Olivier Giroud unter anderem Michael Olise und Desiré Doué nach, im Tor macht Mike Maignan Hugo Lloris vergessen. Frankreich ist auf allen Positionen doppelt Weltklasse besetzt, neben Ballon d’Or-Gewinner Dembélé steht mit Mbappé der Unterschiedsspieler schlechthin im Sturmzentrum.

Foto: Getty Images
Die Lobeshymnen auf den Kader könnten noch ewig weitergeführt werden, müssen an dieser Stelle jedoch aus Platzgründen eingespart werden. Fakt ist: Frankreich muss diese Gruppe gewinnen. Dass die Gegner ebenfalls kompetitiven Fußball spielen können und wollen, kann eine gute Voraussetzung dafür sein, direkt die Konzentration hochzufahren und früh die eigene Topform zu erreichen.
Trainer: Pape Thiaw
WM-Teilnahmen: 4
Players to Watch: Pape Sarr, Sadio Mané, Iliman Ndiaye
Der größte Erfolg des Senegals auf der WM-Bühne datiert aus dem Jahr 2002. Damals zogen die Löwen der Teranga völlig überraschend ins Viertelfinale ein und bezwangen dabei im Auftaktspiel noch überraschender den Titelverteidiger – und zwar Frankreich.
Damals war das eine Sensation. Heute wäre es sicherlich immer noch eine Überraschung, aber der Senegal muss mehr als nur ernstgenommen werden. Trainer Pape Thiaw bringt eine Mannschaft an den Start, die reichlich Qualität in der Breite und in der Spitze mitbringt. Der größte Name im Aufgebot ist immer noch Sadio Mané, sportlich ist er aber nicht mehr der wichtigste Akteur für die Löwen.
Die Verantwortung verteilt sich auf mehrere Schultern. In der Verteidigung kontrollieren mit Ex-Mainzer Moussa Niakhaté und Kalidou Koulibaly zwei enorm erfahrene Akteure das Abwehrzentrum, im Mittelfeld ziehen neben Idrissa Gana Gueye junge und hungrige Akteure wie Pape Gueye, Pape Sarr, Lamine Camara und Habib Diarra die Fäden. Vorne wirbeln neben Mané unter anderem Everton-Knipser Iliman Ndiaye, Palace-Flügelflitzer Ismaila Sarr und PSG-Supertalent Ibrahim Mbaye, der immer mehr Verantwortung bekommt. Nicolas Jackson könnte im Sturmzentrum zum X-Faktor werden, wenn er vor dem Tor die mit Sicherheit zahlreichen Hereingaben seiner Mitspieler verwerten kann.

Foto: Getty Images
Der Senegal ist eine aktive Mannschaft, die früh Bälle erobern und schnell in die Vertikalität kommen möchte. Damit sind die Löwen unangenehm für jeden Gegner, realistisch gesehen geht es aber um Platz Zwei hinter Frankreich. Das Duell gegen Norwegen wird aller Voraussicht nach dafür entscheidend sein. Ziehen Mané und Co. in die K.O.-Phase ein, ist (sofern man nicht direkt auf einen Top-Favoriten trifft) rein von der personellen Qualität das Viertelfinale drin.
Trainer: Stale Solbakken
WM-Teilnahmen: 4
Players to Watch: Erling Haaland, Martin Ödegaard, Antonio Nusa
Auf die Löwen der Teranga folgen die Lövene – eine große Übersetzung aus dem Norwegischen ist an dieser Stelle überflüssig. Ähnlich dominant wie der Alpha aus der Tierwelt trat Norwegen in der WM-Qualifikation auf. Acht Spiele, acht Siege, dabei auch zwei deutliche Erfolge über Italien. Die Landslaget ist nach 28 Jahren der Abstinenz wieder für eine WM-Endrunde qualifiziert und hat mehr als nur ein Wörtchen mitzureden, wenn es um die Plätze-Vergabe für die K.O.-Runde geht.
Ausschlaggebend dafür sind in erster Linie Erling Haaland und Martin Ödegaard. Haaland stellte mit 16 Quali-Toren den Rekord von Robert Lewandowski ein und zählt zu den elitärsten Spielern dieser WM. Die Naturgewalt im Sturm wird dabei von einem der besten Spielmacher Europas unterstützt. Ödegaard zieht normalerweise beim FC Arsenal die Fäden und setzt den präferierten spielerischen Ansatz von Stale Solbakken um. Norwegen ist per se kein Konterteam, sondern möchte selbst Lösungen mit dem Ball produzieren.

Foto: Getty Images
Die individuelle Klasse besitzen sie auch neben Haaland und Ödegaard vor allem in der Offensive. Leipzigs Antonio Nusa und Fulhams Oscar Bobb sind starke 1vs1-Spieler, die den Fokus von Haaland wegziehen können. Die Defensive ist solide, kommt aber über das Kollektiv und nicht über die individuelle Klasse einzelner Spieler. Rechtsverteidiger Julian Ryerson verdient sich dennnoch eine Extra-Erwähnung. Der Dortmunder wurde in der abgelaufenen Bundesliga-Spielzeit mit 15 Assists drittbester Vorlagengeber und soll Haaland nonstop mit Flanken füttern.
Im Grunde genommen gilt für Norwegen das Gleiche wie für den Senegal. Frankreich dürfte eine Nummer zu groß sein, das Ziel ist der zweite Platz hinter Les Bleus. Das direkte Duell gegen die Afrikaner wird aller Voraussicht nach dafür ausschlaggebend sein. Gewinnen die Lövene dieses Duell, stehen die Chancen aufs Achtelfinale gut. Ein Viertelfinaleinzug wäre historisch – noch nie schaffte es Norwegen in die Runde der letzten Acht bei einer WM.
Trainer: Graham Arnold
WM-Teilnahmen: 2
Players to Watch: Ali Al-Hamadi, Youssef Amyn, Ayman Hussein
Gut Ding braucht Weile. 21 Spiele benötigte der Irak, um sich die zweite WM-Teilnahme in der Geschichte des Landes nach 1986 zu sichern. Der 57. der Weltrangliste löste dabei als letztes Team das Ticket für die Endrunde. Nicht umsonst sagt man: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben (das letzte neunmalkluge Sprichwort, versprochen). Die Auslosung war dem Irak in jedem Fall nicht freundlich gesonnen, denn alles andere als eine Bilanz von drei klaren Niederlagen in Gruppe I wäre eine faustdicke Überraschung.
Nichtsdestotrotz: Der bisherige Turnierverlauf der WM hat durch die Unentschieden von Katar und Kap Verde gegen die Schweiz und Spanien gezeigt, dass an einem guten Tag auch krasse Außenseiter Erfolgserlebnisse feiern können. Daher verbietet es sich, den Irak gänzlich abzuschreiben. Natürlich muss alles stimmen, eine ordentliche Portion Glück mit im Spiel sein und der Irak über den Kampf und die Leidenschaft kommen. Letzteres sollte aber garantiert sein. Die Qualifikations-Odyssee spricht Bände.

Foto: Getty Images
Bekannte Akteure aus dem europäischen Vereinsfußball sucht man im Kader fast vergeblich. An Youssef Amyn dürfte sich der ein- oder andere noch erinnern, der Flügelstürmer lief unter anderem für Viktoria Köln und Eintracht Braunschweig auf. Mittlerweile spielt der gebürtige Essener für AEK Larnaka in Zypern. Weitere wichtige Akteure sind Mittelfeldmotor Amir Al-Ammari und Quali-Held Ali Al-Hamadi, der für Luton Town die Fußballschuhe schnürt.
Der Irak hat nichts zu verlieren und kann ohne Druck antreten. Der Meilenstein des ersten WM-Treffers in der Geschichte des Landes wurde bereits 1986 erreicht, als Nächstes steht also der erste Punktgewinn auf der Bucket-List.
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