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·23. Februar 2026

Strittige Szenen am 25. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

Artikelbild:Strittige Szenen am 25. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

Die nicht gegebenen Elfmeter für 1860, Duisburg und Köln, der Strafstoß für 1860, der Platzverweis gegen Otto, das 2:1 von Ingolstadt sowie Foulspiele von Voglsammer, Osawe, Arweiler und Tonye Am 25. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de zehn strittige Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: Babak Rafati war viele Jahre Bundesliga- & FIFA-Schiedsrichter. Insgesamt leitete der heute 54-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit-, 13 Drittliga- und zahlreiche internationale Spiele. Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter seit März 2015 jeden Spieltag die strittigen Szenen, die durch die Redaktion im Vorfeld ausgewählt werden. Zudem ist er Kolumnist und TV-Experte für Bundesliga-Spiele. Im Hauptberuf arbeitet Rafati heute als Mentalcoach für Profifußballer und Manager und ist ein viel gefragter Referent in der freien Wirtschaft, unter anderem bei DAX-Unternehmen zum Thema Stressmanagement und Motivation. Mehr Infos unter babak-rafati.de.


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Szene 1: Kurz vor dem Strafraum geht Sigurd Haugen (1860) im Duell mit Ahmet Gürleyen (Rostock) zu Fall, das Spiel läuft weiter. [TV-Bilder – ab Minute 51:20]

Babak Rafati: Bei diesem Zweikampf rempelt Gürleyen seinen Gegenspieler Haugen mit angelegtem Arm korrekt. Das ist ein sauberer Zweikampf, sodass kein Foulspiel vorliegt. Eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen und nicht zu pfeifen.

Szene 2: Andreas Voglsammer geht rüde in einen Zweikampf mit Max Reinthaler (1860), Jürgensen belässt es bei Gelb. [TV-Bilder – ab Minute 51:30]

Babak Rafati: Auch wenn Voglsammer auch den Ball spielt, geht er mit einem hohen Risiko in den Zweikampf und nimmt billigend in Kauf, die Gesundheit des Gegenspielers zu gefährden. Das Trefferbild ist auch klar, denn er trifft seinen Gegenspieler mit offener Sohle über dem Knöchel, sodass eine rote Karte zwingend vorgeschrieben ist. Eine Fehlentscheidung, lediglich die gelbe Karte zu zeigen.

Szene 3: Nach einem langen Abschlag von Keeper Dähne stützt sich Sigurd Haugen (1860) bei Jan Mejdr (Rostock) auf, das Spiel läuft weiter. Der Ball kommt zu Philipp, der auf das Tor schießt. Dabei bekommt Ahmet Gürleyen (Rostock) den Ball an den Ellenbogen, es gibt Elfmeter für 1860. [TV-Bilder – ab Minute 1:35]

Babak Rafati: Bei einem Freistoß schlägt Keeper Dähne den Ball lang nach vorne. Dabei liegt keine Abseitsposition von Haugen auf der linken Außenbahn vor. Beim anschließenden Zweikampf legt Haugen zwar die Arme ein wenig auf die Schulter seines Gegenspielers auf, wie Verteidiger und Angreifer es immer tun, aber es liegt keinesfalls ein Foulspiel vor. Anschließend kommt der Ball zu Philipp, und dieser schießt den Ball aus kurzer Entfernung an den Ellenbogen von Gürleyen. Dadurch, dass sich Gürleyen aber umdreht und den Arm am Körper angelegt hat, liegt kein strafbares Handspiel vor. Der Arm ist in natürlicher Haltung, sodass eine Fehlentscheidung vorliegt, auf Elfmeter zu entscheiden. Hier hätte der Schiedsrichter weiterspielen lassen sollen.

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Szene 4: Im Strafraum geht Dominik Kother (Duisburg) gegen Luka Trslic (Schweinfurt) zu Fall. Kein Elfmeter, sagt Schiedsrichter Leonidas Exuzidis. [TV-Bilder – ab Minute 50:40]

Babak Rafati: Trslic packt kurz an das Trikot von Kother und lässt schnell wieder los. Der Angreifer macht mehr daraus, als tatsächlich vorliegt und lässt sich daraufhin fallen. Auch wenn viele sagen werden, der Verteidiger hat nichts am Trikot des Gegenspielers zu suchen, muss festgestellt werden, dass das mittlerweile auf beiden Seiten üblich ist und jedes Unterbinden den Fußball nur kaputt machen würde. Das ist ein „Bearbeiten“, nicht mehr, nicht weniger und ist im Bereich des Erlaubten. Das Festhalten ist auch nicht ursächlich für das Zufallkommen. Man sieht sehr gut, dass Kother von hinten bearbeitet wird, aber nach vorne fällt. Ein Indiz dafür, dass der Stürmer etwas nachhilft. Wenn das Halten ursächlich für das Zufallkommen wäre, würde der Stürmer nämlich in Rückenlage geraten. Final liegt eine richtige Entscheidung vor, weiterspielen zu lassen und keinen Elfmeter zu geben.

Szene 5: Der bereits verwarnte Winners Osawe (Schweinfurt) hält Lex Tyger Lobinger (Duisburg) fest. Der Schiedsrichter belässt es bei einer Ermahnung. [TV-Bilder – ab Minute 1:19:55]

Babak Rafati: Osawe hält seinen Gegenspieler Lobinger lange am Arm fest. Als sich dieser trotzdem fast befreien kann, hält er immernoch fest und hindert ihn am Weiterlaufen. Das ist ein taktisches Foulspiel, das zwingend eine gelbe Karte nach sich ziehen muss. Somit hätte der bereits gelb-verwarnte Osawe in der Folge die gelb-rote Karte sehen müssen. Eine Fehlentscheidung, diese Karte nicht zu zeigen.

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Szene 6: Ein Foulspiel von Fynn Otto (Verl) an Mika Schroers (Aachen) wertet Schiedsrichter Deniz Aytekin als Notbremse und zeigt Otto glatt Rot. [TV-Bilder – ab Minute 4:15]

Babak Rafati: Dass es sich um ein Foulspiel von Otto an Schroers handelt, ist unumstritten. Bei der Frage, ob bei dem Foulspiel gleichzeitig eine Notbremse vorliegt und eine klare Torchance vereitelt wird oder nicht, ist diese zu verneinen. Ein weiterer Verteidiger hätte noch eingreifen können, sodass keine klare Torchance vereitelt wird. Somit eine Fehlentscheidung, diese rote Karte und nicht die gelbe Karte zu zeigen. Der Schiedsrichter ist einfach zu weit vom Vergehen entfernt und kann deshalb den Vorgang nicht richtig bewerten. Auch hätte der Assistent, der von der Seite die beste Sicht hat und die Entfernungen der jeweiligen Spieler zum Tor besser einschätzen kann, dem Schiedsrichter helfen können, um zu einer richtigen Entscheidung zu kommen.

Szene 7: Aachen-Keeper Fotios Pseftis geht bei einem Zweikampf mit Jonas Arweiler (Verl) zu Fall und kann nicht mehr weiterspielen. Geahndet wird die Szene nicht. [TV-Bilder – ab Minute 4:45]

Babak Rafati: Das Foulspiel von Arweiler an Keeper Pseftis wird geahndet, dabei wird keine gelbe Karte gegen den Stürmer gezeigt. Das Foulspiel beziehungsweise das Rempeln ist aber auch nicht gelbwürdig, sodass eine richtige Entscheidung vorliegt, es nur bei einem Freistoßpfiff zu belassen, auch wenn sich der Keeper dabei unglücklich verletzt und nicht weiterspielen kann. Wenn in Folge eines Foulspiels ein Spieler wegen einer Verletzung nicht weiterspielen kann, ist das kein Grund für eine persönliche Strafe oder für eine Karte.

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Szene 8: Auf dem Weg in Richtung Tor geht Valentin Lässig (Hoffenheim II) bei einem Laufduell mit Yannick Tonye (Köln) zu Fall. Geahndet wird die Szene nicht. [TV-Bilder – ab Minute 1:45]

Babak Rafati: Lässig läuft auf das gegnerische Tor zu, dabei kreuzen sich die Laufwege von ihm und seinem Gegenspieler Tonye. Auch wenn der Angreifer das geschickt macht und nach innen zieht, um auch den Kontakt zu suchen, muss festgehalten werden, dass sich der Verteidiger anstatt geschickt zu agieren und wegzubleiben, sich darauf einlässt, den Arm herausnimmt, den Angreifer ein wenig stört und zudem das linke Bein herausnimmt. Damit stellt er sich in den Laufweg des Angreifers, weil er in der schlechteren Position zum Ball ist als der Angreifer. In der Summe wird der Angreifer entscheidend gestört, sodass bei diesem Tempo des Angreifers der kleinste Kontakt entscheidend sein kann und in diesem Fall ausreicht, um den Angreifer regelwidrig zu stoppen. Schlussendlich wird der Angreifer gefoult, sodass ein Foulspiel vorliegt. Zudem hätten die anderen Verteidiger nicht mehr entscheidend eingreifen können, sodass eine Notbremse vorliegt und eine klare Torchance vereitelt wird. Somit hätte es obendrein die rote Karte gegen Tonye geben müssen. Eine Fehlentscheidung, dieses Vergehen komplett ungeahndet zu lassen.

Szene 9: Im Strafraum geht Leander Popp (Köln) gegen Natnael Abraha (Hoffenheim II) zu Fall. Kein Elfmeter, sagt der Schiedsrichter. [TV-Bilder – ab Minute 2:30]

Babak Rafati: Popp dringt mit dem Ball am Fuß in den Strafraum ein. Dabei will Gegenspieler Abraha den Ball wegschießen, verpasst aber das Spielgerät, trifft den Angreifer stattdessen klar am Fuß und bringt ihn dadurch zu Fall. Das ist ein Foulspiel, und es hätte somit einen Elfmeter geben müssen. Eine Fehlentscheidung, weiterspielen zu lassen und den fälligen Elfmeter nicht zu geben.

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Szene 10: Nach einer Hereingabe von Julian Kügel trifft Max Besuschkow zum 2:1 für Ingolstadt. Havelse reklamiert Abseits, Schiedsrichter Sebastian Hilsberg gibt den Treffer. [TV-Bilder – ab Minute 2:40]

Babak Rafati: Bei der Hereingabe von Kügel steht ein Verteidiger am Fünfmetereck und somit mit seinem Keeper näher zur eigenen Torlinie als Besuschkow dem anschließenden Torschützen, sodass keine Abseitsposition vorliegt. Das Berühren des Balles durch Oltrogge, nachdem Kügel den Ball bei der Hereingabe gespielt hat, ist irrelevant. Solch ein Abfälschen wird erst gar nicht für ein Abspiel für eine Abseitsbewertung herangezogen, sodass man die Nicht-Abseits-Position nicht damit begründen könnte. Eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen und den anschließenden Treffer anzuerkennen.

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