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·22. September 2026
Stunde der Wahrheit für Klopp: Kann er der DFB-Elf neues Leben einhauchen? ⏳

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·22. September 2026

Wochenlang durfte Jürgen Klopp beobachten, analysieren, planen und ausprobieren. Nun wird es ernst. Am Donnerstagabend wartet in Amsterdam mit den Niederlanden gleich ein echter Härtetest auf den neuen Bundestrainer. Und spätestens dann muss sich zeigen, ob Klopp der DFB-Elf tatsächlich neues Leben einhauchen kann.
Denn viel Zeit für einen Neustart gibt es nicht. Nach dem ernüchternden WM-Aus gegen Paraguay im Sechzehntelfinale steht die deutsche Nationalmannschaft unter Druck. Das 1:1 nach Verlängerung und das anschließende Aus im Elfmeterschießen waren nicht nur sportlich bitter. Der Auftritt offenbarte auch eine Mannschaft, die über weite Strecken zu langsam und zu wenig präsent agierte.
Klopp soll nun genau das ändern. 🔥
Gleich vier Nations-League-Partien stehen innerhalb von elf Tagen auf dem Programm: zunächst auswärts gegen die Niederlande, anschließend in Augsburg gegen Griechenland. Danach geht es in München gegen Serbien, ehe zum Abschluss das Rückspiel gegen Griechenland in Thessaloniki wartet.
Vier Spiele, vier Gelegenheiten also, um sich einen ersten Eindruck vom Klopp-Fußball zu verschaffen.
Und der Bundestrainer sorgt schon vor dem ersten Anpfiff für einen Hingucker: Gegen die Niederlande läuft Deutschland im grünen 1990er-Retrotrikot auf. Jenem Trikot, das die Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1990 unter anderem im Halbfinale gegen England trug.
Nostalgie ist schön. Sie gewinnt allerdings keine Länderspiele.
Dafür ist Klopp zuständig.
44 Spieler hat Klopp für die vier Partien nominiert – aufgeteilt auf zwei Gruppen. 24 Akteure bilden zunächst den Kader für die Spiele gegen die Niederlande und Griechenland, 20 weitere stoßen anschließend für die Partien gegen Serbien und Griechenland dazu.
Das ist ungewöhnlich. Und es ist vor allem eines: ein ziemlich klares Signal.
Klopp will nicht einfach die bekannten Namen abarbeiten. Er will sehen, wie sich Spieler unter echten Bedingungen auf internationalem Niveau präsentieren. Wer funktioniert im Team? Wer übernimmt Verantwortung? Wer kann mit dem Druck umgehen?
16 Spieler haben aktuell noch kein A-Länderspiel bestritten. Namen wie Younes Ebnoutalib, Felix Keidel und Finn Jeltsch stehen damit plötzlich im Rampenlicht.
Gerade das macht Klopps ersten Lehrgang so interessant. Der neue Bundestrainer hat nicht die bequemste Variante gewählt. Er hätte auf Bewährtes setzen können. Stattdessen öffnet er die Tür weit.
Auch abseits des Platzes versucht Klopp, die Nationalmannschaft neu zu verbinden. In einem persönlichen Schreiben wandte er sich an ehemalige Nationalspieler und bat um Unterstützung für den Neustart in Richtung Europameisterschaft 2028. Lothar Matthäus begrüßte diesen Ansatz ausdrücklich.
Klopp will offenbar nicht nur eine Mannschaft aufbauen. Er will wieder ein Gefühl rund um die Nationalmannschaft schaffen.
Natürlich bringt ein XXL-Kader auch Härtefälle mit sich.
Deniz Undav, bei der Weltmeisterschaft noch dreifacher Torschütze, fehlt diesmal. Auch Leroy Sané wartet auf seine Rückkehr. Matthias Ginter steht ebenfalls nicht im Aufgebot.
Das zeigt: Klopp verteilt keine Freifahrtscheine. Wer zuletzt dabei war, muss nicht automatisch wieder dabei sein.
Auf der Torhüterposition ist die Rollenverteilung zunächst klarer. Marc-André ter Stegen ist für die ersten beiden Spiele als Nummer eins vorgesehen. Eine dauerhafte Garantie für die Zukunft ist das allerdings nicht.
Und dann wäre da noch Paris Brunner.
Der 20-Jährige hat den Sprung in den A-Kader diesmal noch nicht geschafft. Dafür steht er im Aufgebot der deutschen U21 und kann dort weiter auf sich aufmerksam machen. Die Tür nach oben ist damit keineswegs geschlossen.
Das gilt auch für Assan Ouédraogo. Der Leipziger fehlt verletzungsbedingt, wäre nach Klopps Vorstellungen aber ein Kandidat für die neue Nationalmannschaft gewesen.
Die Botschaft ist damit ziemlich eindeutig: Wer Leistung bringt, soll seine Chance bekommen.
Jetzt wird es spannend.
Die Niederlande, Griechenland und Serbien sind die Gegner in der Nations-League-Gruppe. Klingt zunächst überschaubar. Aber genau darin liegt auch die Gefahr: Deutschland darf sich nicht selbst einreden, dass der Neustart automatisch funktioniert, nur weil der Trainer Klopp heißt.
Die Vergangenheit zählt nicht. Große Namen zählen nicht. Und auch ein schönes Retrotrikot hilft nicht weiter.
Was zählt, ist das, was auf dem Platz passiert.
Die deutsche Nationalmannschaft muss wieder schneller spielen, mutiger auftreten und vor allem das Gefühl vermitteln, dass sie selbst bestimmen will, was in einem Spiel passiert. Genau daran wird Klopp gemessen werden.
Nicht daran, wie viele ehemalige Nationalspieler er anschreibt. Nicht daran, wie groß sein Kader ist. Und auch nicht daran, wie viele Schlagzeilen sein Retrotrikot produziert.
Sondern daran, ob aus vielen einzelnen Spielern wieder eine Mannschaft wird.
Der Auftakt könnte dafür kaum passender sein. Niederlande gegen Deutschland ist ein Klassiker – und Amsterdam ist kein Ort, an dem man sich gemütlich in einen Neustart hineintasten kann.
Am Donnerstag um 20:45 Uhr beginnt deshalb die erste echte Bewährungsprobe für Jürgen Klopp.
Dann ist Schluss mit Vorbereitung.
Dann zählt nur noch der Fußball. ⚽















