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·17. September 2026

Stunden nach der Kritik trifft Woltemade – aber die Undav-Frage ist damit nicht beantwortet

Artikelbild:Stunden nach der Kritik trifft Woltemade – aber die Undav-Frage ist damit nicht beantwortet

Frankfurt. Um 14.53 Uhr veröffentlichte n-tv einen Kommentar, der Jürgen Klopp einen Widerspruch vorhielt: Der Bundestrainer streiche Deniz Undav wegen „Problemen“, nominiere aber Nick Woltemade, der bei Juventus Turin „genauso wenig in Form“ sei. Das Argument war in Zahlen gegossen: Undav vier Vorlagen in fünf Spielen, Woltemade null Tore, null Vorlagen, 44 Minuten Einsatzzeit.

Um 21.35 Uhr verwandelte Woltemade beim 5:0 gegen NEC Nijmegen einen Foulelfmeter. Erstes Tor für Juventus, erster Startelfeinsatz, Applaus von Luciano Spalletti an der Seitenlinie. Sieben Stunden. So lange hielt die Statistik.


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Was Klopp gesagt hat

Der Bundestrainer hatte sich auf der Pressekonferenz erklärt, ohne viele Worte: „Deniz hat bisher seine Probleme, er hat noch nicht so richtig in die Saison reingefunden. Ich wollte mich hier für vier Stürmer entscheiden und habe mich für die anderen entschieden.“ Die anderen sind Kai Havertz (Kader eins), Younes Ebnoutalib (Kader eins), Jonathan Burkardt und Woltemade (beide Kader zwei). Klopp betonte, er habe Undav persönlich erklärt, warum – und dass die Tür nicht zu sei.

Der Vorwurf, den n-tv daraus baute, ist nachvollziehbar: Wer Undav mit Formmangel begründet, muss erklären, warum Woltemade davon ausgenommen ist. Klopp hat es nicht getan. Er hat auch nicht gesagt, dass er einen großgewachsenen Mittelstürmer wollte – was die naheliegendste Erklärung wäre.

Was für Undav spricht

Die Quote. Neun Tore in 13 Länderspielen – kein deutscher Stürmer trifft derzeit verlässlicher. Bei der WM war er mit drei Treffern gemeinsam mit Havertz bester deutscher Torschütze, obwohl er meist von der Bank kam. In der vergangenen Bundesliga-Saison war er hinter Harry Kane der beste deutsche Stürmer. Und Klopp selbst hatte sich vor dem WM-Auftakt gegen Curaçao, damals noch als TV-Experte, Undav in der Startelf gewünscht.

Dazu die Rolle: Undav ist seit dieser Saison Stuttgarts Kapitän, bindet Gegenspieler, bereitet vor. Vier Vorlagen in fünf Pflichtspielen sind für einen Stürmer ohne eigenes Tor ein bemerkenswerter Wert. Sebastian Hoeneß hatte ihn zwei Wochen zuvor öffentlich verteidigt – „Wer Deniz Undav anhand von Statistiken erklären will, hat aus meiner Sicht schon verloren“ – und nach der Nominierung nachgelegt: Es sei „nur eine Frage der Zeit“, bis Undav wieder in den Fokus rücke.

Was gegen ihn spricht

Auch das gehört dazu. Undav hat in fünf Spielen kein Tor erzielt, laboriert an der Achillessehne und saß am vergangenen Samstag in Hoffenheim auf der Bank – Hoeneß hatte Ermedin Demirović und Dzenan Pejčinović den Vorzug gegeben. Als er eingewechselt wurde, vertändelte er die klarste Ausgleichschance, indem er statt abzuschließen quer in den Rücken eines Mitspielers legte. Der kicker nannte es das „Sinnbild“ für die fehlende Kaltschnäuzigkeit und schrieb, Undav „sucht weiter nach seiner Form“.

Ein Stürmer, der bei seinem Verein nicht mehr gesetzt ist, hat gegenüber einem Bundestrainer ein schwächeres Argument als seine Länderspielquote. Klopps Formulierung – „noch nicht so richtig in die Saison reingefunden“ – ist unglücklich gewählt, aber sie beschreibt etwas Reales.

Warum Woltemade trotzdem die schwächere Wahl war – und es jetzt nicht mehr ist

Am Donnerstagmorgen war die Nominierung von Woltemade schwer zu begründen. Zwei Jokereinsätze für Juventus, 44 Minuten, kein Scorerpunkt, davor eine zweite Saisonhälfte in Newcastle, die laut fussballdaten „kaum überzeugte“. Die Gazzetta hatte ihn abgestraft, Spalletti selbst sagte vor dem NEC-Spiel: „Er war bei seiner Ankunft nicht besonders gut in Form. Er muss erst noch aufgebaut werden.“ Ein Trainer, der öffentlich von Aufbauarbeit spricht, ist kein Formzeugnis.

Am Donnerstagabend sah es anders aus. Startelf, Elfmeter, erstes Tor seit Mitte Mai. Nico González drückte ihm vor der Ausführung demonstrativ den Ball in die Hand und strich ihm durch die Haare – die Geste einer Mannschaft für einen Mitspieler, von dem sie weiß, dass er sie braucht. Woltemade traf. Spalletti klatschte.

Man sollte daraus nicht zu viel machen. Ein Elfmeter gegen einen niederländischen Außenseiter beweist keine Form. Aber er verschiebt die Beweislast: Wer heute schreibt, Woltemade habe die Nominierung nicht verdient, muss erklären, warum ein Tor weniger zählt als vier Vorlagen.

Die eigentliche Frage

Sie lautet nicht, wer der bessere Stürmer ist. Sie lautet, was Klopp mit dem zweiten Kader vorhat. Woltemade steht in Kader zwei, mit Wirtz, El Mala, Adeyemi, Burkardt – der Gruppe, die am 1. Oktober gegen Serbien und am 4. Oktober in Thessaloniki spielt. Das ist die Gruppe, in der Klopp sich Spieler anschaut, die er nicht kennt. Undav kennt er. Er hat ihn bei der WM als TV-Experte gelobt, er hat mit ihm telefoniert, er weiß, was er bekommt.

Einen 30-Jährigen mit bekannter Quote kann man im Oktober nachnominieren. Einen 24-Jährigen, der gerade in Italien um seine Karriere spielt, sieht man nur, wenn man ihn holt. Das ist keine Entschuldigung für Klopps Begründung, die tatsächlich unpräzise war. Aber es ist eine Erklärung, die er nicht geliefert hat – und die besser gewesen wäre als „Probleme“.

Hoeneß hat recht: Undav wird zurückkommen, sobald er trifft. Und Woltemade hat am Donnerstagabend die erste Rate darauf gezahlt, dass Klopp ihn geholt hat. Die Debatte ist damit nicht beendet. Sie ist nur auf Oktober vertagt.

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