Miasanrot
·7. Mai 2026
Szenenanalyse: Dieses Problem des FC Bayern muss Kompany in den Griff bekommen

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·7. Mai 2026

Das frühe Gegentor hat dem FC Bayern gegen Paris Saint-Germain einige Steine in den Weg gelegt. Die Entstehung war nicht neu für den FCB. Eine Szenenanalyse.
Nicht mal drei Minuten waren gespielt, da stand es bereits 1:0 für Paris Saint-Germain. Das Worst-Case-Szenario war eingetroffen: Der kochenden Allianz Arena wurde für kurze Zeit der Zahn gezogen und der FC Bayern musste nun zwei Tore erzielen.
Paris Saint-Germain hingegen konnte sich mit dem komfortablen Vorsprung mehr auf die Defensivarbeit und das offensive Umschaltspiel konzentrieren. Ein Vorteil, der die gesamte Partie entscheidend beeinflusste. Bayern lief fortan gegen eine Wand und schaffte es zu selten, sich klare Torchancen zu erspielen.
Umso bitterer, dass die Entstehung des Gegentors einem klaren Muster folgte, auf das Luis Enrique seine Mannschaft vermutlich spezifisch eingestellt hat. Denn es ist ein Tor, dass der FCB unter Vincent Kompany schon häufiger kassierte.
Die Ausgangslage ist ein ruhiger Spielaufbau von PSG. Bayern lief aggressiv an, schaffte es aber nicht, wirklich Druck aufzubauen und orientierte sich irgendwann etwas weiter in Richtung Defensive. Und genau in diesen Moment hinein zog Paris das Tempo plötzlich an.

Auf den ersten Blick scheint die Situation klar zu sein: Upamecano lässt sich aus der Viererkette ziehen und verschuldet damit den riesigen Raum hinter der Bayern-Abwehr, den Kvaratskhelia, von dem er sich überrumpeln lässt, anschließend nutzt. Aber diese Analyse greift viel zu kurz.
Denn im System von Kompany macht Upamecano hier erstmal alles richtig: Er verfolgt Kvaratskhelia und ist sofort an ihm dran, als der den Ball bekommt, um zu stören. Individualtaktisch gibt es daran nichts auszusetzen. Dass er dann vom Georgier überlaufen wird, kann man dem Innenverteidiger eher anlasten, aber wie Kvaratskhelia das macht, ist pure Weltklasse. Einen solchen Richtungswechsel vorbei an einem physisch derart starken Abwehrspieler wie Upamecano bekommen nur sehr, sehr wenige Spieler auf der Welt hin.
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Umso wichtiger ist es, dass man diese Situation nicht isoliert betrachtet, sondern die Absicherung des richtigen Laufs von Upamecano in den Fokus rückt. Denn die war schlecht. Besonders das Verhalten von Jonathan Tah und Konrad Laimer muss da betrachtet werden. Aber auch Díaz und Stanišić spielen eine Rolle.

Laimer ist zu weit von Ruiz weg, der sich auf den linken Flügel bewegt hat. PSG arbeitete auch im weiteren Spielverlauf immer wieder mit solchen Überladungen, doch nach dem Gegentor war Laimer dann deutlich aktiver und gedankenschneller. In dieser Szene aber zögert der Österreicher zu lange und schafft es nicht, entweder den Klatschpass von Kvaratskhelia nach außen abzufangen oder Ruiz entscheidend zu stören.
Die noch größere Verantwortung hat aber Tah. Der ehemalige Leverkusener lässt sich gleichzeitig mit Upamecano bis in die PSG-Hälfte ziehen – obwohl er der ballferne Innenverteidiger ist. Seine Aufgabe wäre es eigentlich, sich etwas fallen zu lassen und bei einem Pass in die Tiefe so einen Vorsprung im Laufduell zu haben. So aber startet er fast auf derselben Höhe wie Kvaratskhelia und hat entsprechend keine Chance.
Dass Tah sich überhaupt nach vorn bewegt, liegt auch daran, dass Díaz keinen Gegenspieler hat. Theoretisch müssen er und Stanišić eine mögliche Verlagerung im Blick haben, doch in dieser Situation wäre es gut gewesen, wenn Díaz sich etwas zentraler orientiert und Tah unterstützt, statt den unwahrscheinlichen Fall einer Seitenverlagerung mitzuverteidigen. Ist der Kolumbianer hier präsenter, kann sich Tah bedenkenloser fallen lassen. Hauptverantwortlich ist dennoch der Innenverteidiger, der die Bewegung von Upamecano antizipieren und absichern muss.
Díaz ist es dann auch, der in der Folge viel zu spät in den Sprintmodus geht. Erst als Kvaratskhelia schon fast im Strafraum ist, zieht Díaz das Tempo an. Es ist auch nicht das erste Mal, dass der FC Bayern in einer derartigen Situation nicht schnell genug realisiert, dass die gesamte Mannschaft mit zurückarbeiten muss, um einen Pass in den Rückraum zu verteidigen.
Oft werden Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlović dafür in die Pflicht genommen, weil das ihre Position ist. In dieser Situation aber hätte Díaz derjenige sein müssen, der den anschließenden Pass in die Mitte gemeinsam mit den Verteidigern erschwert.
Einen kleinen Anteil hat letztlich auch Stanišić, der sich von Dembélé düpieren lässt. Der Franzose macht einen Richtungswechsel und schickt den Bayern-Verteidiger damit ins Leere. Allerdings ist das vor allem sehr gut vom Angreifer gelöst. Stanišić muss hier im Bruchteil einer Sekunde reagieren. Seine Vororientierung ist mit drei Schulterblicken gut, dass er dann von Dembélé verladen wird, kann passieren.
Alles in allem ein Gegentor, das vielleicht nicht im Detail am Reißbrett von Enrique vorbereitet wurde, aber schon eines, das klar die Handschrift von guten Analysten trägt. Das Problem der Bayern war nicht, dass sie zu weit aufgerückt sind. Numerisch hatten sie genug Spieler in der Nähe, um das besser zu verteidigen.
Es ist eher so, dass die Münchner in der Phase zwischen einem nicht greifenden hohen Pressing und der Neusortierung in einer etwas tieferen Ausrichtung manchmal zu viel Zeit brauchen und unorganisiert sind. Das hat PSG hier eiskalt ausgenutzt.
Wer die Qualität hat, das hohe Pressing der Bayern spielerisch aufzulösen, der hat auch hin und wieder die Möglichkeit, exakt diese Räume zu bespielen. Eine taktische Lösung darauf zu finden, ist schwer. Die Vorzüge des aggressiven Spiels gegen den Ball überwiegen auf die gesamte Saison gesehen. Nur wenn man zu lange hinterherläuft, kommt der Moment, in dem man sich fallen lassen muss.
Hier scheinen die Abläufe manchmal etwas unklar zu sein – vor allem dann, wenn ein Gegner mit so vielen Positionswechseln arbeitet wie Paris. Kompany und sein Trainerteam könnten also versuchen, den Prozess im Umschalten von einem Angriffspressing in ein tieferes Pressing irgendwie zu beschleunigen.
Letztlich würde aber auch das keine Fehler ausschließen. Denn sobald enorme Qualität wie die von PSG auf dem Platz steht, steigt auch das Risiko für eine Fehlerkette wie beim 0:1. Das gilt ebenso für andere Systeme und Ausrichtungen – dann eben in anderen Kontexten. Andersherum galt das ja genauso. Im Hin- und Rückspiel haben auch die Bayern Räume vorgefunden, die aus individuellen Fehlern der Pariser entstanden. Nur haben sie diese nicht so eiskalt genutzt wie ihr Gegner.







































