Taktikanalyse: Kann der FCK mehr als nur zerstören? | OneFootball

Taktikanalyse: Kann der FCK mehr als nur zerstören? | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: Treffpunkt Betze

Treffpunkt Betze

·13. Februar 2026

Taktikanalyse: Kann der FCK mehr als nur zerstören?

Artikelbild:Taktikanalyse: Kann der FCK mehr als nur zerstören?

Seit dem Amtsantritt von Thorsten Lieberknecht im vergangenen Sommer hält die Kritik an seinem Spielsystem an. Es sei zu unkreativ und unattraktiv und es fehle an einer konkreten Spielidee – so oder so ähnlich lauten die meisten Vorwürfe an das Trainerteam. Doch ist das überhaupt zutreffend? Es ist Zeit, einmal genauer hinzuschauen.

Sirch als Quarterback

5-2-2-1 lautet die Formation unter Thorsten Lieberknecht. Immer. Egal, ob mit oder ohne Ball. Es gibt keinen inversiven Außenverteidiger, keine falsche Neun und auch keinen abkippenden Sechser. Jeder spielt genau da, wo man ihn auch vermuten würde. 

Grundsätzlich gilt natürlich, dass der FCK nicht immer gleich auftritt und sich gerade unter Thorsten Lieberknecht immer wieder an den Gegner anpasst. Dennoch lassen sich vor allem in den Statistiken ein recht deutliches Muster erkennen. Unter Lieberknecht gilt wieder das Motto: „Hoch und weit gibt Sicherheit“.


OneFootball Videos


Der FCK spielt die drittmeisten hohen Pässe in der Liga; nur Schalke und Bielefeld haben mehr. In den Kategorien Ballbesitz, Ballaktionen, Passeffizienz und Pässe aus dem Spiel liegt der FCK im Ligavergleich im letzten Drittel. Das bedeutet jedoch nicht, dass der FCK nur Antifußballer in seinen Reihen hat, sondern eher, dass man alles daran setzt, den Ball möglichst schnell in die gefährliche Zone zu bringen.

Der wichtigste Spieler für diesen Spielaufbau ist Luca Sirch. Er spielt fast doppelt so viele Pässe wie jeder andere FCK-Feldspieler, hat die meisten Ballbesitzphasen und spielt die meisten schwierigen Pässe in der gesamten Liga (bundesliga.de). Dass ein Spieler mit diesen Statistiken nicht in der zentralen Innenverteidigerposition spielt, ist durchaus verwunderlich. Vor allem, wenn man sich die Statistiken von Maxwell Gyamfi anschaut. Dieser hat zwar die beste Passquote von 94 Prozent, spielt aber ausschließlich Sicherheitspässe (durchschnittliche xPasses von 0,88).

Whatsapp-Channel

**Betze-News direkt aufs Smartphone?** Erhalte alle Neuigkeiten per Push-Nachricht über unseren Whatsapp-Kanal

Ebenfalls verwunderlich ist die Rolle von Semih Sahin. Während er in Elversberg noch neben dem defensiven Sechser spielte und somit deutlich stärker in den Spielaufbau eingebunden war, spielt er beim FCK deutlich weiter vorne als Kunze neben ihm. Das spiegelt sich auch in den Leistungen wider. Das ist nicht nur eine Einschätzung von außen, sondern wird auch vom Spieler selbst so gesehen. Gegen den KSC spielte Sahin fast wie ein linker Flügelspieler. Im Interview nach dem Spiel sagte Sahin dazu: „Die PS, die ich habe, bekomme ich so nicht auf den Platz.“ Nun kann man argumentieren, dass der FCK Sahin als tiefen Spielmacher gar nicht braucht, doch dann stellt sich die Frage, warum man ihn im Sommer für viel Geld aus Elversberg geholt hat.

Tore durch individuelle Klasse

Die Offensive des FCK bringt die PS auf die Straße. Mit 35 Saisontoren stellt man den viertbesten Angriff der Liga. Dabei kann sich die Mannschaft vor allem auf ihre Effizienz verlassen. Die Lauf-xGoals-Effizienz des FCK liegt fast vier Tore über dem xGoals-Wert. Damit liegt man in der Liga hinter Fürth auf Platz zwei. Im Durchschnitt schießen die Clubs der zweiten Liga fast drei Tore weniger als erwartet. Ein weiterer Wert, der die Effizienz des FCK belegt, ist: Aus 27 Großchancen (Platz 8 in der Liga) hat der FCK 17 Tore (Platz 3 in der Liga) erzielt. Elversberg hingegen hat für ein Tor mehr 43 Großchancen gebraucht.

Doch wie schafft es der FCK, so effizient vor dem Tor zu sein? Zum einen ist es die individuelle Klasse. Prtajin und Skyttä sind beide Ligaspitze in Sachen expected Goals-Effizienz. Umso wichtiger ist es, beide regelmäßig in gute Abschlusspositionen zu bringen. Dies geschieht auf zwei Wegen. Einerseits durch Flanken, vorzugsweise auf Ivan Prtajin, der dann per Kopf selbst abschließt oder auf die ebenfalls abschlussstarken Ritter und Skyttä ablegt.

Sowohl Haas als auch Joly haben noch viel Luft nach oben, was die Qualität und Quantität der Flanken angeht. Zusammen kommen sie auf 141 Flanken mit einer durchschnittlichen Erfolgsquote von 17 Prozent. Zum Vergleich: Allein Fabian Reese hat bereits über 120 Flanken mit einer Erfolgsquote von 21 Prozent geschlagen. Die andere Möglichkeit sind Umschaltsituationen. Neben hohen Ballgewinnen, die zu Torabschlüssen führen, hat der FCK auch schon acht Kontertore geschossen – Ligabestwert. So oder so lässt sich die offensive Spielidee der Roten Teufel auf folgende Formel bringen: Möglichst schnell in gute Abschlusspositionen kommen, egal wie. Ein Plan, der aufgeht, solange die wichtigen Spieler fit bleiben. Gerade bei Ivan Prtajin, der nun wieder bis zur nächsten Saison ausfällt, ist das ein großes Problem.

Radikales Risiko

Gegen den Ball lässt Lieberknecht häufig im Eins-gegen-Eins über den gesamten Platz pressen. Damit hat jeder Spieler einen festen Gegenspieler. Wie gut das funktionieren kann, hat beispielsweise das Spiel gegen Münster gezeigt. Dort hat der FCK das sonst so kontrollierte Aufbauspiel der Münsteraner unterbunden und die langen Bälle mithilfe der körperlichen Vorteile von Ji-Soo Kim und Maxwell Gyamfi wegverteidigt. Wie risikobehaftet das Ganze sein kann, sieht man perfekt am 1:0 von Magdeburg am 17. Spieltag. Ziehen nicht alle mit, löst der Gegner das Pressing auf und schafft es in Gleichzahl oder sogar Überzahl ins letzte Drittel.

Wichtigster Spieler gegen den Ball ist Abräumer Fabian Kunze. Er bestreitet die meisten Zweikämpfe am Boden und in der Luft, begeht die meisten Fouls und hat am 21. Spieltag bereits zehn Gelbe Karten erhalten. Kunze ist dabei selten ein reiner Manndecker, sondern verteidigt konsequent den Raum zentral vor der Abwehrkette.

Ein weiteres Problem bleibt die Laufleistung. In der reinen Laufleistung belegt der FCK ligaweit Platz 15, allein die Intensität hat sich unter Thorsten Lieberknecht verbessert. Mit insgesamt 3.206 Sprints belegt der FCK Platz 9. Ebenfalls ein Defizit im Kader der Roten Teufel ist die Geschwindigkeit. Lediglich vier Spieler knackten die 34 km/h: Neben Luca Sirch und Mika Haas waren dies Richmond Tachie und Dickson Abiama, die im Winter den Verein verlassen haben.

Gutes Fundament, noch viel Potential

In der Hinrunde hat der FCK mehr als einmal gezeigt, dass die pragmatische Spielidee mit dem Ball und das risikoreiche Spiel gegen den Ball erfolgreich sein kann. Ebenso häufig wurden jedoch auch die Schwächen des Systems offengelegt. Der FCK hat mehr als einmal gezeigt, wie abhängig er von der individuellen Leistung der Spieler ist. Egal, ob defensiv, wo individuelle Fehler, wie beispielsweise die roten Karten von Gyamfi und Robinson, Punkte kosteten, oder offensiv, wo Ivan Prtajin schmerzlich vermisst wurde.

Zudem fehlt es an Variabilität mit dem Ball. Tiefstehende Gegner, die den „Roten Teufeln” den Ball überlassen, haben häufig leichtes Spiel, da dem FCK jeglicher Plan fehlt, wie man diese Gegner bespielt. Dennoch hat sich der FCK unter Thorsten Lieberknecht ein Fundament geschaffen, Spieler entwickelt und sich vor allem gegen den Ball weiterentwickelt. Mit Chernev und Rasmussen hat der FCK zudem zwei spielstarke Innenverteidiger verpflichtet. Es bleibt abzuwarten, ob diese auch die Chance bekommen, ihre Stärken auszuspielen, oder ob es ähnlich verläuft wie bei Semih Sahin.

Impressum des Publishers ansehen