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·6. Januar 2026

The Dream is Real: Was nach den Karl-Aussagen hängen bleibt

Artikelbild:The Dream is Real: Was nach den Karl-Aussagen hängen bleibt

Gleich zu Beginn der ersten vollen Woche des neuen Jahres schlugen die Aussagen von Lennart Karl beim FC Bayern München hohe Wellen. Der 17-jährige Wunderknabe sorgte bei einem Fanklub-Treffen für Wirbel, als er keinen Hehl daraus machte, dass er sich durchaus vorstellen könne, eines Tages für Real Madrid zu spielen und dass er gewissermaßen sogar davon träume, eines Tages das blütenweiße Trikot der Königlichen überzustreifen. Vor allem unter Teilen des Münchner Anhangs kamen diese Worte des Youngsters gar nicht gut an, wodurch Karl unter anderem im Netz einen gewaltigen Shitstorm lostrat. Für mich ist klar, wie man beim Rekordmeister mit den brisanten Aussagen des Shootingstars umgehen sollte und was nach dieser Geschichte hängenbleibt.

Es sind die Aussagen eines 17-jährigen, ballverliebten Kickers, der gerade aus dem Jugendfußball entsprungen ist und seine ersten Schritte im Haifischbecken des Profifußballs auf beeindruckende Art und Weise unternimmt. So erfreut man bisher über seine unbekümmerten Art Fußball zu spielen war, sollte man nun auch die erfrischende Ehrlichkeit des Teenagers wertschätzen, anstatt sie mit plumpen Stammtischparolen wie ein Höhlenmensch zu verteufeln. Ehrliche Worte statt eines vollkommen schwachsinnigen Eiertanzes, wie er in Media-Schulungen vermittelt wird und bei dem jeder weiß, dass es nicht zu 100 Prozent dem entspricht, was der Spieler wirklich denkt, aber alle zufrieden sind, weil halbwegs das gesagt wurde, was man am liebsten hören wollte.


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Jeder wünscht sich doch ständig echte Typen im Fußball. Wenn dann aber ein aufstrebender Jungspund lobenswerterweise die Eier hat, das auszusprechen, was in seinem Inneren tatsächlich Fakt ist, dann passt es manchen Leuten auch wieder nicht, weil man sich in seiner falschen oder vorgespielten Ehre verletzt fühlt.

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Die ehrlichen Aussagen machen Lennart Karl nur noch symphatischer / KARL-JOSEF HILDENBRAND/GettyImages

Die künstliche Aufregung ist peinlich

Vermutlich können sich viele von denen, die jetzt am lautesten aufschreien, noch gut daran erinnern, wie sie als junge Kicker selbst auf dem heimischen Bolzplatz standen. Obwohl sie schon damals eine große Liebe zum FC Bayern hegten, träumten sie selbst davon, im Trikot von Real Madrid zu spielen. Es ist ein Traum, der bereits millionenfach auf der Welt geträumt wurde und wird. Und nur weil Lennart Karl das Bayern-Trikot trägt, ist es nicht verwerflich, dass auch er diesen Traum träumt und und ihn ausspricht. Womöglich war dieser Traum ja schon in Karls Kopf, bevor er überhaupt zum FC Bayern kam?

Dieses unnötige und künstliche Aufregen über lächerlich aufgeblasene Themen nervt ohne Ende. Der Junge zerreißt sich seit Jahren für den Rekordmeister. Würde er das nicht tun, stünde er mit seinen zarten 17 Lenzen nicht da, wo er jetzt steht – im Rampenlicht und dummerweise nun in der Kritik derer, die ihm zuvor noch scheinheilig die Füße geküsst hätten. Über den FC Bayern kann man ja viel sagen, aber sportliche Geschenke bekommt man dort sicher nicht - auch ein Lennart Karl nicht. Dass der 17-Jährige einen solch großen Traum äußert, sollte eher Anlass sein, sich auf weitere Glanzleistungen und seinen Willen, sich stetig verbessern zu wollen, zu freuen, anstatt ihn dafür zu verteufeln, dass er gesagt hat, was er wirklich denkt und fühlt.

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In Zukunft wird man wohl deutlich verpacktere Aussagen von Lennart Karl bekommen / Marcel Engelbrecht - firo sportphoto/GettyImages

Alles, was man mit diesem dämlichen Shitstorm nun vermutlich bewirkt, ist, das Gefühl bei Lennart Karl zu wecken, dass er eben nicht der sein kann, der er ist, um bedingungslos geliebt und geschätzt zu werden. Stattdessen wird er sich nun zweimal überlegen, was er in Zukunft unverblümt sagt und was nicht. Wer glaubt, damit ein Umdenken bei Karl bewirkt zu haben, lebt vermutlich hinter dem Mond. Diese Geschichte zeigt jedoch auch einen anderen, ernüchternden Punkt: Der Fußball ist nicht nur im hart umkämpften Business an sich, sondern auch auf Teilen der Zuschauerränge hochgradig falsch und hinterfotzig. Ganz offensichtlich ist die Liebe der Bayern-Fans in manchen Teilen aber nicht bedingungslos und das sagt letztlich mehr über eben diese Fans aus als über Lennart Karl.

Lieber klare Kante statt scheinheiliger Eiertanz

Dass Karl in diesem knallharten Business in erster Linie einen Job zu erledigen hat und Leistungen im Rahmen der Erwartungen seines Arbeitgebers und mit einer gewissen Loyalität erbringt, versteht sich von selbst. Dass sich der Youngster jetzt aber hinstellt und dem FC Bayern ewige Treue schwört, nur weil dies am besten ins rosarote Bayern-Bild so mancher Fans passen würde, ist in meinen Augen absoluter Schwachsinn und grobe Heuchelei!

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Frech und unbekümmert - hoffentlich erhält sich Lennart Karl diese Eigenschaften möglichst lange / Stefan Matzke - sampics/GettyImages

Ich finde es stattdessen ungeheuer erfrischend, dass Karl das Herz auf der Zunge zu tragen scheint und man ganz offensichtlich weiß, woran man bei ihm ist. Karl scheint keine Mogelpackung zu sein, der heute Wasser predigt und morgen Wein säuft - genau diese Eigenschaften werden im Fußball doch so schmerzlich vermisst, oder etwa nicht?! Diese sinnbefreite Draufhaugesellschaft, nur weil jemand etwas sagt, das anderen nicht in den Kragen passt, ist die absolute Seuche und man kann sich nur noch fremdschämen. Man sollte sich eigentlich besser freuen, dass da ein junger Mann bereits sehr klar im Kopf und diszipliniert zu sein scheint, große Ziele hat und ganz offenbar Wert darauf legt, authentisch zu sein. Hoffentlich lässt man dem Jungspund in München auch weiterhin seinen Freiraum authentisch zu antworten, anstatt ihm jedes Mal über den Mund zu fahren, nur weil sich da draußen jemand auf den Schlips getreten fühlt.

Haken auf dem Platz, geradlinige Worte daneben

Mir ist ein Lennart Karl, der geradlinig ist, deutlich lieber als ein Lennart Karl, der sich immer dem beugt, was gehört werden will. Von dem Münchner Youngster reichen mir verwirrende Haken auf dem Rasen vollkommen aus, abseits davon habe ich stattdessen jede Menge Spaß an direkten und klaren Antworten und Aussagen, bei denen ich ihm das Gesagte auch abkaufen kann und weiß, woran ich bin. Mein Wunsch ab jetzt ist daher: Lasst Lennart Karl weiter Spaß haben, lasst ihn weiter wachsen und lasst ihn weiter träumen. Und vor allem: Lasst ihm die Möglichkeit, in diesem knallharten Business einen Funken Authentizität zu wahren. Was ich mir bereits in den vergangenen Stunden gewünscht hätte: Dass der FC Bayern sich umgehend in die Öffentlichkeit stellt, seinen Youngster in Schutz nimmt und den Shitstorm aus den eigenen Reihen und aufgrund der hier aufgezählten Gründen aufs Schärfste verteufelt. Ein Signal, dass sich Karl diese Ehrlichkeit bewahren soll und dafür Rückendeckung erhält, anstatt nun vermutlich hinter verschlossener Tür den mahnenden Zeigefinger zu heben und dem Youngster zu erklären, dass er so etwas in der schillernden Scheinwelt Profifußball nicht sagen darf. Oder entscheiden nun die Fans, in welcher Bettwäsche man schon als Kind geschlafen haben darf?

Lennart Karl - gebranntes Kind?

Und mal ganz nebenbei gesagt, gehört es leider auch irgendwie zur Wahrheit, dass Real Madrid eben einfach nochmal eine kleine Nummer größer ist als der FC Bayern München - so ungern man das als deutscher Fußballfan auch hören mag. Nicht umsonst stehen aber auf Seiten der Spanier stolze 15 Titel aus der Champions League den sechs Titeln des FC Bayern gegenüber.

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Real Madrid gilt als bedeutendster Fußballverein der Welt / VI-Images/GettyImages

Den großen Traum, zu den Königlichen zu springen, hegten viele andere schon Jahrzehnte vor Lennart Karl und er wird weder der Einzige noch der Letzte sein, dem dieser Traum in den nächsten Jahrzehnten durch den Schädel geistert. Die Chance, dass Lennart Karl einer der wenigen im Business bleibt, der wirklich meint, was er sagt und sagt, was er denkt, könnte sich nach dem Shitstorm der eigenen Fans allerdings mit Blick auf die Zukunft bedauerlicherweise spürbar verschlechtert haben und dazu führen, dass man künftig deutlich gefilterte Aussagen des Shootingstars bekommt. Wie heißt es doch so schön: Ein gebranntes Kind scheut das Feuer.

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