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·22. Mai 2026

Titel-Triumph und Meisterschafts-Drama: Die furiose und turbulente Saisonbilanz von Fenerbahce Istanbul

Artikelbild:Titel-Triumph und Meisterschafts-Drama: Die furiose und turbulente Saisonbilanz von Fenerbahce Istanbul

Das historische Meisterschafts-Warten geht weiter: Die Gelb-Marineblauen holen zwar den prestigeträchtigen Supercup nach Kadiköy, verpassen jedoch im dramatischen Liga-Finish den ganz großen Wurf

Die Spielzeit ist offiziell Geschichte, und in den Reihen des Traditionsklubs aus Istanbul mischt sich Erleichterung über einen gewonnenen Pokal mit tiefer Enttäuschung über das erneute Verpassen des ultimativen Saisonziels. Fenerbahce hat die Saison 2025/26 in der Trendyol Süper Lig mit insgesamt 74 Punkten abgeschlossen. Für die erfolgsverwöhnten Anhänger bedeutet dies jedoch ein weiteres Jahr des Wartens, denn die Mannschaft landete damit bereits die fünfte Saison in Folge auf dem zweiten Platz. Während die Vereinsführung die quälende Sehnsucht nach nationalen Meisterschaften in der Liga auch unter der Regie des kurzzeitigen Übungsleiters Domenico Tedesco nicht stillen konnte, wanderte immerhin eine andere wichtige Trophäe in die Vitrine, da der Klub den Turkcell Supercup gewann.

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In der Endabrechnung der heimischen Liga stehen nach 34 Spielen immerhin 21 Siege, elf Unentschieden und zwei Niederlagen zu Buche. Die Offensivabteilung der Istanbuler präsentierte sich dabei über weite Strecken in Torlaune und ließ den Ball insgesamt 77 Mal im gegnerischen Netz zappeln. Auf der anderen Seite erwies sich die Defensive in den entscheidenden Momenten nicht immer als sattelfest, sodass die Mannschaft 37 Gegentreffer hinnehmen musste. Die Bilanz offenbart Licht und Schatten in einer Spielzeit, die von personellen Wechseln an den Schalthebeln der Macht geprägt war.

Kurzes Intermezzo an der Seitenlinie und der plötzliche Abgang des Weltklassetrainers

Die sportliche Reise hatte im Sommer eigentlich unter einem ganz anderen Stern begonnen. Die Amtszeit des portugiesischen Starcoaches Jose Mourinho bei den Gelb-Marineblauen war in seinem zweiten Jahr jedoch nur von extrem kurzer Dauer. Der renommierte Taktiker bestritt in der Saison 2025–2026 lediglich zwei Ligaspiele mit den Kanarienvögeln. Nach einem Sieg und einen Unentschieden trennten sich die Wege abrupt. Ausschlaggebend für das vorzeitige Ende war das schmerzhafte Ausscheiden gegen den portugiesischen Spitzenklub Benfica Lissabon in der hart umkämpften Playoff-Runde der UEFA Champions League, das die Ambitionen der Vereinsführung jäh bremste.

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Foto: IHA

Als Retter in der Not wurde daraufhin Domenico Tedesco verpflichtet, der am 9. September in der türkischen Metropole eintraf und sein Debüt gegen Trabzonspor feierte. Der deutsch-italienische Trainer stabilisierte das Team rasch, korrigierte die mentalen sowie physischen Defizite aus der Vorbereitung und implementierte erfolgreich seine eigene Spielphilosophie. Unter seiner Führung griffen die Istanbuler noch einmal aktiv in das Meisterschaftsrennen ein. Das bittere Ende seiner Amtszeit folgte jedoch in der 31. Spielwoche der Liga, als das prestigeträchtige Derby gegen den Erzrivalen Galatasaray mit 0:3 verloren ging, was zur Trennung führte. In den 28 Spielen unter seiner Regie holte der Klub im Schnitt 1.96 Punkte pro Partie bei 17 Siegen, neun Unentschieden und zwei Niederlagen.

Starke Auftritte in den prestigeträchtigen Topspielen und der historische Triumph im Atatürk-Olympiastadion

Im Gegensatz zu den Vorjahren wussten die Gelb-Marineblauen in den direkten Duellen mit der nationalen Konkurrenz durchaus zu überzeugen. In den insgesamt sechs Ligaspielen gegen die ewigen Rivalen sammelte das Team starke 13 Punkte. Im eigenen Stadion, dem altehrwürdigen Kadiköy, trennte man sich im Derby von Galatasaray mit einem 1:1-Unentschieden, während sowohl Besiktas als auch Trabzonspor knapp mit 1:0 bezwungen werden konnten. In der Fremde feierte die Mannschaft ebenfalls wichtige Erfolge und behielt gegen Besiktas und Trabzonspor jeweils in packenden Partien mit 3:2 die Oberhand. Einzig die erwähnte 0:3-Heimpleite gegen den späteren Meister trübte die Derby/Topspiel-Bilanz.

Der absolute Höhepunkt der Saison fand jedoch auf der Pokalbühne statt. Im Finale des Turkcell Supercup besiegte die Mannschaft den Rivalen Galatasaray souverän mit 2:0 und machte damit den vierten Titel in diesem Wettbewerb perfekt. Das Turnier wurde nach einem neuen Beschluss des Verbandes erstmals im Final-Four-Modus mit vier Mannschaften ausgetragen, wobei im Halbfinale zunächst Samsunspor mit 2:0 ausgeschaltet wurde. Am 10. Januar schossen Neuzugang Matteo Guendouzi und Jayden Oosterwolde ihr Team im Atatürk-Olympiastadion zum umjubelten Titelgewinn. Damit wanderte die Trophäe nach einer Durststrecke von über elf Jahren endlich wieder in das vereinseigene Museum.

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Dauerbrenner auf dem Platz und die beeindruckende Torquote des brasilianischen Superstars

Beim Blick auf die Einsatzzeiten stach ein Akteur in seiner vierten Spielzeit besonders hervor. Der niederländische Defensivallrounder Jayden Oosterwolde stand in 31 Ligaspielen auf dem Rasen und verpasste die restlichen drei Spiele lediglich aufgrund einer Kartensperre. Insgesamt sammelte er beachtliche 2.626 Einsatzminuten und stand dabei 29 Mal in der Startelf. Zu den absoluten Dauerbrennern gehörten zudem der brasilianische Torhüter-Neuzugang Ederson mit 2.132 Minuten sowie Abwehrchef und Kapitän Milan Skriniar, der in seinen 24 Ligaspielen auf 2.115 Minuten kam. Die Mittelfeldachse um Anderson Talisca, Ismail Yüksek und Fred kam jeweils in 30 Spielen zum Einsatz, gefolgt von Nationalspieler Kerem Aktürkoglu mit 29 Partien, Nelson Semedo mit 26 Einsätzen und Marco Asensio, der 25 Mal auf dem Platz stand.

Im Angriffsspiel der zweitbesten Offensive der Liga zog vor allem ein Mann die Blicke auf sich. Der brasilianische Offensivstar Anderson Talisca avancierte mit phänomenalen 27 Pflichtspieltoren zum unangefochtenen Torschützenkönig des Klubs. Seine Treffer verteilten sich auf 19 Tore in der Süper Lig, vier Tore in der UEFA Europa League, drei Treffer im türkischen Pokal sowie ein Torerfolg in der Champions-League-Qualifikation. Eine ebenso tragende Rolle spielte der spanische Edeltechniker Marco Asensio, der neben seinen elf Toren auch überragende zwölf Vorlagen beisteuerte. Die weiteren Treffer teilten sich Dorgeles Nene mit zehn Toren, Kerem Aktürkoglu mit acht Toren und sieben Assists sowie der im Winter abgewanderte Stürmer Youssef En-Nesyri, der bis zu seinem Wechsel sieben Ligatore beisteuerte.

Das Torwart-Karussell in der Liga und das bittere internationale Erwachen im winterlichen England

Auf der Torhüterposition erlebten die Fans in dieser Spielzeit eine ungewohnte Rotation, da insgesamt fünf verschiedene Keeper das Tor hüteten. Stammkraft Ederson stand in 24 Ligaspielen zwischen den Pfosten, während Routinier Mert Günok in fünf Partien einsprang. Zudem durfte Irfan Can Egribayat in drei Spielen ran, Tarik Cetin absolvierte zwei Partien und der im Sommer nach Girona transferierte Dominik Livakovic stand vor seinem Abschied noch in ein Spiel auf dem Feld. Die Defensivleistung spiegelte sich auch in den Spielen ohne Gegentreffer wider: Ederson hielt seinen Kasten achtmal sauber, während den übrigen Torhütern dies jeweils einmal gelang.

Auf europäischer Bühne verlief die Spielzeit nach dem anfänglichen Erfolg gegen Feyenoord Rotterdam (1:2 und 5:2) und dem darauffolgenden Aus gegen Benfica wechselhaft. In der Ligaphase der UEFA Europa League feierten die Schützlinge von Domenico Tedesco Siege gegen OGC Nizza, VfB Stuttgart und SK Brann Bergen, holten Punkte gegen Viktoria Pilsen, Ferencvaros Budapest sowie Steaua Bukarest, mussten sich jedoch gegen Dinamo Zagreb und Aston Villa geschlagen geben. Mit zwölf Punkten zog das Team in die K.-o.-Runden-Playoffs ein, wo man auf Nottingham Forest traf. Nach einer empfindlichen 0:3-Pleite im Hinspiel reichte der heroische 2:1-Auswärtssieg im Rückspiel nicht für das Achtelfinale. Internationaler Topscorer des Klubs war Kerem Aktürkoglu mit acht Turniertoren.

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Foto: IHA

Ein riesiges Aufgebot mit hoher Fluktuation und die unrühmliche Karten-Krone des niederländischen Abwehrspielers

Der enorme personelle Umbruch unter den Trainern zeigt sich auch in der Gesamtanzahl der eingesetzten Spieler. Insgesamt schickte der Klub in der heimischen Liga 37 verschiedene Akteure auf den Rasen, aufgeteilt in 21 ausländische und 16 einheimische Profis. Davon verließen zwölf Spieler den Verein noch im Laufe der laufenden Saison. Der erfahrenste Akteur im Kader war Keeper Mert Günok mit 37 Jahren, während die beiden Talente Haydar Karatas und Kamil Efe Üregen mit gerade einmal 18 Jahren ihr Debüt feierten. Dass der Kader in der Breite gefährlich war, beweist die Statistik, wonach sich 17 verschiedene Torschützen in der Liga und sogar 19 Akteure auf allen Wettbewerbsebenen in die Torschützenliste eintrugen, wobei Profis aus 16 verschiedenen Nationen das Trikot trugen.

In puncto Disziplin schoss ein Defensivakteur in dieser Saison den Vogel ab. Jayden Oosterwolde erwies sich als der mit Abstand aggressivste Spieler im Kader und sammelte insgesamt elf Gelbe Karten, zudem flog er bereits am ersten Spieltag gegen Göztepe mit einer Roten Karte vom Platz. Außenverteidiger Nelson Semedo folgte ihm mit acht Verwarnungen, während Kapitän Milan Skriniar sowie Keeper Ederson jeweils sechs Gelbe Karten sahen – der brasilianische Schlussmann flog zudem im hitzigen Derby gegen Galatasaray vom Platz. Weitere Strafen gingen an Ismail Yüksek (5), Archie Brown (5), Edson Alvarez (4), Mert Müldür (4) und Matteo Guendouzi (4), während Anthony Musaba die Saison mit 4 Verwarnungen beendete. Je 3 Karten erhielten Kerem Aktürkoglu, Dorgeles Nene, N’Golo Kante, Fred und Yigit Efe Demir, während die restlichen Akteure mit weniger Verwarnungen davonkamen. Zudem sahen Anderson Talisca in der Königsklasse gegen Benfica und in der Europa League gegen Ferencvaros jeweils den Roten Karton.

Die uneinnehmbare Festung in Übersee und die beeindruckenden Comeback-Qualitäten nach Rückständen

Ein echtes Prunkstück des Vizemeisters war in dieser Spielzeit die Heimbilanz in der Liga. Im heimischen Stadion blieb die Mannschaft vor den eigenen Fans komplett ungeschlagen, holte elf Siege und musste sich sechsmal mit einem Remis zufriedengeben. Einzig die Tatsache, dass die Mannschaft in vier Partien in den allerletzten Spielminuten noch sicher geglaubte Punkte verspielte, verhinderte eine noch bessere Punkteausbeute. Zu Hause erzielten die Istanbuler 40 Tore und kassierten 19 Gegentreffer, während man auf internationaler Bühne im eigenen Stadion auf drei Siege, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen kam.

Dass die Mannschaft über eine enorme Moral verfügt, bewies sie in den Partien, in denen sie zunächst in Rückstand geriet. In diesen scheinbar verlorenen Spielen erkämpfte sich das Team noch phänomenale 20 Punkte für das eigene Konto. In den schweren Auswärtsspielen bei Besiktas, Caykur Rizespor, Corendon Alanyaspor und Trabzonspor sowie im Heimspiel gegen Samsunspor drehte das Team einen Rückstand noch komplett um und feierte in diesen Begegnungen gleich viermal einen spektakulären 3:2-Erfolg. Zudem bewies man Nehmerqualitäten bei den hart umkämpften Punktgewinnen gegen Alanyaspor, Galatasaray, Caykur Rizespor und ikas Eyüpspor.

Ein jähes und unerwartetes Ende fand die Reise hingegen im nationalen Pokalwettbewerb, dem türkischen Pokal, der in dieser Saison in einem völlig neuen Format ausgetragen wurde. Die Istanbuler starteten in der Gruppe C und qualifizierten sich nach Duellen mit Besiktas, Beyoglu Yeni Carsi, Erzurumspor FK und Gaziantep FK mit neun Punkten als Gruppenzweiter für die nächste Runde. Im anschließenden Viertelfinale gastierte das Team auswärts bei TÜMOSAN Konyaspor, musste sich dort jedoch nach einer schwachen Offensivleistung mit 0:1 geschlagen geben und verabschiedete sich vorzeitig aus dem Wettbewerb. Dennoch gab es im Laufe der Saison auch echte Schützenfeste zu bewundern, wie das furiose 5:2 auswärts bei Caykur Rizespor oder die deutlichen 4:0-Erfolge gegen Gaziantep FK, Konyaspor und Zecorner Kayserispor, was die enorme Offensivpower untermauert, die in insgesamt zwölf Saisonspielen zu Siegen mit zwei oder mehr Toren Unterschied führte.

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