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·28. Juli 2026
Tor des Turniers: Kap Verdes Cabral schlägt sie alle

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308 Tore fielen bei dieser Weltmeisterschaft. Messi war dabei, Mbappé mit zehn Treffern, Yamal, Ferran Torres im Finale. Gewählt haben die Fans einen Außenverteidiger, der vor zwei Jahren noch in der 3. Liga spielte.
Die FIFA hat am Montag das Ergebnis ihres weltweiten Votings bekanntgegeben: Sidny Lopes Cabral gewinnt den Hyundai Goal of the Tournament für sein 2:2 gegen Argentinien. Aus einer Shortlist von zwölf Treffern wählten die Fans den Schuss des 23-Jährigen auf Platz eins – vor Eldor Shomurodov (Usbekistan) und Wilson Isidor (Haiti).
Die Ausgangslage machte den Treffer erst zu dem, was er ist. Kap Verde lag im Sechzehntelfinale von Miami Gardens 1:2 zurück, Lisandro Martínez hatte in der 93. Minute getroffen, die Verlängerung war zehn Minuten alt. Dann bekam Cabral auf der linken Seite den Ball, zog nach innen an Alexis Mac Allister vorbei und zirkelte ihn mit rechts von der Sechzehnerkante in den entfernten Winkel. Emiliano Martínez streckte sich, kam nicht hin.
Cabral hat den Moment gegenüber der FIFA nüchtern beschrieben: Er habe den Raum gesehen und auf den Winkel gezielt. Danach wurde es weniger nüchtern. „Was zum Teufel habe ich da gerade gemacht?“, sei ihm durch den Kopf geschossen, als er dem Ball hinterhersah.
Was folgte, war das Bild, das um die Welt ging: Cabral riss sich von seinen Mitspielern los, kletterte über die Bande auf die Tribüne, umarmte seine Freundin und suchte in den Rängen nach seiner Mutter.
Geboren wurde Cabral 2002 in Rotterdam, als Sohn kapverdischer Eltern, ausgebildet bei Twente. Sein Weg nach oben verlief über Stationen, die in keiner Hochglanzbiografie stehen: Rot-Weiß Erfurt, danach Viktoria Köln, 3. Liga, Mittelrheinpokal.
Rund 1.000 Euro habe er in Erfurt monatlich verdient, erzählte er später. Seine Wohnung sei leer gewesen, Möbel habe er sich nicht leisten können, als Vorhänge hätten Müllsäcke herhalten müssen. Heimfahren wollte er auch. Aufgehört hat er nicht.
Im Sommer 2025 ging er nach Portugal zu Estrela da Amadora, im Januar 2026 holte ihn Benfica. Diesen Sommer ist er zu Trabzonspor gewechselt. Sechs Tore, fünf Vorlagen in 22 Ligaspielen der abgelaufenen Saison – für einen Verteidiger eine Ansage. Marktwert laut Datenbanken: zwei Millionen Euro. Der Preis für das schönste Tor einer Weltmeisterschaft ist da vergleichsweise günstig ausgefallen.
Die Liste der Vorgänger liest sich anders: Maxi Rodríguez, Diego Forlán, James Rodríguez, Benjamin Pavard, Richarlison. Alles Spieler großer Nationen, alle bei ihren Turnieren im Rampenlicht. Cabral ist der erste Preisträger, dessen Land vor dieser WM noch nie an einer Endrunde teilgenommen hatte.
Denn auch die Mannschaft hinter dem Tor gehört zur Erzählung. Kap Verde überstand die Gruppe H mit drei Remis gegen Spanien, Uruguay und Saudi-Arabien. Drei Punkte, kein Sieg, zwei Gegentore – und Platz zwei. Erstmals seit 2006 schaffte damit wieder ein WM-Neuling den Sprung in die K.-o.-Runde.
Rund 590.000 Menschen leben auf dem Archipel, ungefähr so viele wie in Bremen. Die „Blauhaie“ hielten den Weltmeister 120 Minuten lang auf Distanz, Torhüter Vozinha parierte gegen Messi, was zu parieren war, und selbst nach dem Eigentor von Diney Borges zum 3:2 in der 111. Minute rannten sie noch an. Ausgeschieden ist Kap Verde erst dann – ohne eine einzige Niederlage in der regulären Spielzeit dieses Turniers.
Fan-Votings sind keine Fachjury. Sie belohnen die Geschichte genauso wie die Technik, und die Geschichte war hier übermächtig: Debütant gegen Titelverteidiger, Verlängerung, Rückstand, Winkel. Aber der Schuss hält auch der nüchternen Betrachtung stand. Rechter Fuß, volle Drehung, aus 17 Metern über den besten Elfmetertöter des Weltfußballs hinweg.
Zwei Jahre liegen zwischen der 3. Liga und dieser Auszeichnung. Wer wissen will, warum sich Fußball trotz allem noch lohnt, muss sich nur diesen Werdegang anschauen.
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