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·19. Mai 2026
Torreiche Relegation? Warum RWE gegen Fürth viel Potenzial bietet

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·19. Mai 2026

Für die Fans der beiden beteiligten Vereine werden es die anstrengendsten 180 bis 210 Minuten des ganzen Jahres. Für neutrale Zuschauer wird es ein großer Sport, wenn sich Greuther Fürth und Rot-Weiss Essen am Freitag und Dienstag in der Relegation duellieren. liga3-online.de schaut auf die Vorzeichen, auf die Favoritenrolle – und auf besondere Konstellationen.
Beide Mannschaften, und das ist ungewöhnlich, suchen ihr Heil in der Offensive. Mit 49 erzielten Toren hat Greuther Fürth trotz des 16. Tabellenplatzes nur einen Treffer weniger erzielt als Zweitliga-Meister Schalke 04. 68 Gegentreffer, das entspricht exakt zwei pro Partie, stehen wiederum für den klar schwächsten Wert in der 2. Bundesliga. Doch Vorsicht bei der Bewertung: Nicht nur das 3:0 über Fortuna Düsseldorf, das die unverhoffte Hintertür zum Klassenerhalt überhaupt erst ermöglichte, war das Resultat einer guten Defensivleistung des Kleeblatts. Kassierte die SGF in der Hinrunde noch 44 Tore, so waren es in der Rückrunde nur noch 24 – der beste Wert aller Abstiegskandidaten. Vor Heiko Vogel vogelwild, danach stabil: Ein Nachweis guter Arbeit des 50-Jährigen, der seit Dezember 2025 am Ronhof aktiv ist.
Rot-Weiss Essen feuerte dagegen über die ganze Saison hinweg beständig: 144 Mal rappelte es hüben wie drüben, verteilt auf 78:66 Tore pro RWE. Mehr Action gab es nur beim TSV Havelse (146 Tore), und auch wenn sich Essen gerne eine Weiterentwicklung gewünscht hätte, so trat diese schlicht nicht ein. Selbst beim 3:2-Erfolg in Ulm am vergangenen Samstag hätte sich es die Elf von Trainer Uwe Koschinat viel einfacher machen können, hätte sie nicht das bereits 14. (!) Strafstoß-Gegentor kassiert und kurz darauf einen weiteren Stockfehler begangen, der den ansonsten chancenlosen Absteiger sogar mit 2:1 in Führung brachte. Dass Mannschaften anderer Qualität dies noch stärker bestrafen, und dazu zählt Fürth um Spieler wie Zweitliga-Torschützenkönig Noel Futkeu fraglos, weiß RWE spätestens seit dem kuriosen 3:5 in Cottbus vor wenigen Wochen.
"Über die Vorgehensweise sind wir schon enttäuscht." So kommentierte Jörn Nowak, einstiger Sportchef von Essen zu Viertliga-Zeiten, den Abgang von Noel Futkeu im Januar 2021, "ohne uns noch einmal zu informieren". Der Stürmer war damals gerade 18 Jahre jung, hatte genau sechsmal in der Regionalliga gespielt, ein einziges Pflichtspieltor für Essen geschossen. Sein Wechsel zur Reserve des 1. FC Köln II zahlte sich nicht aus, wohl aber die Rückkehr zu Jugendverein Schwarz-Weiß Essen: Über 30 Tore in der Oberliga-Saison 2022/23 führte der Aufstieg raketenhaft zu Frankfurt II (2023/24) und direkt weiter zu Greuther Fürth. 30 Tore in zwei Zweitliga-Saisons später ist klar: Futkeu spielt bald erstklassig, entweder bei Eintracht Frankfurt, das die Rückkaufoption für schmale rund 1,5 Millionen Euro längst aktiviert hat, oder eben woanders.
Die Fürther Abschiedstour führt ihn aber über seine Heimat und birgt für Rot-Weiss große Gefahr: Tempo, Ballmitnahme und Abschluss des 23-jährigen Futkeu haben sich kontinuierlich gesteigert. Im Saisonendspurt traf er seit dem 30. Spieltag Woche für Woche mindestens einmal, ist dazu im Strafraum mit legalen Mitteln äußerst kompliziert zu verteidigen. Allerdings muss Futkeu im Hinspiel aufpassen: Sieht er dort die 5. Gelbe Karte der Saison, würde er im entscheidenden Heimspiel der SGF am 26. Mai fehlen.
Der einzige Trainer mit Relegationserfahrung in dieser Spielpaarung ist Uwe Koschinat, diese aber dürfte der 54-Jährige lieber wieder verdrängt haben: Mit Arminia Bielefeld scheiterte der Fußballlehrer 2023, damals noch in der Rolle des Zweitligisten, recht sang- und klanglos am SV Wehen Wiesbaden (1:6). Umgekehrt sammelte er hier wertvolle Erfahrungen, wie ein Vertreter der 2. Liga zu knacken ist. Überhaupt spricht die Historie ja weiterhin deutlich für die Drittligisten, die zwölf von 17 Duellen seit Wiedereinführung der Entscheidungsspiele für sich entschieden.
Während Rot-Weiss Essen in diesem Jahrtausend das erste Mal in eine Relegation geht, war Greuther Fürth 2013/14 bereits Teil – damals allerdings als Tabellendritter der 2. Bundesliga. Nach 180 Minuten trennte sich die SGF mit 1:1 vom Hamburger SV, was aufgrund der Auswärtstorregel gleichbedeutend mit dem Scheitern war. Diese Regel ist längst abgeschafft: Bei Gleichstand in Hin- und Rückspiel geht es definitiv in eine Verlängerung. Auch auf Spielerseite betritt RWE übrigens in der Relegation völliges Neuland, während Fürth mit Philip Ziereis (2011/12 mit Regensburg), Paul Will (2021/22 mit Dresden) und Jomaine Consbruch (2022/23 mit Bielefeld) immerhin die Erfahrung dreier Akteure nutzen kann.
Wie so oft, wenn Zweitliga- auf Drittliga-Alltag trifft, werden die Gegensätze enorm sein. So wird allein Noel Futkeu bald einen Marktwert erhalten, der ihn auf dem Papier so wertvoll macht wie der gesamte aktuelle Essener Kader. Auf fast 27 Mio. Euro wird der Fürther Kaderwert beziffert, dem stehen etwa 7,5 Mio. Euro auf RWE-Seite entgegen. Mehr als 400 Spiele Bundesliga- sowie 2.100 Spiele Zweitliga-Erfahrung treffen auf 77 bzw. 300 Einsätze, für die auf Essener Seite maßgeblich Klaus Gjasula sowie Dickson Abiama verantwortlich zeichnen.
Apropos Abiama: Der Rückrunden-Senkrechtstarter von RWE schaffte es 2020 vom SC Eltersdorf aus der Bayernliga direkt in den Fürther Zweitliga-Kader, stieg mit dem Kleeblatt in die Bundesliga auf. Nun ist der 27-Jährige die vielleicht schärfste Essener Waffe im Aufgebot und mahnt mit seinen Rückrunden-Auftritten dazu, dass sich die Augen nicht bloß auf Noel Futkeu richten sollten…
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