Miasanrot
·28. Juni 2026
Transparenzbericht Q2: Es geht darum, ob Miasanrot in der aktuellen Form weiterbestehen kann

In partnership with
Yahoo sportsMiasanrot
·28. Juni 2026

Miasanrot liefert so viel Content wie vielleicht noch nie. Der Aufwand ist enorm. Doch der ausbleibende Ertrag macht die Zukunft ungewisser denn je. Unser Transparenzbericht zum zweiten Quartal.
Grüß dich,
selten ist es mir so schwer gefallen, einen Transparenzbericht zu schreiben. Ich weiß auch nicht, ob es smart von mir ist, mich folgend so zu öffnen. Aber ich will das nicht mehr mit mir allein ausmachen und deshalb offen sein. Als ich diese Woche meine buchhalterischen Pflichten erfüllt habe, habe ich mehrfach darüber nachgedacht, wie ich das Thema angehen soll und welche Art der Herangehensweise zu mir passt.
Ich will nicht, dass dieses Projekt überlebt, weil ich auf die Tränendrüse drücke oder manch einer Mitleid bekommt. Aber ich will auch nicht, dass niemand davon erfährt, wie es um Miasanrot und mich bestellt ist. Und da muss ich ehrlich sein: Nicht allzu gut. Zumindest mit Blick auf das Verhältnis von Aufwand und Ertrag. Es wäre schön, wenn du dir die Zeit nimmst, diesen Text bis zum Schluss zu lesen.
Es fällt mir schwer das öffentlich zuzugeben. Nicht, weil ich weiß, dass es Leute gibt, die mir das von Herzen gönnen. Das ist zweitrangig. Mir fällt es schwer, weil es mit massiven Selbstzweifeln einhergeht und mein dummes Ego es nicht zulassen will, dass ich darüber rede und schreibe. Fakt ist: Scheitert Miasanrot, scheitere auch ich. Miasanrot ist meine Haupteinnahmequelle. Der Rest meines Einkommens setzt sich aus freiberuflichen journalistischen Tätigkeiten für andere Medien zusammen. Von beiden Säulen allein könnte ich nicht leben.
Und das ist zugleich erstmal auch eine positive Nachricht für alle, die nicht wollen, dass dieser Blog und Podcast verschwindet: Solange ich noch die Lust an meinem Job verspüre, werde ich das hier nicht einfach aufgeben. Aber klar ist, dass ich den aktuellen Aufwand nicht halten kann, wenn nicht bald etwas auf der Einnahmenseite passiert.
Mein letzter freier Tag ist ewig her, mein Schlafrhythmus verdient vor allem während der WM seinen Namen nicht mehr und die Zweifel an mir selbst nagen an mir. Aber ich bin gezwungen, es weiter zu probieren.
Lass uns gemeinsam auf die Zahlen blicken. Am härtesten trifft mich ein starker Rückgang auf der Unterstützungsseite. Von Januar bis März lagen wir konstant bei um die 2.500 Euro Einnahmen pro Monat allein durch unsere Community. Im April, Mai und Juni lagen wir durch die Unterstützung per Überweisung, PayPal und Patreon bei nur 2.000 Euro. Das ist ein heftiger Einsturz, den ich erstmal überprüfen musste, aber es stimmt.
Gründe dafür sind schwer auszumachen. Wir hatten in den vergangenen vier, fünf Wochen auch einen starken Einbruch bei den Klickzahlen, weil unsere Artikel im Google-Algorithmus nicht mehr so weit oben gelandet sind. Aber eigentlich sind unsere Einnahmen auf Unterstützungsseite auch unabhängig davon stabil. Hinzu kommt sicherlich, dass einige uns am Anfang eines Jahres einen größeren Betrag überweisen, der dann für mehrere Monate oder das ganze Jahr gedacht ist.
Aber das allein erklärt nicht, dass rund 500 Euro pro Monat fehlen. Ich finde keine Antworten darauf und es beschäftigt mich schon länger, weil ich das natürlich auch auf meinem privaten Konto spüre. Meine Rücklagen sind dünner geworden.
Und eigentlich fehlen ja nicht nur die 500 Euro. Ich würde den Bereich, in dem das aktuelle Niveau von Miasanrot gesichert ist, auf feste Einnahmen durch unsere Unterstützer*innen zwischen 3.000 und 4.000 Euro pro Monat festlegen. Dafür fehlen aktuell 1.000 bis 2.000 Euro.
Werbung ist leider auch keine echte Option – zumindest nicht im großen Stil. Einerseits ist unsere Reichweite für wirklich lukrative Angebote viel zu gering und andererseits waren unsere bisherigen Partnerschaften nicht von nachhaltiger Natur, weil der Ertrag für die jeweiligen Unternehmen überschaubar war.
Noch viel wichtiger ist aber: Ich muss die Balance aus Einnahmen aus journalistischer Tätigkeit und Werbung im Auge behalten, um nicht in eine Situation zu kommen, in der ich ein Gewerbe anmelden muss. Das würde für mich sehr vieles verändern und einiges davon möchte ich nicht. Die Details erspare ich dir an der Stelle.
Ich weiß natürlich, dass es nicht so leicht ist, sich als mittelgroßer, eher kleiner Blog gegen die riesige Konkurrenz durchzusetzen. Wer nach Themen zum FC Bayern sucht, wird in aller Regel bei den üblichen Onlinemedien landen und nicht bei uns. Mit Themenblöcken wie der WM oder der Nationalmannschaft ist es noch krasser.
Viele Artikel erreichten zuletzt nicht mal die Klickzahlen, die notwendig sind, um bei der Ausschüttung der VG Wort damit ein bisschen was zusätzlich zu verdienen. Die VG Wort ist sowas wie die Gema und entlohnt u. a. Autor*innen.
Offenbar sind wir zu austauschbar. Oder unsere Nischenthemen wie Taktikanalysen oder der Fußball der Frauen sind als Alleinstellungsmerkmal nicht mehr ausreichend. Vielleicht bin ich es auch einfach nicht. Vielleicht fehlt mir die Kompetenz, um Ansätze zu finden, mit denen ich erfolgreich bin UND Spaß an dem habe, was ich tue.
Für Boulevard, Ragebait, Clickbait und Transfergerüchte brauche ich diesen Blog jedenfalls nicht weitermachen. Da kann ich mich auch in jede andere Redaktion setzen und als Festangestellter arbeiten. Kein Angriff auf diese Redaktionen, aber das ist nicht der Grund, warum Miasanrot existiert.
Ich finde es wichtig, dass wir mit Miasanrot auch ein paar News und Gerüchte abdecken. Deshalb habe ich jüngst das neue Tickerformat ins Leben gerufen, in dem wir sowas kompakt auffangen wollen. Aber wenn ich bei Miasanrot jetzt auch stundenlang dasselbe mache wie bei anderen Medien, dann sehe ich den Sinn dahinter nicht. Wir waren von Beginn an anders, haben uns mit Detailanalysen, nerdigeren Themen und dem Blick unter die Oberfläche befasst, weil wir daran glauben, dass es dafür ein (großes) Publikum gibt.
Und wenn dieses kleiner ist als andere, dann ist das so. Aber es weiß zu schätzen, was wir tun. Zumindest war das bisher das, was ich dazu dachte.
Ehrlichgesagt bin ich mir gar nicht mehr so sicher. Entweder scheint es so zu sein, dass diese tiefgründigeren Analysen in einer tik-tokisierten Welt nicht mehr so zeitgemäß und gewünscht sind, wie ich es gehofft hatte. Dass es einfach das Zeitalter des Ragebaits und der schmissigen Thesen ist. Oder ich bin einfach nicht gut genug in dem, was ich tue, als dass ausreichend viele Leute bereit dazu wären, mich dafür zu bezahlen.
Klar, das sind nicht die einzigen Szenarien und das soll auch gar kein Selbstmitleid sein. Ich meine das durchaus ernst. Ich war schon mal überzeugter von mir und dem, was ich tue. Glaubte, dass ich im Journalismus andere Perspektiven einbringen könnte, die die Medienlandschaft gut ergänzen und hoffte, dass es mit der Übernahme von Miasanrot die Möglichkeit gibt, ein paar Themen zu setzen oder zumindest ein bisschen Einfluss darauf zu haben, wie Dinge rund um den FC Bayern wahrgenommen werden.
Es ist nicht so, dass ich diesen Glauben komplett verloren habe. Es ist auch nicht so, dass ich alles in Frage stelle, was ich tue und mache. Ich habe weiterhin Selbstbewusstsein und denke, dass ich ein paar Dinge nicht ganz so schlecht mache – sonst wäre das Feedback von meinen Auftraggeber*innen auch deutlich negativer. Und doch ist der Teil in mir, der daran zweifelt, ob ich all dem gewachsen bin und ob ich gut genug für den Weg bin, für den ich mich entschieden habe, gewachsen.
Die Fakten sprechen für sich. Einerseits sind die Einnahmen insgesamt betrachtet höher, als sie es zu Beginn meiner Übernahme waren. Das ist und bleibt positiv. Wir haben seitdem auch viele gute Dinge vermelden können. Miasanrot ist so lebendig wie vielleicht noch nie, wenn es um die Regelmäßigkeit und Ausführlichkeit des Contents geht. Das ist gut.
Aber ich muss auf der anderen Seite eben festhalten, dass es so nicht reichen wird. Ich kann nicht sagen, ob in sechs, sieben oder acht Monaten oder in zwei, drei Jahren, aber ich weiß, dass mein jetziges Pensum mich irgendwann einholen wird. Ich habe schon jetzt Tage, an denen ich auf mich aufpassen muss und wo ich mich aktiv zwingen muss, auch mal nichts zu tun. Und selbst dann setze ich mich doch wieder an den Mac und mache einen Tickereintrag oder analysiere ein Fußballspiel.
Ich bin ständig unter Strom, ständig auf der Suche nach neuen Themen, nach Möglichkeiten, diesen Blog zu verbessern und voranzubringen. Weil ich mir nichts mehr wünsche, als dieses wunderschöne und tolle Projekt auf einem professionellen Niveau zu leiten. Aber irgendwann ist es zu viel Strom und ich muss anfangen, darüber nachzudenken, was eine mögliche Sicherung wäre.
Es ist ein Teufelskreis. Weniger Content bedeutet weniger Unterstützung (been there, done that) und weniger Reichweite. Stumpf mehr Content zu produzieren, um mehr Content zu haben, ist auch nicht die Lösung. Das machen genug Medien. Es gäbe auch die Möglichkeit, nur noch Podcast und Social Media zu machen, aber auch da bin ich ehrlich: Ich schreibe zu gern. Ich will das nicht missen und halte das nach wie vor für einen wesentlichen und wichtigen Bestandteil unseres Alltags. Auch wenn immer weniger Leute sich die Zeit nehmen. Kudos, wenn du das hier gerade liest. Hab dich gern.
Es gibt auch Dinge abseits der reinen Finanzen, die mich beschäftigen. Zum Beispiel die Frage, wie unsere bestehende Community uns vielleicht noch mehr unterstützen kann. Und ob es möglich ist, dass unsere Community lauter wird. Folgende Dinge sind mir eingefallen, die du konkret tun kannst:
Ich weiß, was du als Teil unserer aufgeklärten Community jetzt vielleicht denkst: Bääh, Google. Ja, stimmt schon. Aber wir machen die Spielregeln leider nicht und du wirst nicht glauben, wie hoch der Anteil unserer täglichen Klicks durch Google-Plattformen ist. Das kann bis auf 95 Prozent aller Klicks hoch gehen.
Natürlich ist auch dein Feedback erwünscht. Wir setzen uns mit allem auseinander und schauen, ob es Dinge gibt, die wir im Austausch mit der Community besser machen können. Auch wenn manches vielleicht nicht ganz so einfach umsetzbar ist, wie es auf den ersten Blick scheint.
Ich merke gerade beim Schreiben, wie meine Stimmung rund um all das hier zumindest leicht besser wird. Auch das ist ein Grund, warum ich das so gern mache und nicht aufgeben wollen würde. Es ist befreiend.
Insofern hat dieser Transparenzbericht ja zumindest in der Sache schon mal ein bisschen was gebracht. Ich will auch unbedingt noch eine Sache loswerden, weil ich weiß, dass sich viele rührend um mich sorgen werden, nachdem ich hier quasi offen zugegeben habe, dass ich einfach überarbeitet bin: Es geht mir im Moment den Umständen entsprechend gut. Das kannst du mir glauben.
Ich habe ein sehr aufmerksames Umfeld und ich habe bisher auch immer ein gutes Gefühl dafür gehabt, was ich brauche und was nicht. Und trotzdem wollte ich hier nicht einfach so tun, als wäre alles toll. Das ist es nicht. Die Zukunft von Miasanrot ist durchaus gefährdet. Vielleicht nicht die Existenz, aber gewiss das Projekt, wie du es jetzt gerade kennst. Wer uns schon länger verfolgt, weiß, dass es eine längere Phase gab, in der wir sehr wenig produziert haben.
Das Letzte, das ich will, ist eine Rückkehr in diese Zeit. Aber der beste Zeitpunkt, sich Gedanken zu machen, wie das alles weitergehen kann, ist jetzt. Der Trend auf der Einnahmenseite stellt im Moment eine große Belastung für mich da. Nicht nur für mein Konto, sondern auch für meine mentale Gesundheit.
Mir war es wichtig, dir das mitzuteilen. Nicht, weil ich Mitleidszahlungen erhaschen will. Die sind sowieso nicht nachhaltig. Ich denke einfach, dass es wichtig ist, ehrlich miteinander zu sein. Und ich halte es durchaus für eine Option, dass viele nicht wissen, was hinter diesem Projekt alles steht und wie ungewiss die Zukunft ist. Aber ich bin immer noch motiviert und versuche mein Bestes, möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, dass es richtig ist uns zu unterstützen.
Manchmal sind solche schwierigen Momente ja auch der Ausgangspunkt für eine sehr positive Entwicklung. Hoffen wir, dass der Transparenzbericht in Q3 wieder positiver wird.
Justin KraftChefredakteur Miasanrot







































