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·23. September 2026

Traum von Amsterdam: Positive Bilanz gegen die Niederlande

Artikelbild: Traum von Amsterdam: Positive Bilanz gegen die Niederlande

Klassiker und Kracher zum Klopp-Debüt: Schon zum 49. Mal trifft die deutsche Nationalmannschaft auf die Niederlande. Und zum Auftakt der Amtszeit von Bundestrainer Jürgen Klopp geht es am Donnerstag (ab 20.45 Uhr, live bei RTL) dahin, wo diese Partie am häufigsten stattfand: nach Amsterdam. Dort hat Deutschland aus 13 Partien eine positive Bilanz gegen den Nachbarn und Erzrivalen zu verteidigen: Bislang gab es fünf Siege, fünf Unentschieden und nur drei Niederlagen. Jede Bilanz besteht aus Fakten, eine gemeinsame Historie aber auch aus etlichen bemerkenswerten Geschichten. DFB.de hat sich die Amsterdam-Reisen angeschaut.

In gegenseitiger Abneigung zum Sieg


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Fast genau zehn Jahre nach der Premiere in Amsterdam (5. April 1914), als Deutschland mit fünf Debütanten zum einzigen Länderspiel im Kriegsjahr 1914 antrat und nach 3:1-Führung letztlich froh über ein 4:4 froh war, bestand die Nationalelf nur aus Spielern des 1. FC Nürnberg und der Spielvereinigung Fürth. Die Mannschaften waren sich aber kurz zuvor in der Liga "in die Haare geraten, und es wurde daraus eine persönliche Feindschaft“, erzählte noch 1961 Nürnbergs Torwartlegende Heiner Stuhlfauth.

Es kam im Rahmen des Spiels am 21. April 1924 zu einer filmreifen Groteske: Gemeinsam und doch getrennt reisten sie im Zug nach Amsterdam, die fünf Nürnberger im vordersten Waggon, die sechs Fürther im letzten. Auch vor Ort ignorierte man sich. "Wir setzten uns zum Essen im Hotel American jede Gruppe in eine andere Ecke, ebenso beim Frühstück und im Omnibus zum Sportplatz, in der Umkleidekabine. Keiner sprach ein Wort. Auch nicht bei Halbzeit." Aber sie gewannen mit 1:0.

Das Tor erzielte der Fürther Karl Auer auf Vorlage des Nürnbergers Heiner Träg, es reichte zum ersten Sieg überhaupt gegen die Niederländer, obwohl die Deutschen 32 Mal (!) in die Abseitsfalle liefen. Nur die Fürther gratulierten dem Schützen, und "auch auf dem Bankett starrten wir uns feindselig an, zur Rückfahrt bestiegen wir wieder getrennte Wagen." Erst Kicker-Gründer Walter Bensemann stellte den Frieden wieder her, als er beide Teams zu einem Abendessen in ein Nobelhotel einlud, ohne dass sie vom Kommen der anderen wussten.

Ein Jahr darauf setzte es vor 30.000 Zuschauern die erste Niederlage in Amsterdam (1:2), einer neuen Rekordkulisse für dieses Duell.

Torwart mit Fahne

Am 31. Oktober 1926 hatte Deutschland erstmals einen Nationaltrainer. Dr. Otto Nerz gewann sein Debüt mit 3:2. Doppeltorschütze Tull Harder (HSV) avancierte in Amsterdam mit damals 14 Treffern zum neuen Rekordtorjäger der Nationalelf. Nun kamen schon 40.000 Zuschauer, und die Stadt war so voll, "dass es in Amsterdam keine Badewanne und kein Zimmer zum Übernachten gab", wie es in einer Länderspielchronik heißt.

Kuriosum am Rande: Der nur als Ersatztorwart berufene Heiner Stuhlfauth fungierte nach der Pause als Linienrichter. Warum, das verschweigen die Chroniken.

Der Auswärtsrekord

Im Krisenjahr 1931, in dem es Niederlagen hagelte, gab es in Amsterdam immerhin ein Remis (1:1) mit einer sehr unerfahrenen Elf, in der vier Debütanten standen.

Im sechsten und letzten Spiel bis Kriegsende wurde 1935 der dritte Sieg gefeiert (3:2). Karl Hohmanns entscheidender Treffer sorgte auch für einen DFB-Rekord, es war der fünfte Auswärtssieg in Folge.

Doppelschlag der Debütanten

1957 sah man sich erstmals nach dem Krieg dort wieder, die Debütanten Gerhard Siedl (KSC) und "Aki" Schmidt (Dortmund) sicherten mit ihren Treffern den ersten Sieg unter Sepp Herberger in Amsterdam (2:1). Danach ergab sich eine lange Pause, in der meist in Rotterdam gespielt wurde. 1996 bekam die Stadt dann die Amsterdam Arena (später nach Johan Cruyff benannt) mit verschiebbarem Dach und rund 56.000 Plätzen. Seither trägt die Niederlande ihre Länderspiele dort aus.

Der tragische Debütant

Wenn einer zwei Spiele auf einmal macht - sein erstes und sein letztes -, dann hat er wohl versagt. Zoltan Sebescen traf freilich wenig Schuld. Bundestrainer Erich Ribbeck testete ihn am 23. Februar 2000 als rechten Verteidiger, was er in Wolfsburg nie gespielt hatte. Gegenspieler Boudewijn Zenden machte mit ihm, was er wollte, bis der Debütant zur Pause erlöst wurde.

Bis heute ist Sebescen das Paradebeispiel für eine verkorkste Premiere. Verkorkst war das ganze Spiel, der Endstand (2:1 für die Gastgeber) schmeichelte den Deutschen noch sehr.

Der Zwillingstausch

Am 14. November 2012 kam es zum ersten und bisher einzig torlosem Treffen in den Niederlanden. Nicht einmalig, aber doch selten war es auch, dass Deutschland mit Zwillingen spielte. Sven Bender kam nach 82 Minuten für seinen Bruder Lars Bender ins Testspiel zum Jahresausklang.

Die Rekordniederlage

Nach dem Vorrundenaus bei der WM 2018 in Russland war die Stimmung schon am Boden, und sie hellte sich keineswegs auf, als die DFB-Auswahl am 13. Oktober 2018 in der Nations League nach Amsterdam musste. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw hatte im Schnitt exakt 50 Länderspiele auf dem Konto, den großen Umbruch hatte es nicht gegeben.

Das Spiel öffnete Löw die Augen: Die Gastgeber waren drückend überlegen, entschieden die Partie allerdings erst spät. Virgil van Dijks 1:0 (30) hatte lange Bestand, ehe Memphis Depay (87.) und Georginio Wijnaldum (90.+3) noch zuschlugen. Das 0:3 war die höchste Niederlage gegen unseren Nachbarn, und auch damals spielte einer, der nie wieder kam: Der Kölner Mark Uth durfte 68 Minuten stürmen und ging als Debütant Nummer 100 der Löw-Ära in die Annalen ein.

Neustart mit Verspätung

Knapp fünf Monate später sah man sich wieder in Amsterdam, nun in der EM-Qualifikation. Im Blickpunkt standen an jenem 24. März 2019 zunächst drei, die gar nicht dabei waren. Drei Wochen zuvor hatte Löw die Weltmeister Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller nicht mehr berufen und das Signal für einen Neustart gegeben. Der erfolgte mit Thilo Kehrer, Nico Schulz, Leroy Sané oder Serge Gnabry, die alle den WM-Zug verpasst hatten. Auch die WM-Reservisten Matthias Ginter und Leon Goretzka standen in der Startelf - es war ein neues Deutschland.

Und ein gutes dazu. Lroy Sané und Serge Gnabry sorgten für eine 2:0-Pausenführung, und als diese nach Treffern von Mathijs de Ligt und Memphis Depay nach 63 Minuten eingebüßt war, gab es keinen Zusammenbruch, sondern eine Trotzreaktion. In letzter Minute kam der auf dem linken Flügel überragende Hoffenheimer Nico Schulz im Strafraum nach Vorlage von Marco Reus zum Abschluss und erzielte überlegt das umjubelte 3:2. Der Kicker titelte: "Ein Sieg für den Bundestrainer."

Das Ende des Startrekords

Beim nächsten Treffen saß aber schon ein anderer auf der Bank. Am 29. März 2022 endete die längste Startsiegserie eines Bundestrainers, Hansi Flick musste im neunten Spiel seiner Amtszeit erstmals ein Unentschieden hinnehmen - 1:1. Thomas Müllers Führung (45.) hielt nur bis zur 68. Minute, als Steven Bergwijn zuschlug.

Der fast historische Fehlstart

Unentschieden endete auch die Amsterdam-Premiere von Julian Nagelsmann weitere zwei Jahre später. In der Nations League sah es an jenem 10. September 2024 zunächst nach einem schwarzen Abend aus, kassierte die DFB-Auswahl durch Tijjani Reijnders doch schon nach 98 Sekunden ein Tor - es war der schnellste Gegentreffer seit dem WM-Finale 1974, auch gegen die Niederlande. Doch Deutschland rappelte sich auf, Startelfdebütant Deniz Undav und Joshua Kimmich sorgten noch vor der Pause für eine 2:1-Führung, die nur bis zur 53. Minute hielt. Dann markierte Dumfries den 2:2-Endstand in der Johan-Cruyff-Arena.

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