Tresoldi zwischen Deutschland und Italien: „50:50“ | OneFootball

Tresoldi zwischen Deutschland und Italien: „50:50“ | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: Fussballnationalmannschaft.net

Fussballnationalmannschaft.net

·22. September 2026

Tresoldi zwischen Deutschland und Italien: „50:50“

Artikelbild:Tresoldi zwischen Deutschland und Italien: „50:50“

Nicolo Tresoldi lässt die Entscheidung über seine nationale Zukunft offen. Der 22-jährige Stürmer von Club Brügge, der in Cagliari geboren wurde und als 13-Jähriger nach Deutschland kam, steht im Mittelpunkt eines Werbens zweier renommierter Nationaltrainer: Jürgen Klopp beim DFB und Roberto Mancini bei der italienischen Nationalmannschaft. Tresoldi hat sich vorerst bewusst für die deutsche U21 entschieden – eine Zwischenlösung, die beide Optionen wahrt. U 21-Nationalmannschaft: Was nimmt sich Antonio Di Salvo für die letzten drei Quali-Spiele vor?

BLANKENHAIN, DEUTSCHLAND – 22. September 2026: Nicolo Tresoldi bei einer Pressekonferenz des Deutschen Fußball-Bundes. (Foto: DFB)


OneFootball Videos


Die letzten drei Spiele der EM-Qualifikation

Innerhalb von elf Tagen entscheidet sich, ob die U 21 als Gruppensieger direkt zur Endrunde fährt. Alle drei Partien laufen im Free-TV.

Ein Stürmer zwischen zwei Nationen

„Mein Herz ist ein bisschen 50:50 Italien und Deutschland“, sagte Tresoldi bei einer Medienrunde in Blankenhain. „Es ist keine einfache Entscheidung und ich glaube, jeder weiß: beide Länder bedeuten mir sehr viel.“ Sein italienischer Vater Emanuele war selbst Profifußballer, über seine Mutter wäre der Angreifer zudem für Argentinien spielberechtigt. Seit vier Jahren läuft Tresoldi für deutsche Nachwuchsteams auf, bestritt 24 U21-Spiele und erzielte dabei zwölf Tore. Er könnte noch in diesem Jahr Rekordnationalspieler der U21 werden – Fabian Ernst hält die Marke bei 31 Einsätzen.

Klopp und Mancini werben persönlich

Beide Nationaltrainer suchten das direkte Gespräch. Bundestrainer Jürgen Klopp hatte Tresoldi für sein erstes, 43 Spieler umfassendes A-Nationalmannschaftsaufgebot für die Nations League nominiert – doch der Stürmer sagte ab. „Ich hatte schon Kontakt mit Kloppo, wir hatten viel gesprochen“, berichtete Tresoldi. „Natürlich waren Italien und Deutschland ein Thema. Aber ich habe mich bewusst für die DFB-U21 entschieden.“ Klopp zeigte Verständnis: „Für einen jungen Kerl ist das wahnsinnig schwierig. Wenn man da die Möglichkeit hat, sich da ein bisschen mehr Zeit zu nehmen, macht es absolut Sinn.“ Der Austausch sei „wie ein Vater-Sohn-Gespräch“ verlaufen, sagte Tresoldi. Klopp habe betont: „Die Tür für mich ist immer offen.“

Auch Italiens Nationaltrainer Roberto Mancini bemühte sich persönlich. „Zu ihm habe ich das Gleiche gesagt wie zu Kloppo“, erklärte Tresoldi. „Mancini hätte sich gefreut, wenn ich für Italien gespielt hätte. Es war ein gutes Gespräch.“

Fußball heute Länderspiel U21 EM: Wer überträgt Deutschland gegen Italien live im Free-TV?

Fokus auf U21-EM 2027

Tresoldi möchte sich mit der U21 für die Europameisterschaft 2027 in Albanien und Serbien qualifizieren und dort spielen. „Danach werden wir sehen, wie es weitergeht“, lässt er die Entscheidung über die A-Nationalmannschaft offen. Die nächsten Qualifikationsspiele stehen unmittelbar bevor: am 27. September in Riga gegen Lettland, am 30. September gegen Malta und am 6. Oktober in Bielefeld gegen Georgien. Als Tabellenführer der Gruppe F hat die Mannschaft von Antonio Di Salvo die Qualifikation selbst in der Hand – drei Siege bedeuten den direkten Gruppensieg und damit das EM-Ticket.

U21-Trainer Di Salvo wertete Tresoldis Entscheidung ausdrücklich positiv: „Nicolo hat sich für die U21 erst mal entschieden. Und ich finde, das ist ein ganz tolles Zeichen für uns, für unseren Weg.“

Antonio Di Salvo, Trainer der deutschen U 21-Nationalmannschaft, beobachtet das Geschehen vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Griechenland am 31. März 2026 im Apostolos-Nikolaidis-Stadion in Athen. Milos Bicanski / Getty Images

Durchbruch in Belgien

Dass sich beide Verbände intensiv um Tresoldi bemühen, liegt an seiner rasanten Entwicklung seit dem Wechsel nach Belgien. Innerhalb eines Jahres stieg sein Marktwert von 9 auf 25 Millionen Euro – eine Steigerung um knapp 178 Prozent. In 58 Spielen für Brügge war er an 32 Treffern beteiligt (23 Tore, 9 Vorlagen), wurde Torschützenkönig und belgischer Meister. Auch international machte er auf sich aufmerksam: In der Champions League traf er gegen den FC Barcelona und Atlético Madrid. Ein Wechsel zu einem größeren Verein im vergangenen Sommer war dem Vernehmen nach bereits weit fortgeschritten, scheiterte letztlich aber an der fehlenden Einigung zwischen den Klubs.

Kein Druck, aber baldige Klarheit nötig

Klopp betonte wiederholt, keinen Druck ausüben zu wollen: „Wir wollen gar keinen Druck machen bei den Burschen, gar nicht.“ Dennoch ist klar: Spätestens nach der U21-EM 2027 muss eine Entscheidung fallen. Bis dahin trägt Tresoldi – wie er sagt – „mit Stolz das Deutschland-Trikot“. Ob er dieses auch in der A-Nationalmannschaft überstreifen wird oder künftig für die Squadra Azzurra aufläuft, bleibt eine der spannendsten Personalien im deutschen und italienischen Fußball.

Nicolo Tresoldi bejubelt seinen Treffer zum 1:0 für die deutsche U21 im UEFA U21-EM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland U21 im Eintracht-Stadion in Braunschweig am 27. März 2026. Stuart Franklin / Getty Images

Tresoldi-PK im Wortlaut

Zunächst sprach Tresoldi über den Kontakt mit Bundestrainer Jürgen Klopp.

Ich hatte schon Kontakt mit Kloppo. Wir hatten auch viel gesprochen in letzter Zeit. Natürlich, bei mir ist auch Thema mit Italien, mit Deutschland. Ich habe mich bewusst auch mit für die U21 entschieden, da wir drei sehr wichtige Spiele haben. Wir müssen alle drei Spiele gewinnen. Ich bin schon seit drei, vier Jahren hier. Und deswegen, ich fühle mich extrem wohl und habe immer sehr viel Spaß hier. Und, wie gesagt, wir haben drei sehr wichtige Spiele und ich möchte auch, ja, hier sein, hier Tore schießen, hier Spiele gewinnen und auch für die EM qualifizieren. Das war auch eine Entscheidung, die von mir kam, die auch zusammen mit Kloppo … Ja, wir hatten auch viele Gespräche gehabt und er hat auch, ja, meine Idee auch verstanden. Und deswegen, ja, ich freue mich einfach hier zu sein.

Anschließend wurde Tresoldi gefragt, ob er für die A-Nationalmannschaft nominiert worden wäre, wenn Klopp alleine entschieden hätte.

Vielleicht, weiß ich nicht. Aber ich wollte einfach nur hier sein und ich weiß, dass wir, ja, drei wichtige Spiele haben. Und ich möchte mich, ja, für die EM qualifizieren, ich möchte noch die EM spielen und danach werden wir sehen.

Weiterhin wurde Tresoldi gefragt, wie er mit der schwierigen Entscheidung zwischen Deutschland und Italien umgeht und welchen Einfluss dabei Kopf und Herz haben.

Es ist für mich nicht einfach. Es ist nicht so, dass nur mein Vater aus Italien kommt. Ich bin in Italien geboren, ich bin da, bis ich 13 war, aufgewachsen. Und dann, deswegen ist meine Herz ein bisschen 50/50, Italien und Deutschland. Und, ja, es ist keine einfache Entscheidung. Und, ich glaube, das weiß jeder, dass ich mit … ja, beide Länder bedeuten mir sehr viel. Und aber ich habe diesen Weg angefangen vor vier, fünf Jahren mit Deutschland. Ich trage mit Stolz das Deutschland-Trikot. Und, ja, ich bin super gerne hier und ich möchte, wie gesagt, meine zweite EM spielen für die U21. Und danach werden wir sehen, wie das alles weitergeht. Aber ich bin unglaublich glücklich, hier für Deutschland zu spielen.

Danach wurde Tresoldi gefragt, ob Klopp ihn tatsächlich bereits für den 44-köpfigen A-Nationalmannschaftskader vorgesehen hatte und ob er sich dennoch bewusst für die U21 entschieden habe.

Ja, wir hatten gute Gespräch. Also, wir haben … Er hat mir alles erklärt, alles … Ja, auch seine Idee vom Fußball auch erklärt, was er von mir sieht, was so meine Stärken sind, und einfach, ja, nicht … Das war kein Trainer-Spieler-Gespräch. Das war eher quasi wie ein Vater-Sohn-Gespräch. Und deswegen, ich bin … Ja, es war ein gutes Gespräch. Und, natürlich, ja, er sieht sehr viel von mir. Also, er hält sehr viel von mir. Und, aber, ja, dann habe ich einfach, ja, meine Entscheidung einfach, meine Idee einfach gesagt und er hat es einfach gut verstanden. Und er meinte einfach nur, dass ja die Tür für mich immer offen ist. Und danach werden wir einfach sehen, was passieren wird.

Zum Abschluss wurde Tresoldi gefragt, ob es neben Klopps Bemühungen auch Gespräche mit Verantwortlichen der italienischen Nationalmannschaft gegeben habe.

Nee, da gab es auch ähnliche Gespräch. Also, auch von Italien gab es natürlich auch Interesse. Ich glaube, das ist auch normal. Ich glaube, dass ich es auch letztes Jahr auch sehr gut gemacht habe. Deswegen, ich glaube, ist auch normal, dass es auch von Italien ein bisschen Interesse gibt. Aber das habe ich auch … Dann zu denen das Gleiche gesagt, was ich zu Kloppo gesagt habe.

Impressum des Publishers ansehen