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·22. Juli 2026
Tricksen Chelsea und Aston Villa die Finanzwächter der UEFA aus?

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·22. Juli 2026

Der Transfersommer hat seinen nächsten Megadeal – und direkt die passenden Kontroversen. Mit der Verpflichtung von Morgan Rogers schlägt der FC Chelsea erneut unbarmherzig auf dem Transfermarkt zu. Satte 117 Millionen Pfund (ca. 137 Millionen Euro) lassen sich die Blues den 23-jährigen englischen Nationalspieler kosten. Damit avanciert Rogers zum teuersten englischen Fußballer der Geschichte.
Doch hinter den Kulissen wird längst über ein weit komplexeres Gebilde diskutiert. Es geht um den quasi zeitgleichen Wechsel von Chelsea-Flügelstürmer Alejandro Garnacho zu Aston Villa. Experten, Medien und Finanzkontrolleure stellen sich die drängende Frage: Wird hier mit allen Mitteln das Financial Fairplay ausgetrickst?
Das fundamentale Prinzip hinter diesem Transferkonstrukt basiert auf der unterschiedlichen buchhalterischen Behandlung von Einnahmen und Ausgaben im Rahmen des Financial Fairplay (FFP).
Wenn Aston Villa Morgan Rogers für 137 Millionen Euro verkauft, darf der Klub diesen Betrag nach Abzug des verbliebenen Buchwerts sofort als vollen Ertrag in die Bilanz des aktuellen Geschäftsjahres einfließen lassen. Das verschafft Aston Villa auf einen Schlag einen gewaltigen Bilanzgewinn.
Sollte Aston Villa im Gegenzug Alejandro Garnacho verpflichten, muss die fällige Ablösesumme – im Gespräch sind rund 40 bis 45 Millionen Euro – keineswegs sofort in voller Höhe als Verlust verbucht werden. Nach den Regeln der Sportbuchhaltung wird die Ablöse über die gesamte Vertragslaufzeit verteilt, was als Abschreibung bezeichnet wird. Bei einem Fünfjahresvertrag belaste der Kauf von Garnacho die Bilanz von Aston Villa im ersten Jahr also lediglich mit etwa 8 bis 9 Millionen Euro, während dem sofort 137 Millionen Euro an Einnahmen gegenüberstehen.
Um die zeitliche Verschiebung der Effekte noch weiter auf die Spitze zu treiben, verhandeln die Klubs bei Garnacho über eine einjährige Leihe mit anschließender Kaufpflicht.
Durch dieses Modell bleibt die Belastung für Aston Villa im aktuellen Geschäftsjahr nahezu bei null, abgesehen von einer anteiligen Übernahme des Spielergehalts. Die tatsächliche Auszahlung und die künftigen Abschreibungen für den festen Kauf werden dadurch sauber in das nächste Geschäftsjahr verschoben. Aston Villa sichert sich somit den sofortigen Millionengewinn aus dem Rogers-Verkauf, ohne seine aktuellen Kennzahlen durch eine unmittelbare Reinvestition zu belasten.
Auch Chelsea zieht Nutzen aus diesem Vorgehen. Die Blues, die nach den UEFA-Auflagen eine ausgeglichene Transferbilanz nachweisen müssen, sparen das Gehalt des aussortierten Argentiniers ein und sichern sich für das kommende Jahr feste Einnahmen, die fest eingeplant werden können.
Die Finanzkontrollkammer der UEFA (CFCB) ist sich dieser Methoden durchaus bewusst und hat in der Vergangenheit entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen.
Nach den Statuten des europäischen Dachverbands gilt eine Sonderregelung: Wenn zwei Vereine innerhalb von 45 Tagen gegenseitige Spielertransfers abwickeln, prüft die UEFA sehr genau, ob es sich um ein verdecktes Tauschgeschäft handelt. In diesem Fall wird der Marktwert der beteiligten Spieler eigenständig bewertet. Sollte die UEFA feststellen, dass Ablösesummen künstlich aufgebläht wurden, um beiden Bilanzen künstlich zu helfen, drohen nachträgliche Korrekturen der Zahlen und finanzielle Sanktionen.
Sowohl Chelsea als auch Aston Villa bewegen sich auf einem schmalen Grat. Beide Klubs standen in der jüngeren Vergangenheit unter besonderer Beobachtung der Finanzwächter und mussten Auflagen erfüllen. So muss Chelsea von 2025 bis 2027 eine positive Transferbilanz aufweisen. Ferner dürfen beide Vereine aktuell nur 70 Prozent ihrer Einnahmen in den jeweiligen Kader investieren.
Formal nutzen die Vereinsführungen lediglich die Lücken aus, die das bestehende Regelwerk offenlässt. Ob die UEFA das Gebilde aus Rekordverkauf, zeitversetzter Leihe und Kaufpflicht als Umgehungstatbestand bewertet oder als zwei voneinander unabhängige Marktgeschäfte durchwinkt, wird das Ergebnis der laufenden Prüfungen zeigen.
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