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·16. Juni 2026
Tunesien feuert Lamouchi: Aus nach einem Spiel

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Ein Spiel. Neunzig Minuten. Fünf Gegentore. Das war genug, um Sabri Lamouchi seinen Job zu kosten – und Tunesien in den Annalen der WM-Geschichte einen zweifelhaften Platz zu sichern.
Lamouchi hatte die tunesische Nationalmannschaft erst im Januar dieses Jahres übernommen – ganze fünf Monate vor dem WM-Anpfiff. Fünf Länderspiele, vier Niederlagen, ein einziger Sieg gegen Außenseiter Haiti. Das war die Bilanz, mit der er nach Nordamerika reiste. Und nun, nach dem 1:5-Auftaktdebakel gegen Schweden in Monterrey, ist die Geschichte zu Ende. Der tunesische Verband berief nach Spielschluss eine Dringlichkeitssitzung ein – und traf eine Entscheidung, die keine war: Lamouchi musste gehen.
Verbandspräsident Moez Nassari verkündete im staatlichen Fernsehen nicht nur die Trennung, sondern gleich auch den Nachfolger: Hervé Renard, der routinierte Franzose, der Sambia und die Elfenbeinküste zum Afrikacup-Titel geführt hat und zuletzt bei Saudi-Arabien unter Vertrag stand, übernimmt das Team für den Rest des Turniers. Er soll noch am Dienstag in Monterrey eintreffen.
Lamouchi ist damit der erste Trainer, der bei dieser Weltmeisterschaft seinen Posten verliert – und historisch gesehen erst der zweite tunesische Coach überhaupt, dem dieses Schicksal während einer laufenden WM-Endrunde widerfährt. 1998 in Frankreich musste Henryk Kasperczak nach zwei Niederlagen das Handtuch werfen. Lamouchi überbot diesen traurigen Rekord noch: Er durfte nicht einmal zwei Spiele abwarten.
Zur Einordnung: Trainerentlassungen während eines WM-Turniers sind extrem selten. In der Geschichte des Männerturniers sind sie an einer Hand abzuzählen. Dass Tunesien nun zum zweiten Mal innerhalb von knapp drei Jahrzehnten in dieser Statistik auftaucht, sagt viel über strukturelle Probleme im Verband aus – und wenig über Sabri Lamouchi allein.
Denn der Abgang des Trainers war nicht der einzige Aufreger nach dem Schweden-Spiel. Berichte aus dem tunesischen Umfeld sprechen von handfesten Spannungen: Lamouchis mitgereister Sohn soll nach dem Spiel in eine Auseinandersetzung mit tunesischen Fans geraten sein. Dazu passt das Bild, das Journalisten vor dem Turnier zeichneten: eine zerrissene Kabine, in der erfahrene Spieler und Neulinge nie richtig zueinanderfanden. Der Afrika Cup im Winter endete mit einem Achtelfinal-Aus gegen Mali – auch damals war die Kritik laut.
Romain Molina, der für Guardian und BBC berichtet, brachte es auf den Punkt: Das Kernproblem sei gewesen, dass Lamouchi die Kabine nie wirklich mobilisieren konnte. Ob das an ihm lag, am Verband, an der Konstellation des Kaders – das wird sich wohl nicht mehr klären lassen.
Was bleibt, ist eine mathematisch noch mögliche, aber sportlich beinahe aussichtslose Ausgangslage. Tunesien muss in den verbleibenden beiden Vorrundenspielen gegen Japan und die Niederlande antreten – zwei Gegner, gegen die ein Sieg unter normalen Umständen schon schwer genug wäre.
Renard bekommt kaum Zeit, sich einzufinden. Keine echte Vorbereitung, keine Möglichkeit, taktische Ideen zu implementieren, ein Kader, der offenbar nicht besonders gut zusammenarbeitet. Das ist keine Aufgabe, das ist Krisenmanagement unter Hochdruck.
Es wäre ungerecht, Lamouchi allein verantwortlich zu machen. Wer einem Trainer fünf Monate gibt und gleichzeitig einen schwelenden Konflikt in der Kabine ignoriert, darf sich nicht wundern, wenn es schief geht. Der tunesische Verband hat hier eine entscheidende Mitverantwortung – und der blitzschnelle Griff zum Telefon Richtung Renard wirkt eher wie ein Reflex als wie ein Plan. Ob der erfahrene Franzose das Wunder noch vollbringen kann? Unwahrscheinlich. Aber im Fußball hat sich Unwahrscheinliches schon öfter bewahrheitet.







































