DFB-Frauen
·20. Mai 2026
U 17-Trainerin Sabine Loderer: "Da ist etwas ganz Besonderes entstanden"

In partnership with
Yahoo sportsDFB-Frauen
·20. Mai 2026

Die deutschen U 17-Juniorinnen haben sich mit einem 1:0 im Finale gegen Frankreich zu Europameisterinnen gekürt. Cheftrainerin Sabine Loderer zieht im DFB.de-Interview eine Turnierbilanz und erklärt, was ihr Team auf dem Weg zum Titel ausgemacht hat.
DFB.de: Europameisterinnen 2026 - wie klingt das mit ein paar Tagen Abstand, Sabine Loderer?
Sabine Loderer: Wir müssen uns nach wie vor kneifen und uns bewusst machen, dass wir unser Turnier-Endziel, den Titel zu holen, tatsächlich erreicht haben. Wenn man ehrlich ist, können wir es aber noch gar nicht so richtig greifen, was wir da in den vergangenen zwei Wochen in Nordirland geschafft haben. Das muss sich erst mal setzen. Momentan bin ich glücklich, zufrieden und auch müde - und gleichzeitig vermisse ich bereits unser Rudel und das Team ums Team nach dieser intensiven und sehr besonderen Zeit.
DFB.de: Schon in Belfast wurde gut gefeiert, am Montag folgte dann noch der Empfang am DFB-Campus. Wie war die Rückkehr mit dem Pokal für Sie?
Loderer: Wie es sich für uns gehört, haben wir in Belfast alle zusammen richtig schön gefeiert und die Nacht zum Tag gemacht. Was unser Teammanagement dort auf die Beine gestellt hat, war wirklich top. Nach dem Rückflug nach Deutschland war es dann sehr besonders, in unserem DFB-Zuhause von einem schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer und vielen bekannten Gesichtern empfangen zu werden. Das hat sich das Team absolut verdient.
DFB.de: Nach der Gruppenphase haben Sie mit Blick auf die K.o.-Spiele gesagt, es würde wichtig werden, "auf unsere Art dagegenzuhalten", mit Intensität und Schärfe. Ist das genau so aufgegangen?
Loderer: Die Mädels haben die Schärfe und Intensität konstant auf den Platz gebracht und eine sehr stabile und reife Defensivleistung in allen Turnierspielen gezeigt. Wir waren intensiv im hohen Pressing beziehungsweise Zustellen und haben im Mittelfeldpressing aus einer guten Kompaktheit den Gegnerinnen das Leben schwer gemacht. Dass wir in fünf Spielen nur zwei Gegentore bekommen haben, unterstreicht das noch mal. Über diese defensive Stabilität und unsere griffigen, "ekligen" Zweikämpfe sind wir auch gut durch Drangphasen der Gegner gekommen und haben damit absoluten Topgegnern den Zahn gezogen.
DFB.de: Auch die Wichtigkeit von Elfmeterschießen haben Sie betont. Im Halbfinale gegen Spanien haben dann alle Schützinnen sicher verwandelt, Mirja Kropp hat zudem einen Elfmeter gehalten.
Loderer: Wichtig war vor allem die langfristige Vorbereitung auf ein mögliches Elfmeterschießen. Nachdem es bei den U-Turnieren nach einem Unentschieden direkt ins Elfmeterschießen geht, sollte man das Thema nicht erst kurz vorm Endturnier angehen, sondern muss über die Zeit immer wieder dahingehend Impulse setzen. Am Ende gehört auch immer ein Quäntchen Glück dazu - die Mädels haben dieses Glück mit Überzeugung und Mut auf unsere Seite gezogen.
DFB.de: Im Nachgang war viel von einer großen Überzeugung und einem Urvertrauen ineinander die Rede. Ist das ein Aspekt, der dieses Team so besonders macht?
Loderer: Diese Überzeugung und der "Kleber", der das Team zusammenhält, sind über die Zeit entstanden. Für die Entwicklung auf und neben dem Platz war es für uns wichtig, dass wir in den vergangenen knapp zwei Jahren viel Zeit miteinander verbringen konnten. Für die sportliche Entwicklung war zudem ausschlaggebend, dass wir ausnahmslos Spiele gegen Topgegner hatten. Zum anderen ist unser vertrauensvolles "FüreinanGER" das Fundament unserer Arbeit mit den Mädels. Da ist etwas ganz Besonderes entstanden - und genau diesen Teamspirit haben die Mädels in jedem Spiel auf den Platz gebracht.
DFB.de: Im Turnier gab es eine klare Stammelf, die in den ersten beiden Gruppenspielen und der K.o.-Runde gestartet ist, dennoch wurden alle Spielerinnen eingesetzt und haben Impulse setzen können. Wie wichtig war auch die Breite im Kader?
Loderer: Natürlich ist es im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert, dass wir von der Bank immer nachlegen konnten. Generell hat jede Spielerin ihre Rolle angenommen und in jedem Moment alles für das Team gegeben. Und das ist auch nicht immer leicht, gerade dann, wenn man selbst nicht so viel Spielzeit bekommt. Die EM hat wieder gezeigt, dass unsere Superpower unser "FüreinanGER" ist - das war auch für unsere Gegnerinnen deutlich spürbar. Die Energie auf dem Platz hat auch immer davon gelebt, was von draußen an Positivität und Unterstützung reingegeben wurde. Mir sind zum Beispiel noch einige gute Defensivzweikämpfe gegen Frankreich im Kopf, die von der Bank gefeiert wurden. Solche Momente pushen und geben allen die Möglichkeit, noch mal Grenzen zu verschieben.
DFB.de: Neben dem Teamerfolg gab es auch individuelle Auszeichnungen. Mirja Kropp wurde von der UEFA zur Spielerin des Turniers gewählt, Laura Ernst, Muriel Dürr und Johanna Hebben stehen zudem mit ihr im Team des Turniers.
Loderer: Das ist noch mal ein toller Bonus, und die Mädels haben sich diese Auszeichnungen auch verdient. Gleichzeitig fokussieren wir uns nicht zu sehr auf die UEFA-Topelf, weil uns bewusst ist, dass die Spielerinnen sich gegenseitig durch dieses Turnier getragen haben. Und nur wir im Team wissen, wie viel jede Einzelne für die andere investiert hat, damit jede bestmöglich performen kann. Dass sich die Technical Observer der UEFA am Ende für vier unserer Spielerinnen in der Topelf entschieden haben, freut uns aber natürlich.
DFB.de: Am Donnerstag richtet sich der Blick erstmals so richtig auf die U 17-WM in Marokko, wenn die Gruppen ausgelost werden. Wie groß ist schon jetzt die Vorfreude auf den Herbst?
Loderer: Die WM-Quali war unser erstes Etappenziel bei der EM. Jede*r im Team wollte unbedingt, dass wir unsere "Story" noch bis in den Herbst weiterschreiben können. Momentan bin ich im Kopf nur bei den Eindrücken der vergangenen Tage und Wochen. Wir haben da Momente geschaffen, die für immer bleiben. Ich bin einfach nur dankbar, gemeinsam mit diesem besonderen, bunten Rudel und mit dem Team ums Team noch weitere Kapitel schreiben zu dürfen.







































