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·10. Juli 2026

U 19-Torhüter Hellstern: "Wir sind zu 100 Prozent überzeugt von uns"

Artikelbild: U 19-Torhüter Hellstern: "Wir sind zu 100 Prozent überzeugt von uns"

Die deutschen U 19-Junioren bestreiten am Samstag (ab 20 Uhr, live auf DFB.TV und im Free-TV auf RTL) gegen Spanien das Endspiel der UEFA Europameisterschaft 2026 in Wales. Einen Tag vor dem Finale im Racecourse Ground in Wrexham spricht der 18 Jahre alte Torhüter Florian Hellstern vom VfB Stuttgart im DFB.de-Interview über den Turnierverlauf und seine Gedanken vor dem Duell mit dem spanischen Topteam.

DFB.de: Florian, wie hast du das  2:1 im Halbfinale gegen die Ukraine aus deiner Perspektive als Torwart erlebt?


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Florian Hellstern: Es war das Spiel, was wir erwartet hatten. Die Ukrainer kommen nicht so oft vors Tor, machen dann aber viel aus ihren Chancen. Das haben wir leider direkt zu spüren bekommen, weil sie mit dem ersten Torschuss in Führung gehen. Für uns war es extrem wichtig, dass wir das 1:1 noch vor der Halbzeit gemacht haben, weil es uns einen enormen Schub gegeben hat. Wir waren über 90 Minuten besser als die Ukrainer. Es war eine Frage der Zeit, bis wir uns belohnen. Das hat zum Glück noch in der regulären Spielzeit funktioniert.

DFB.de: Was ging dir beim Siegtor durch den Kopf, wie groß war die Erleichterung?

Hellstern: Ich war mir relativ sicher, dass wir noch ein Tor machen. Wir waren echt am Drücker. Klar, wir mussten aufpassen, dass wir uns bei den Kontern nicht noch ein Gegentor fangen, aber wir haben gut verteidigt. Eigentlich habe ich nur gewartet, bis der Ball endlich mal reinfällt. Wir hatten schon ein paar Chancen, wo wir ein Tor hätten machen können. Deswegen war ich, als das Tor noch in der Nachspielzeit gefallen ist, sehr erleichtert - die Freude war riesig. Wie man auch bei Francis Onyeka gesehen hat, ist einiges abgefallen von uns.

Der Halbfinalsieg gegen die Ukraine im Video

DFB.de: Wie blickst du auf die Entwicklung des Teams in den vergangenen beiden Jahren zurück?

Hellstern: Ich kenne viele Jungs sehr lange, viele sind seit U 15 dabei. Über die Zeit wächst man immer mehr zusammen. Es kommen immer Neue dazu, die sich aber sehr schnell und sehr gut einfinden. Wir sind dahingehend ein einfaches Team. Als Team zusammenzuwachsen ist eine der wichtigsten Sachen.

DFB.de: Was ist der Schlüssel zum Erfolg?

Hellstern: Wir müssen nicht darüber reden, dass wir alle Einzelspielerqualitäten haben. Vielleicht hat in der U 17 noch der Wille gefehlt. Wir sind alle ein bisschen erwachsener geworden. Die meisten spielen schon Fußball im Erwachsenenbereich. Das hilft einfach extrem.

DFB.de: Seit dem Titelgewinn 2014 hat keine deutsche U 19 mehr ein EM-Finale erreicht. Was hat das für eine Bedeutung für dich und das Team?

Hellstern: Es ist schon eine sehr große Sache für uns. Einerseits ist es für uns Spieler ein Privileg, ein U 19-EM-Finale zu spielen. Auch für den gesamten DFB ist das eine große Sache, und wir freuen uns einfach darauf und hoffen, dass wir das am Ende auch ziehen können.

DFB.de: Was macht diese U 19 so besonders, auf und neben dem Platz?

Hellstern: Wir sind jetzt schon schon drei Wochen hier, sitzen jeden Tag aufeinander und trotzdem hält man es noch irgendwie miteinander aus. Wir haben einfach Spaß miteinander, reden und chillen viel zusammen. Wir sitzen hier nicht nur alleine auf den Zimmern, sondern probieren einiges zusammen aus, beispielsweise Karten spielen. Es ist wichtig, dass jeder mit jedem auskommt und es keine Konflikte in der Mannschaft gibt.

DFB.de: Welche Lehren konntet ihr aus dem 0:4 im Gruppenspiel gegen Spanien ziehen? Was muss dieses Mal anders laufen?

Hellstern: Wir müssen nicht drumherum reden, Spanien ist ein super Team, sie haben eine hohe Qualität und spielen schon sehr erwachsen. Das wird eine sehr große Aufgabe für uns. Wichtig wird, lange die Null zu halten, gut zu verteidigen, eine gute Mentalität zu haben und hinterher zu laufen, wenn es sein muss. Am Ende müssen wir auch Tore machen. Wenn wir das hinkriegen, haben wir sehr gute Chancen zu gewinnen.

DFB.de: Wie versucht man sich als Torhüter vor dem Spiel einen Plan zu machen, damit man selbst auch ins Spiel eingreifen kann?

Hellstern: Wir werden gut vorbereitet sein. Wir haben genug Videoanalysten hier, um die gegnerischen Spieler kennenzulernen - auch ich mit unserem Torwarttrainer. Aber grundsätzlich: Es passiert auf dem Platz, was auf dem Platz passiert. Dann müssen wir da sein. Richtig vorbereiten kann man sich nur im Kopf. Das müssen wir alle hinkriegen, einfach auf den Punkt da sein. Das wird schon extrem helfen. Ich habe von hinten eine spezielle Aufgabe. Ich sehe alles ein bisschen anders und rede mit meinen Verteidigern, gebe ihnen Hinweise, was die Gegner machen und wo sie stehen. Dadurch versuche ich, Einfluss zu nehmen.

DFB.de: Überwiegt die Vorfreude oder die Anspannung?

Hellstern: Gestern war es noch ganz ruhig. Da war noch die Erleichterung über den Finaleinzug zu spüren. Ich kann mir vorstellen, dass es heute mit dem Abschlusstraining schon ein bisschen Anspannung geben wird. Die richtige Anspannung wird sich aber erst morgen Vormittag und im Laufe des Tages aufbauen. Und dann freuen wir uns alle riesig auf das Finale.

DFB.de: Wie groß ist die Überzeugung, dieses Spiel zu ziehen und Europameister zu werden?

Hellstern: Am Ende spielst du ein Finale nicht mit dem Gedanken, dass du das verlieren willst oder verlieren wirst. Wir sind alle zu 100 Prozent überzeugt von uns, dass wir das gewinnen werden. Es wird nicht einfach, das wissen wir. Im Finale kann immer alles passieren - das ist ein Spiel. Da kann, wie gesagt, alles passieren. Wir wissen, dass es um das eine Spiel geht, um diese 90 oder 120 Minuten. Da hauen wir alles raus, und dann ziehen wir das Ding.

DFB.de: Was würdest du deiner Mannschaft als Botschaft mitgeben, um am Ende sagen zu können, dass es eine geile Vorstellung der U 19-Nationalmannschaft im Finale war?

Hellstern: Ich würde den Jungs mitgeben, dass wir - egal, was passiert und egal, wie lange das Spiel geht - bis zum Ende hungrig sein und Mentalität zeigen müssen. Am Ende müssen wir das Tor schießen, aber das ist erst mal zweitrangig. Die Mentalität muss stimmen, wir müssen laufen, ackern, arbeiten - und wenn das alle wirklich zu 110 Prozent machen, haben wir sehr gute Chancen. Dann würde ich den Jungs sagen, dass das etwas Einmaliges ist. Sie sollen daran glauben, und dann schaffen wir das.

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