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·30. Juli 2026
UEFA-Krisensitzung: WM-Boykott wegen FIFA-Investoren-Plan?

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·30. Juli 2026

Am heutigen Donnerstagnachmittag kommen die Spitzen aller 55 europäischen Mitgliedsverbände zu einer Dringlichkeitssitzung der UEFA zusammen. Anlass ist ein Vorgang, der die Stimmung in den vergangenen Tagen zusätzlich angeheizt hat: Nach übereinstimmenden Medienberichten hat FIFA-Präsident Gianni Infantino den 211 Mitgliedsverbänden eine Frist bis zum 19. September gesetzt, um seinen Investorenplänen für die WM zuzustimmen.
Wer nicht zustimmt, riskiert laut UEFA den Verlust einer einmaligen Sonderzahlung. Die UEFA reagierte scharf: In einer Mitteilung hieß es, allein diese Bedingung sage bereits alles Nötige über den Charakter des Plans aus.
Kern des Vorhabens ist die neue FIFA-Tochtergesellschaft FIFA Forward Enterprise (FFE), über die Infantino kommerzielle Rechte an den Weltmeisterschaften bündeln und Minderheitsanteile an private Investoren verkaufen will. Die Gesellschaft soll mit rund 20 Milliarden US-Dollar bewertet werden, der erwartete Erlös aus dem Anteilsverkauf liegt bei bis zu 4,2 Milliarden Dollar. Für die Umsetzung reicht laut einem Schreiben, das mehreren Redaktionen vorliegt, eine einfache Mehrheit der Mitgliedsverbände – rechnerisch also 106 von 211 Stimmen.
Die UEFA ließ keinen Zweifel an ihrer Ablehnung. In ihrem Statement verwies der Verband auf Gespräche mit zahlreichen Akteuren aus dem gesamten Fußball und stellte fest, dass es erheblichen und wachsenden Widerstand gegen das Vorhaben gebe. Wörtlich hieß es, die FIFA dürfe den Sport nicht länger dazu nutzen, sich selbst und ihre Freunde zu bereichern; es sei an der Zeit, Verbänden, Vereinen, Ligen, Spielern und Fans Vorrang einzuräumen. UEFA-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke betonte zusätzlich das politische Gewicht der europäischen Verbände in diesem Streit.
Auch aus deutscher Sicht gibt es klare Kritik. DFB-Präsident Bernd Neuendorf bezeichnete die Pläne als fatales Zeichen, das nicht zustimmungsfähig sei. Der Fußball lebe von der Akzeptanz der Gesellschaft, so Neuendorf – man dürfe ihn nicht zum Spielball von Investoren machen. Er brachte in einem Sportschau-Interview selbst die Option eines WM-Boykotts ins Gespräch und kritisierte, dass das FIFA-Council von den Plänen erst aus der Presse erfahren habe.
Nicht überall stößt der Plan auf Widerstand. Der nord- und mittelamerikanische Verband CONCACAF äußerte sich ähnlich kritisch wie die UEFA und bemängelte vor allem das aus seiner Sicht intransparente Verfahren: Man sei zutiefst besorgt über das Fehlen eines ordnungsgemäßen Prozesses. Der asiatische Verband AFC zeigte sich in einer eigenen Stellungnahme aus Kuala Lumpur enttäuscht darüber, dass eine Angelegenheit dieser Tragweite öffentlich wurde, bevor die eigenen Mitglieder Gelegenheit hatten, sie über die etablierten Kanäle zu prüfen. Auch die Französische Fußball-Föderation unter Präsident Philippe Diallo erklärte, im Vorfeld nicht informiert worden zu sein.
Deutlich anders positioniert sich der afrikanische Verband CAF. Er bestätigte zwar den Erhalt eines offiziellen Schreibens der FIFA und kündigte an, die eigenen Mitgliedsverbände in den Konsultationsprozess einzubinden – CAF-Präsident Patrice Motsepe beruft dafür in der kommenden Woche eine Sitzung des Exekutivkomitees ein. Von offener Ablehnung ist bei den Afrikanern jedoch nichts zu hören; stattdessen rief die CAF ihre 54 Mitglieder auf, den Vorschlag zu prüfen und sich konstruktiv am Verfahren zu beteiligen. Ein Grund dafür dürfte finanzieller Natur sein: Jedem Mitgliedsverband winken laut den kursierenden Plänen bis zu 40 Millionen Dollar über vier Jahre – für viele afrikanische Verbände eine erhebliche Summe. Hinzu kommt die persönliche Nähe zwischen Motsepe und Infantino, der sich nach der WM öffentlich lobend über dessen Rolle für die Entwicklung des afrikanischen Fußballs geäußert hatte.
FIFA-Präsident Infantino selbst wehrte sich in einer am Mittwoch verbreiteten Videobotschaft gegen den Vorwurf der Verschleierung. Der Vorschlag zur Gründung der Tochtergesellschaft sei Teil eines demokratischen Konsultationsprozesses und vor allem eine Chance, keine Verpflichtung. Die Weltmeisterschaft werde in jedem Fall unter vollständiger FIFA-Kontrolle bleiben, betonte er, ohne Einmischung von außen.
Der aktuelle Streit erinnert stark an einen ähnlichen Vorgang aus dem Jahr 2018, als Infantino bereits einmal versuchte, über ein von SoftBank mitfinanziertes Konsortium rund 25 Milliarden Dollar für Rechte an einer Klub-WM und einer globalen Nations League einzuwerben. Damals stellte sich die UEFA unter ihrem heutigen Präsidenten Aleksander Ceferin geschlossen dagegen – und setzte sich am Ende durch. Ob sich diese Geschichte wiederholt, dürfte sich auch daran entscheiden, wie geschlossen die europäischen Verbände nach der heutigen Sitzung tatsächlich auftreten.







































