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·18. April 2026
Uli Hoeneß kritisiert Nagelsmann – aber sein Maßstab ist immer nur der FC Bayern

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·18. April 2026

Uli Hoeneß bemängelt im Podcast Nagelsmanns Umgang mit Neuer, die Kaderpolitik und fehlende Kontinuität – und stellt Bayern-Trainer Kompany als Gegenmodell auf.
Uli Hoeneß wählt seine Bühnen mit Bedacht. Kein Zeitungsinterview, kein TV-Studio – ein Podcast mit Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident, weiß-blaue Tasse, maximale Wohlfühlzone. Und genau dort zerlegt der 74-Jährige die Arbeit des Bundestrainers in nahezu jedem Punkt: Kaderpolitik, Medienumgang, Torwartfrage, Kontinuität. Wer genau zuhört, erkennt kein Altersgrollen. Hoeneß liefert eine Blaupause – und die trägt in jedem Detail Münchner Handschrift.
Beginnen wir beim Mittelfeld, denn dort wird Hoeneß am deutlichsten. Er würde „selbstverständlich" auf Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic setzen. Zwei Bayern-Spieler, eingespielt im Verein, vertraut mit den Abläufen des Meisters, der die Bundesliga mit zwölf Punkten Vorsprung anführt und gerade Real Madrid aus der Champions League geworfen hat. Das Argument der Vereinschemie klingt plausibel. Nur verschweigt es, dass Hoeneß hier nicht als neutraler Fußballkenner spricht, sondern als Aufsichtsrat des Klubs, der von einer starken Bayern-Achse in der Nationalelf am meisten profitiert.
Dann die Torwartfrage. Hoeneß kritisiert, Nagelsmann habe das Thema Manuel Neuer falsch angepackt, und skizziert seinen Alternativplan: erst auf Oliver Baumann oder Alexander Nübel setzen, abwarten – und Neuer dann vier Wochen vor der WM nachnominieren, weil er „gespielt hätte wie einst im Mai". Das klingt nach salomonischer Weisheit. In Wahrheit ist es eine Einladung, den 40-Jährigen als Trumpfkarte für das Turnier bereitzuhalten – den Bayern-Keeper, der im Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid neun Paraden zeigte und zum Man of the Match gewählt wurde. Und im Rückspiel patzte.
Neuer selbst sagte zuletzt bei DAZN, er sei mit seiner Situation „noch nicht zu einhundert Prozent im Reinen". Hoeneß redet nicht über einen Ruheständler. Er redet über einen Spieler, den er für turniertauglich hält – weil er ihn jeden Tag in München sieht.
Und Nagelsmann? Der Bundestrainer hat durchaus Angriffsfläche geboten. Im Fall Deniz Undav gab er selbst zu, sich „ein bisschen triggern" gelassen zu haben, und entschuldigte sich. Hoeneß nutzt genau diese Flanke, spricht von öffentlicher „Diskreditierung" – und stellt im selben Atemzug Bayern-Trainer Vincent Kompany als Gegenmodell auf: Man werde ihn „nie, nie über einen Spieler schlecht reden hören". Der Maßstab, den Hoeneß anlegt, ist nie der DFB, nie der internationale Vergleich. Der Maßstab ist immer München.
Trotzdem lohnt es, Hoeneß' Kernforderung ernst zu nehmen: Kontinuität. „Das fehlt mir im Moment", sagt er. Nagelsmann habe zu viele junge Spieler nachgezogen, „um den Medien gerecht zu werden". Ob das stimmt, ist Ansichtssache. Nagelsmanns Experimentierfreude trug bei der Heim-EM 2024 durchaus Früchte. Doch die WM 2026 ist ein anderes Turnier, auf einem anderen Kontinent, und Hoeneß hat einen Punkt, wenn er sagt: „Deutschland hat nicht die beste Mannschaft auf der Welt, aber es kann trotzdem ein erfolgreiches Team sein, wenn jeder für jeden rennt." Nur formuliert er diesen Punkt eben nicht als Ratschlag, sondern als Forderungskatalog – inklusive Personalvorschlägen, die alle denselben Absender tragen.
Der Ehrenpräsident will keine Debatte. Er will Einfluss: auf die Startelf, auf die Hierarchie, auf die Frage, wer bei dieser WM im Tor steht. Hoeneß spricht von der Nationalmannschaft – und meint den FC Bayern.









































