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·22. Juni 2026
"Undav hat einen Körper, der ein bisschen an Gerd Müller erinnert"

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·22. Juni 2026

Lothar Matthäus drängt Julian Nagelsmann, Deniz Undav von Beginn an spielen zu lassen, und vergleicht den Stürmer körperlich mit Gerd Müller.
Lothar Matthäus hat sich wieder zu Wort gemeldet, und diesmal trifft seine Forderung einen wunden Punkt der Nationalmannschaft. Bei RTL/ntv hat der Rekordnationalspieler Bundestrainer Julian Nagelsmann aufgefordert, Deniz Undav bei der Fußball-WM von Anfang an zu bringen. Nagelsmann komme „nicht mehr dran vorbei, ihn jetzt von Anfang an zu bringen – auch, was das Leistungsvermögen betrifft", sagte Matthäus. Wer Woche für Woche so performe wie der Stuttgarter, gehöre nicht auf die Bank.
Die Logik ist bestechend einfach, und genau das macht sie unbequem. „Natürlich kann man sagen, dass wir einen guten Joker auf der Bank haben, und er wird in der 60. Minute eingewechselt, aber das ist egal. Er trifft sowieso immer", so Matthäus. Damit dreht er die übliche Argumentation um. Nicht der Joker muss sich rechtfertigen, warum er in die Startelf will, sondern der Trainer muss erklären, warum ein Spieler, der ohnehin trifft, erst nach einer Stunde aufs Feld darf.
Die Stammplatzdebatte um Undav rührt an einer Frage, die im DFB-Sturm seit Jahren ungelöst herumliegt: Wie viel Hierarchie verträgt eine Position, auf der Tore zählen und sonst nichts? Ein Stürmer, der einwechselt und einschlägt, ist ein Geschenk – aber er ist auch ein Argument. Wenn die Nummer, die hinten auf dem Trikot steht, weniger über die Qualität sagt als das, was nach dem Schlusspfiff im Spielbericht steht, dann gerät die Hackordnung ins Rutschen. Matthäus erkennt das und nutzt es.
Bemerkenswert ist, womit er seine Forderung unterfüttert. Es geht ihm nicht um Statistik, nicht um Tabellen, nicht um Form. Er beschreibt einen Körper. „Wie er seinen Körper beim zweiten Tor dagegen stellt – mit einer Weltklasse-Mitnahme. Die Körperdrehung, wie er den Körper zwischen Ball und Abwehrspieler stellt und dann eiskalt abschließt – das ist eine besondere Klasse, die er hat, weil er dafür gebaut ist." Das ist Handwerksbeschreibung, kein Marketing. Der Strafraum als Werkstatt, der Stürmer als Spezialist.
Und dann zieht Matthäus den Vergleich, der hängenbleibt. Undav sei „so ein bisschen kleiner und mit kürzeren Drehungen als jemand, der 20 Zentimeter größer ist. Er hat einen breiten Körper, der ein bisschen an Gerd Müller erinnert – auch die Oberschenkel. Von dieser Seite her haben wir einen neuen 'Bomber der Nation'." Der Satz ist eine Last und eine Lizenz zugleich. Eine Last, weil der Name Müller im deutschen Fußball nicht zur Verfügung steht, ohne dass Erwartungen mitwachsen. Eine Lizenz, weil Matthäus damit Nagelsmann einen Rahmen setzt, in dem Undav nicht mehr nur Joker sein kann.
Eine andere Qualität bringt Matthäus dazu in Stellung: die Gelassenheit. Undav „denkt nicht viel darüber nach, was in den Zeitungen steht, ob er von Anfang an spielt oder später reinkommt. Er hat einfach Spaß am Fußball und grübelt nicht lange." Das ist ein interessantes Detail in einer Debatte, die genau das Gegenteil produziert: Schlagzeilen, Forderungen, Hierarchiefragen. Der Spieler selbst, sagt Matthäus, sei in dieser Hinsicht der Ruhepunkt.
Damit liegt der Ball bei Nagelsmann. Er kann an Undav festhalten als Einwechselspieler, mit guten Gründen für ein eingespieltes Gefüge. Oder er folgt der Linie, die Matthäus vorzeichnet: dass Tore am Ende die einzige Währung sind, in der ein Stürmer bezahlt wird. Beides hat seinen Preis. Nur der Name, der nun im Raum steht, lässt sich nicht mehr zurückholen.







































