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·1. Juni 2026
Uzun, Ayhan & Şimşir sammeln WM-Argumente, Kabak & Akgün enttäuschen – Türkei-Einzelkritik

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·1. Juni 2026

Am Montagabend hatte die Türkei den letzten Test auf heimischem Boden, bevor es für die anstehende Weltmeisterschaft nach Nordamerika geht. Im Spiel gegen Nordmazedonien setzte sich das Team von Vincenzo Montella am Ende sehr überzeugend mit 4:0 durch, wobei der Coach nicht zuletzt vielen möglichen Streichkandidaten noch einmal die Chance gab, sich zu zeigen. Wer Argumente für sich sammeln konnte, im finalen WM-Kader der Türkei zu stehen und wer eher nicht, das erfahrt ihr in unserer Einzelkritik.
Altay Bayındır: In einer Partie, in der die Türkei von Beginn an den Ton angab, war der Ersatzkeeper von Manchester United insgesamt zwar nur wenig gefordert, war dann aber da, wenn es mal gefährlich wurde und zeigte seine guten Reflexe auf der Linie. Nach 62 gespielten Minuten machte Altay Bayındır dann für den Debütanten Muhammed Şengezer Platz. (Note: 2)
Mert Müldür: Sehr fleißig, präsent in den Zweikämpfen und laufstark, zeigte der Fenerbahçe-Kicker, dass er als Außenverteidiger sowohl rechts als auch links eine sehr solide Option sein kann, die wenig Fehler begeht, aber auch nur selten für die ganz großen Momente sorgt. In der 88. Spielminute wich Mert Müldür dann für den Kapitän Hakan Çalhanoğlu. (Note: 2)
Ozan Kabak: Zwar nur wenig gefordert, in seiner Entscheidungsfindung aber nicht immer ganz glücklich, hatte der Hoffenheimer Glück, dass Nordmazedonien sowohl die fußballerische Qualität als auch letztlich die Motivation abging, seine Unsicherheiten auszunutzen. Zur Pause blieb der 26-Jährige in der Kabine und für ihn wurde Samet Akaydın eingewechselt. (Note: 4)
Çağlar Söyüncü: Nach langer Verletzung stand der ehemalige Freiburger endlich wieder für die türkische Nationalmannschaft auf dem Platz und machte seine Sache sehr ordentlich, indem er vorausschauend agierte, Bälle früh abfing und in den Zweikämpfen meist einen guten Riecher hatte. Wenn es mal robust wurde, merkte man Söyüncü dann aber doch noch etwas die Verunsicherung an. (Note: 2,5)
Eren Elmalı: Über seine linke Seite machte der Außenverteidiger viel Druck, schob vor und sorgte für Überzahlsituationen, wobei er in der 16. Minute dann auch das 2:0 für Can Uzun auflegte. Kurz darauf verletzte sich der Galatasaray-Profi und wurde noch in der ersten Halbzeit durch Zeki Çelik ersetzt. (Note: 2)
Salih Özcan: Zwar viel unterwegs und auch stets anspielbar, machte der Noch-Dortmunder eine sehr unauffällige Partie, in der unaufgeregt seinen Stiefel runterspielte und die meiste Zeit einen sicheren Eindruck machte. Lediglich im Passspiel mangelte es Özcan zuweilen etwas an der nötigen Präzision. Nach etwas über einer Stunde durfte er dann für Demir Ege Tıknaz vom Platz gehen. (Note: 2,5)
Orkun Kökçü: Nicht nur durch seinen frühen Führungstreffer wusste der Beşiktaş-Kapitän zu überzeugen, auch als Strippenzieher und Taktgeber im Mittelfeld machte der Achter einen guten Eindruck, indem er immer wieder die Bälle forderte und sich auch nicht scheute, auch mal den schwierigeren Pass in die Spitze zu spielen, was allerdings nicht immer gelang. Aber auch in der Arbeit gegen den Ball machte Orkun Kökçü seine Sache sehr ordentlich und zeigte eine ungewohnte Giftigkeit in den Zweikämpfen. Zur Pause wurde er dann durch Kaan Ayhan ersetzt. (Note: 2)
Oğuz Aydın: Das frühe 1:0 der Türkei durch Orkun Kökçü legte der Flügelstürmer von Fenerbahçe mustergültig auf, indem er nach einem Tiefenlauf flach in die Mitte zurücklegte. Auf diese Weise wären tatsächlich noch einige Assists mehr möglich gewesen, hätte es den Türken nicht noch etwas an der Präzision gefehlt. Von seinen Flügelläufen abgesehen wirkte Oğuz Aydın aber insgesamt recht unauffällig, da er seine rechte Seite nur selten verließ. Nach 61 Minuten wurde der Angreifer dann für Arda Güler ausgewechselt. (Note: 2,5)
Yunus Akgün: In seiner Rolle zwischen Spielmacher und hängender Spitze mäandernd, hatte der Galatasaray-Spieler nie so richtig Zugriff auf die Partie und lief meist eher hinterher, anstatt selbst gestalterisch tätig zu werden. Zwar konnte man Akgün seinen Einsatz nicht absprechen, aber die meisten Seiner Aktionen wirkten eher etwas unglücklich. Dass der 25-Jährige zur Pause in der Kabine blieb und für ihn İrfan Can Kahveci auf den Platz kam, wirkte da folgerichtig. (Note: 4)
Can Uzun: Der überragende Mann dieses Spiels, nicht nur durch sein Tor zum 2:0 und sein Assist zum 3:0, sondern von seiner gesamten Spielweise her. Zwar war Can Uzun meist auf dem linken Flügel zu finden, zog aber immer wieder nach innen und schaute nach Möglichkeiten, entweder selbst zum Torabschluss zu kommen, oder seinen Mitspielern entsprechende Chancen zu liefern. Eine solche Stringenz hin zum gegnerischen Kasten geht den Türken zuweilen etwas ab, weshalb Uzun vor allem in der ersten Halbzeit an praktisch allen gefährlichen Offensivaktionen seiner Mannschaft beteiligt war. In der 63. Spielminute durfte sich der Frankfurter dann seinen verdienten Applaus abholen und verließ für Debütant Aral Şimşir das Feld. (Note: 1)
Deniz Gül: Als Mittelstürmer über weite Strecken nur wenig ins Aufbauspiel der eigenen Mannschaft eingebunden, sorgte er dennoch im gegnerischen Strafraum stets für Präsenz und konnte so immer mindestens einen Gegenspieler binden, was seinen Teamkollegen entsprechende Räume einbrachte. In der 53. Spielminute machte der Porto-Angreifer dann genau das, was man sich von einem echten Neuner wünscht, indem er sich bei einer Hereingabe von Can Uzun geschickt von seinem Gegenspieler löste und mit einer Art Kopfball-Lupfer den nordmazedonischen Keeper überspielte und so das 3:0 erzielte. Nur wenige Minuten später wurde Deniz Gül dann für Barış Alper Yılmaz ausgewechselt. (Note: 2)
Zeki Çelik (ab Spielminute 27): Für den früh verletzten Eren Elmalı eingewechselt, machte auch der Roma-Verteidiger seine Sache sehr ordentlich, indem er viele Tiefenläufe startete und offensiv für Überzahlsituationen sorgte. Auch gegen den Ball sah Çeliks Einsatz die meiste Zeit ganz gut aus, indem er viele Bälle abfing und auch keinen Zweikampf scheute, auch wenn er nicht jeden davon für sich entscheiden konnte. (Note: 2,5)
Samet Akaydın (ab Spielminute 46): Der erfahrene Abwehrrecke genießt einerseits den Ruf, sehr unspektakulär zu sein, und andererseits, teils absurde Aussetzer zu haben. Dem ersten Ruf wurde der 32-Jährige gerecht, indem er kaum auffiel. Das lag aber daran, dass der zweite Ruf hier nicht bestätigt wurde, da Samet Akaydın sehr ruhig, konzentriert und fehlerfrei agierte, dabei aber auch nie ins Risiko ging. (Note: 2,5)
Kaan Ayhan (ab Spielminute 46): Obwohl er eigentlich nur eine Halbzeit auf dem Platz stand, hatte der frühere Bundesliga-Spieler gleich drei oder vier Positionen zu bekleiden. So war er als Achter, alleiniger Sechser, Innenverteidiger und Linksverteidiger aktiv – ein Umstand, der vor allem den vielen Wechseln geschuldet war. Dabei machte Ayhan seine Sache aber richtig gut und zeigte vor allem, dass er nicht zu unterschätzende Qualitäten als Ballverteiler besitzt, der praktisch überall auf dem Platz zu finden war. (Note: 2)
İrfan Can Kahveci (ab Spielminute 46): Deutlich agiler als Yunus Akgün, bewegte sich der 30-Jährige vor allem in den Halbräumen, wo er Steckpässe spielte, mal ins Dribbling ging und auch immer wieder zu Läufen in die Spitze ansetzte. Gerade im Zusammenspiel mit Arda Güler funktionierte das sehr gut, was sich vor allem auch vor dem 4:0 zeigte, als İrfan Can Kahveci nach einem schönen Doppelpass mit Güler das Tor von Barış Alper Yılmaz auflegte. (Note: 2)
Barış Alper Yılmaz (ab Spielminute 62): Als Ersatz für den etwas statischeren Deniz Gül, bekleidete der Galatasaray-Angreifer zwar nominell weiterhin die Rolle des Mittelstürmers, ließ sich aber oft auch auf die Flügel fallen, oder versuchte durch gefährliche Läufe die gegnerische Abwehr zu überrumpeln. Vor allem wenn er sich aus den Strafraum herausfallen ließ, um dann wieder hineinzustechen und so für Dynamik zu sorgen, funktionierte das auch richtig gut. Auf ebendiese weise fiel in der 70. Spielminute auch das 4:0, als Barış Alper Yılmaz nach einem Doppelpass zwischen İrfan Can Kahveci und Arda Güler dann plötzlich wieder vorm gegnerischen Kasten auftauchte und sein Tor machte. (Note: 1,5)
Demir Ege Tıknaz (ab Spielminute 62): Viel unterwegs, ständig anspielbar und sehr souverän im Passspiel, machte der Braga-Spieler zwar keine wirklichen Fehler, tendierte ab und an aber dazu, in Situationen, in denen es schnell gehen könnte, das Tempo etwas zu verschleppen. (Note: 3)
Arda Güler (ab Spielminute 62): Sofort nach seiner Einwechslung war der Mann von Real Madrid der Dreh- und Angelpunkt im Offensivspiel seiner Mannschaft. Der 21-Jährige tauchte immer wieder in den Halbräumen auf, um seine Mitspieler einzusetzen oder auch mal selbst aus der Distanz abzuschließen und versprühte dabei ansteckende Spielfreude. Seinen einen genialen Moment hatte Güler dann in der 70. Spielminute, als er nach einem Zuspiel von İrfan Can Kahveci die Kugel traumhaft per Hacke auf diesen in den Strafraum weiterleitete, wodurch Kahveci das 4:0 von Barış Alper Yılmaz vorbereiten konnte. (Note: 2)
Muhammed Şengezer (ab Spielminute 63): Im Verlauf der zweiten Halbzeit eingewechselt, durfte der Schlussmann von Başakşehir sein überfälliges Länderspieldebüt feiern, bei dem er aber bis auf einen müden Abschluss praktisch gar nichts zu tun bekam und hier und da lediglich einen Sicherheitspass spielte. (Note: 3)
Merih Demiral (ab Spielminute 63): Progressiv nach vorne verteidigend, war es dem 28-Jährigen hinten hier und da wohl etwas zu langweilig und er machte immer wieder mal den Weg in die gegnerische Hälfte. Dies ging aber auch nur deshalb, da sich Nordmazedonien spätestens nach dem 0:4 offensiv gar nichts mehr traute. Aus diesem Grund musste Demiral defensiv auch kaum tätig werden. (Note: 3)
Aral Şimşir (ab Spielminute 63): Für den unfassbar starken Can Uzun gekommen, durfte der "Spieler des Jahres in Dänemark" sein Länderspieldebüt feiern und zeigte dabei, dass er, gerade von der Bank kommend, eine echte Bereitschaft für das türkische Spiel sein kann, indem er ohne lange zu überlegen sofort meist ins Dribbling ging oder gleich direkt den Abschluss suchte. Zwar mangelte es Şimşir hierbei noch etwas an der Genauigkeit, aber in der Schlussphase der Partie war er der wahrscheinlich auffälligste Akteur. (Note: 2)
Hakan Çalhanoğlu (ab Spielminute 88): In den letzten Momenten der Partie durfte dann auch der nominelle Kapitän der türkischen Nationalmannschaft seinen 105. Auftritt mit dem Sichelmond auf der Brust feiern, eine Bewertung entfällt aufgrund der wenigen gespielten Minuten aber.
Mit Sicherheit werden einige der Akteure, die in dieser Partie gegen Nordmazedonien ran durften, trotzdem am Ende aus dem vorläufigen 35-Mann-Kader von Vincenzo Montella gestrichen werden und die Weltmeisterschaft so verpassen. Die Frage, welche neun Namen man denn persönlich streichen würde und warum, haben sich auch LIGABlatt-Redakteure Fatih, Mario und Ove gestellt und in der letzten Ausgabe von "Süper Talk" heiß darüber diskutiert, wobei man sich nicht immer ganz einig war. Hört gerne einmal rein!
Foto: X / @MilliTakimlar







































