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·10. September 2026

VAR-Auftakt: Wenn die Regel spaltet, nicht der Videoraum

Artikelbild:VAR-Auftakt: Wenn die Regel spaltet, nicht der Videoraum

Zwölf Spiele, drei Videoentscheidungen, null Skandale. Der Start der Ligaphase hat gezeigt, wie unaufgeregt der VAR arbeiten kann – und wie zuverlässig trotzdem gestritten wird. Nur eben über die falsche Sache.

Lille: der Eingriff, der nichts drehte

Die klarste Szene lief in der 56. Minute im Stade Pierre-Mauroy. Ethan Mbappé, gerade erst 2:3 im Rückstand, ließ sich von Betis-Verteidiger Natan provozieren und traf ihn mit dem Ellbogen im Gesicht. Schiedsrichter Georgi Kabakov sah es zunächst nicht, der Videoraum meldete sich, nach Ansicht der Bilder gab es Rot. Der Provokateur bekam Gelb.


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Genau so ist das Instrument gedacht: eine Tätlichkeit, die dem Unparteiischen entgangen ist, wird nachgeholt. Keine Auslegungsfrage, keine Millimeterlinie, keine Minutenpause. Lille verlor 2:3, aber nicht wegen des VAR – die beiden Gegentore fielen vor dem Platzverweis.

Dortmund: ein Arm, ein Bein, ein zählendes Tor

Die Szene mit dem größeren Erklärbedarf ereignete sich in Dortmund. Maximilian Beier zog in der 53. Minute scharf in den Strafraum, der Ball sprang Renato Veiga unkontrolliert vom Arm ans Bein und von dort ins eigene Tor. Das 1:0 zählte. Auf den Rängen und in den Kommentarspalten war das für viele der Beweis, dass niemand mehr die Handspielregel versteht.

Dabei ist sie an dieser Stelle eindeutig. Nach dem Regelwerk des IFAB zählt ein Treffer nicht, wenn der Ball unmittelbar zuvor Hand oder Arm eines Angreifers berührt – auch unabsichtlich. Für den verteidigenden Spieler gilt das nicht. Wer den Ball unglücklich an den eigenen Arm bekommt und ihn dann ins eigene Netz lenkt, wird dafür nicht belohnt.

Die Frage ist nicht, ob der VAR eingreift

Die Frage ist, wann er es tun darf. Und da liegt der eigentliche Konfliktherd nicht in der Technik, sondern in der Schwelle: Nur bei klaren und offensichtlichen Fehlentscheidungen soll der Videoraum den Schiedsrichter an den Monitor bitten. Was „klar“ ist, entscheidet ein Mensch. Deshalb wird jede Saison dieselbe Debatte geführt, obwohl die Regeln sich kaum bewegen.

Der erste Spieltag hat dafür ein brauchbares Muster geliefert: eingegriffen wurde bei einer Tätlichkeit, nicht eingegriffen bei einer Zufallsberührung. Genau so gehört es sich.

Was diese Woche noch bringen kann

Der Spieltag ist nicht vorbei. Am Donnerstag stehen sechs weitere Partien an, darunter zwei mit deutscher Beteiligung. Statistisch spricht wenig dafür, dass alle sechs ohne strittige Szene auskommen.

Wenn es dann wieder laut wird, lohnt der Blick auf die Reihenfolge: erst das Regelwerk, dann die Empörung. In dieser Reihenfolge wäre schon die Hälfte aller VAR-Diskussionen dieser Woche gar nicht erst entstanden.

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