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·20. März 2026
Verletzte, Bankdrücker, Probleme überall: Diese WM muss eine deutsche Punktlandung werden

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·20. März 2026

Verletzte, formgeschwächte Offensivspieler, kein klarer Torjäger: Der DFB-Kader für die WM in Nordamerika hat laut Analyse erhebliche Schwachstellen.
Es gibt unter den Fußballanhängern zwei große Gruppen: Die einen reden vorher alles schlecht, um nachher nicht zu enttäuscht zu sein, wenn es schiefgegangen ist. Die anderen platzen grundsätzlich vor Optimismus. Was das Nationalteam angeht, wird Julian Nagelsmann durch seinen Arbeitsvertrag in diese Gruppe gezwungen.
Ich muss sagen, ich bin eher Team 1. Wenn meine Stuttgarter Kickers spielen, schlage ich provisorisch die Hände über den Kopf zusammen und rechne vor dem Anpfiff aus, wie weit die Mannschaft nach einer Niederlage in der Regionalliga-Tabelle abstürzen wird.
Als ich den DFB-Kader für den Testspiel-Doppelpack gegen die Schweiz und Ghana gesehen habe, fühlte ich ähnlich. Da war keine Vorfreude, keine Heiterkeit, ich bin zutiefst pessimistisch. Verletzte, Bankdrücker, Probleme überall: Die WM in Nordamerika muss eine deutsche Punktlandung werden.
Machen wir uns nichts vor: Die deutsche Mannschaft ist weder gefühlsmäßig noch statistisch Favorit. Die Wettanbieter etwa haben Spanien, England, Frankreich, Brasilien, Argentinien und Portugal mit besseren Quoten auf den Titel versorgt.
Nach Durchsicht der Spielernamen muss einen das nicht wundern. Bei einem Computer würde man sagen: Deutschland läuft momentan im abgesicherten Modus. Selbst Bundestrainer Nagelsmann sagte gestern: "Wir haben nicht den besten Kader der Welt."
Im Tor steht Oliver Baumann – ein solider Mann, aber kein Krake. Die deutsche Abwehr ist ja bei Turnieren schon beinahe traditionell anfällig und der nun von Nagelsmann quasi begnadigte Innenverteidiger Antonio Rüdiger immer für eine Überraschung gut. Ich meine das nicht positiv.
Hinten auf den Außenpositionen ist bis auf den lebenden Verschiebebahnhof Joshua Kimmich kein Spieler in Sicht, der sich der Weltklasse auch nur annähert.
Besorgniserregend sind offensives Mittelfeld und Sturm, die Nagelsmann beim Nominieren ja zusammenfasst als "Offensive". Nehmen wir Jamal Musiala: Er ist immer noch nicht bereit und deshalb nicht nominiert. Die inzwischen achteinhalbmonatige Rekonvaleszenzzeit des neben Florian Wirtz besten deutschen Spielers macht mir langsam Sorgen. Kann Musiala in drei Monaten in Höchstform kommen?
Ganz vorn: Stuttgarts Deniz Undav ist gut drauf, der Rest: oje.
Ich habe mal nachgesehen, wie viele Spiele über die ganzen 90 Minuten die elf am Donnerstag vom Bundestrainer nominierten Offensiv-Profis in dieser Saison 2025/26 in ihren heimischen Ligen gemacht haben:
Klingt teilweise erschreckend, oder?
Die Personaldecke im deutschen Team ist so dünn, dass ich mich frage: Wer springt im Sommer in die Bresche, sollte Musiala nicht rechtzeitig in Form kommen oder Wirtz ein schlechtes Turnier erwischen oder sich gar einer der beiden verletzen?
Wer außer Undav soll Tore schießen? Kai Havertz hat mich bisher im DFB-Team nie überzeugt. Außerdem plagt er sich mit Verletzungen herum - bei Arsenal hat er in dieser Saison 36 Pflichtspiele verpasst.
Wer soll im Falle eines Rückstands notfalls kurz vor Schluss die Flanken einköpfen, wenn Nick Woltemade so weitermacht? (Er hat im Jahr 2026 ein Pflichtspieltor für Newcastle geschossen. Ich wiederhole: eins.)
Ach ja: Und wer soll sich vorn auf den Flügeln durchsetzen und überhaupt zum Flanken kommen?
Ich beneide Julian Nagelsmann gerade nicht um seinen Job. Aber ich bin ja auch Team 1.
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