OneFootball
Philipp Overhoff·6. Juni 2026
In partnership with
Yahoo sportsOneFootball
Philipp Overhoff·6. Juni 2026
Wenige Tage vor dem Beginn der Heim-WM ruhen die Hoffnungen Millionen amerikanischer Fans vor allem auf Cristian Pulisic. Der Superstar der US-Nationalmannschaft spielt bei der AC Mailand, ist mit 27 Jahren im besten Fußballer-Alter und gilt gemeinhin als der wahrscheinlich talentierteste "Soccer-Player" aller Zeiten. Sein Spitzname? Der lautet natürlich Captain America.
Angesichts dieser Prominenz mutet eine jüngst getroffene Personalentscheidung von Nationaltrainer Mauricio Pochettino umso überraschender an: Pulisic wird die USA beim Heimturnier nicht als Kapitän aufs Feld führen! Stattdessen trägt Routinier Tim Ream die Binde mit den Stars and Stripes.
Der Innenverteidiger ist stolze 38 Jahre alt und steht beim MLS-Klub Charlotte FC unter Vertrag. Während Pulisic also Zukunft und Gegenwart des US-amerikanischen Fußballs verkörpert, befindet sich Ream längst im Spätherbst seiner Karriere. Der Abwehrmann blickt auf ein neunjähriges Engagement beim FC Fulham zurück und genießt innerhalb des Teams ein enormes Ansehen.

Und so machte Pochettino vor einigen Tagen offiziell, was sich zuvor bereits angedeutet hatte. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2024 schickte der Argentinier Ream in 16 von 23 möglichen Partien als Kapitän aufs Feld. Nun erklärte er den Oldie endgültig zum Anführer der US-Boys.
"Ich bin sehr dankbar, dass er bei uns ist, weil er ein großartiger Kapitän ist – nicht nur auf dem Platz, sondern vielleicht noch mehr neben dem Platz", sagte Pochettino. Besonders Reams Einfluss auf junge Spieler schätze er enorm. Auch ganz grundsätzlich sei sein Charakter für die Mannschaft von unschätzbarem Wert.
Der Entschluss wurde dabei nicht etwa durch das Team getroffen. "Es war meine Entscheidung", stellte Pochettino klar. Zwar habe er sich mit vertrauten Personen beraten, doch letztlich traf er die Wahl höchstpersönlich.
Kurios: Trotz aller Lobeshymnen des Coaches besitzt Ream bei der WM nicht mal einen Stammplatz. "Ob er spielt oder nicht spielt – er ist der Kapitän“, so Pochettino. "Nur weil er jetzt Kapitän ist, heißt das noch lange nicht, dass er auf jeden Fall in der Startelf steht. Das ist nicht der springende Punkt." Viel wichtiger sei ohnehin, dass der Verteidiger "ein toller Kerl" ist.
Das könnte zu einer bemerkenswerten Konstellation führen. Der Kapitän der Gastgeber-Nation sitzt bei vielen Spielen nur auf der Bank? Das hat es in der WM-Geschichte noch nicht allzu häufig gegeben. Mit Blick auf die letzten Länderspiele der USA kann man jedoch davon ausgehen, dass es genau so kommen wird. Denn Ream bestritt nur fünf der letzten neun Begegnungen über die vollen 90 Minuten. Dreimal spielte er gar nicht, einmal wurde er zur Halbzeit ausgewechselt.
📸 Jacob Kupferman - 2026 Getty Images
Am extremen Ehrgeiz des Veteranen ändert dieser Umstand allerdings rein gar nichts. So geht Ream die Heim-Festspiele maximal selbstbewusst an. "Die Einstellung lautet: Lasst uns das Ding gewinnen. Lasst uns die Weltmeisterschaft gewinnen“, sagte er kürzlich in einem Interview mit 'Fox News Digital'. Es gebe keinen Grund, sich vor dieser Zielsetzung "zu scheuen.“
Doch bei aller positiver Energie des Veteranen: Ein wenig schräg mutet das Ganze schon an. Man stelle sich nur mal vor, Joshua Kimmich ginge nicht als unumstrittener Stammspieler in das Turnier. Fußball-Deutschland würde wohl schäumen vor Wut. In den USA ist genau dieses Szenario aber die Realität.
Bleibt nur die Frage: Wer bekommt die Kapitänsbinde, wenn Ream – wie von Pochettino in den Raum geworfen – tatsächlich nicht in der Startelf steht? Ist dann der einzig wahre Captain America Cristian Pulisic an der Reihe? Wir werden es womöglich in wenigen Tagen erfahren.
📸 Adam Hunger - 2026 Getty Images







































