Vertikalpass
·8. März 2026
VfB kann Urs Fischer nicht

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·8. März 2026

In Stuttgart will man Großes erreichen: Als Club wie auch individuell sind die Ziele groß. Das Auftreten in Mainz lässt aber Zweifel aufkommen, dass den vollmundigen Worten auch Ernsthaftigkeit und Taten folgen. Es wurde ein typisches Spiel gegen die wiederbelebte Elf von Urs Fischer, das ich gehofft hatte, nie wieder sehen zu müssen.
Auswärts in dieser Saison Union, Hamburg, Sankt Pauli, Heidenheim, Mainz. Ergebnis: zwei von 15 möglichen Punkten. Die Spiele glichen sich, stets war mehr drin. Aber der Intensität der Gegner wollte der VfB in erster Linie individuelle Qualität entgegen setzen und war sich zu sicher, dass dies schon reichen würde gegen vermeintlich schwächere Gegner. Der Plan wäre in Mainz beinahe aufgegangen nach den beiden Geniestreichen zum 1:1 und 1:2. Aber sind wir ehrlich: Das hätte der VfB nicht verdient.
Ein sehr eigenartiges Spiel: Der VfB in den meisten Spielphasen und bei der Spiel-Auffassung und -Anlage deutlich unterlegen, und trotzdem ist es ärgerlich, das 2:1 nicht über die Zeit gerettet zu haben.
Ein unsägliches Spiel: Dass der heutige VfB gegen Mainz so spielt wie damals der Gentner-VfB: enttäuschend. Dem tief stehenden Gegner mit einer gewissen Überheblichkeit, viel nutzlosem Ballbesitz, einer hoch stehenden Abwehr und verheerenden individuellen Fehlern zu begegnen, ist keine gute Idee. Stellvertretend Luca Jaquez mit vielen Aussetzern, Angelo Stiller mit lommeligen Pässen, auch Alex Nübel mit merkwürdiger Spannungslosigkeit – um dann mit überragenden Paraden den VfB im Spiel zu halten. Mainz hätte durch Sheraldo Becker, Paul Nebel oder Philip Tietz das Spiel längst entscheiden müssen. Wenn es 3:0 für die energetischen Mainzer gestanden hätte, es wäre völlig verdient gewesen.
Der VfB überrascht in diesem viel zu locker geführten Spiel mit zwei individuell starken Aktionen. Atakan Karazor spielt in den Druck und in den Strafraum auf Deniz Undav. Dem der Ball bei der Annahme verspringt und dadurch zur Vorlage für Ermedin Demirovic wird. Das ist seine Stärke: One-touch im Strafraum, nicht lang überlegen, Bumm! 58 Sekunden später ein genialer Vertikalpass von Tiago Tomas und ein eiskalter Undav.
Selbst die unvermutete und unverdiente Führung ließ den VfB nicht konsequent werden. Vor dem Ausgleich hatte der VfB mehrfach die Möglichkeit, die Flanke zu verhindern. Reflexartig und unterkomplex wird jetzt gerne nach einem großen, kopfballstarken Innenverteidiger gerufen. Geht noch mehr als Jeff Chabot und Jaquez? Wohl kaum. Nur darf dann Tiago Tomas nicht ins Kopfballduell gehen müssen. Und selbst wenn: Warum ist Danny da Costa so völlig frei? An einem fehlenden großen, kopfballstarken Innenverteidiger lag es nicht. Es lag nicht an einem fehlenden Spielerprofil, sondern am fehlenden Engagement, das eigene Tor unbedingt verteidigen zu wollen.
Auswärts Union, Hamburg, Sankt Pauli, Heidenheim, Mainz. Im Grunde spielten alle Gegner Urs Fischer-Fußball. Laufstark, diszpliniert, engagiert, tiefe Abwehr, schnelles Umschalten. Einfacher Fußball mit dem der VfB einfach nicht zurecht kommt, obwohl er alle Möglichkeiten hätte. Ein Glück steht mit Augsburg nur noch einer dieser unangenehmen Urs Fischer-Gegner auf dem Programm. An einem Sonntag um 19.30 Uhr nach dem Rückspiel in Porto. Wetten, dass das Spiel ähnlich laufen wird wie gegen Mainz?
Zum Weiterlesen: Unser VertikalGIF nimmt’s wie immer mit Humor und sieht ein “kongenial-karitatives Duo Nübel/Jaquez, das den Mainzern helfen wollte, ein Tor zu erzielen. Und ganz ehrlich: Viel mehr Vorarbeit kann man gar nicht mehr leisten“.
Die Stuttgarter Zeitung (Plus) ordnet ein: “Es ist eine schöne Vorstellung, dass der VfB Stuttgart auch solche Spiele wie beim FSV Mainz 05 gewinnt. Womöglich noch souverän und am liebsten mit spielerischer Leichtigkeit. Doch dann würde es sich um den unangefochtenen Spitzenreiter FC Bayern München handeln“
Bild: Neil Baynes/Getty Images
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