REAL TOTAL
·21. September 2026
Viel PS, keine Struktur: Reals Zentrumsdilemma

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Das Zentrum bereitet José Mourinho aktuell Bauchschmerzen – Foto: Angel Martinez/Mateo Villalba Sanchez/Getty Images
Letztendlich machte José Mourinho doch wieder José Mourinho Dinge: Dass Reals Cheftrainer die Pressekonferenz nach der 1:2-Niederlage gegen Atlético nutzte, um ordentlich Stimmung gegen Schiedsrichter Miguel Ángel Ortiz Arias zu machen, mag in Anbetracht der sehr eindeutigen Fehlentscheidung des Unparteiischen beim eigentlich rotwürdigen Foul Kang-In Lees an Federico Valverde in gewisser Weise verständlich sein. Doch führte es auch wieder dazu, dass weitere (berechtigte) Kritik am Auftritt der Blancos komplett in den Hintergrund geriet. Wer Mourinho kennt, der weiß, dass dahinter ziemlich sicher auch jede Menge Kalkül steckt, um die Kritik bestmöglich von der Mannschaft fernzuhalten. Doch sollte und darf der Rundumschlag des Portugiesen in Richtung Liga und Referee nicht dazu führen, dass die offensichtlichen Kernprobleme der Königlichen dadurch nicht auch deutlich adressiert werden.
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Denn so waren es auch vor allem die ersten 45 Minuten im Derbi Madrileño, als man noch in Gleichzahl agierte, die erhebliche spielerische Mängel offenbarten. Rein von den Namen mag die vermeintliche Top-Elf auf dem Rasen gestanden haben, doch spielerisch blieb vieles (oder eigentlich alles) bei den Blancos Stückwerk. Die Offensivaktionen bestanden fast ausschließlich aus wirkungslosen Alleingängen der Offensivspieler, die Spieleröffnung bzw. der Spielaufbau waren gegen Atléticos intensives Pressing quasi gar nicht existent. Und es wurde wieder einmal mehr als deutlich: Real Madrid fehlt ein zentraler Mittelfeldspieler, der in der Lage ist, als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive zu agieren und dem kompletten Spiel das nötige Maß an Struktur verleiht.
Der Gedanke mit Valverde und Aurelién Tchouaméni gegen Atlético auf eine höchst physische Doppelsechs zu setzen und damit dem Quartett in der Offensive so den Rücken freizuhalten, mag nachvollziehbar sein, ging jedoch komplett in die Hose. Denn mit Ball kam man gar nicht erst in die Situationen, um Mbappé und Co. in gefährliche Räume zu befördern, weil das Spielgerät nach wenigen Stationen meist schon wieder weg war. Und gegen den Ball entwickelte man aufgrund des unzureichenden Pressings der Offensiven nie wirklich Zugriff, weshalb die Spielkontrolle mehr oder weniger die komplette Partie auf der Seite der „Rojiblancos“ lag. Bei den Königlichen hingegen befand sich jede Menge PS auf dem Feld, man bekam diese aber nicht auch nur ansatzweise auf die Straße.
Denn neben dem Umstand, dass Valverde und Tchouameni nie wirklich ins Spiel fanden, hing auch Arda Güler als rechter Zehner bzw. Flügel komplett in der Luft. Der Türke konnte seine Stärken auf dieser Position überhaupt nicht zur Geltung bringen und stieß vor allem in den direkten Duellen am Flügel körperlich oft an seine Grenzen.
Dabei ist es durchaus bezeichnend, dass die Blancos ihre beste Phase des Spiels in den letzten zehn Minuten erlebten – trotz Unterzahl. So änderte sich die Statik der Partie nochmals drastisch, als Bernardo Silva das Feld betrat. Mit dem Routinier auf der Sechs verfügte man plötzlich über die lange Zeit vermisste Ballsicherheit im Zentrum und einen Spieler, der dem Aufbau die nötige Struktur verlieh. So holte sich der 32-Jährige jeden Ball im Aufbau ab, dirigierte lautstark seine Nebenleute, holte zwei gefährliche Freistöße heraus und bereitete den 1:2-Anschlusstreffer vor.
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Wie viel Impact der Portugiese in der kurzen Zeit auf dem Feld hatte, zeigt ein Blick in die Statistik: Trotz lediglich zehn Minuten auf dem Feld verzeichnete er 26 Ballkontakte, spielte 21 Pässe (von denen 95 Prozent an den Mann kamen), wies einen Keypass und eine Torvorlage auf. Zum Vergleich: Tchouameni (70 Minuten) und Valverde hatten bei deutlich mehr Spielzeit lediglich 41 bzw. 37 Ballkontakte, spielten nur 32 bzw. 29 Pässe und leiteten keine einzige Torchance ein.
Da Valverde bei besagtem Zweikampf mit Lee eine Sprunggelenksverletzung davontrug, dürfte sich die Personalfrage für das Zentrum in den kommenden Wochen ohnehin erledigen, dennoch kann es mittelfristig, insbesondere für die Topspiele, eigentlich nur eine Lösung geben: Und zwar Bernardo + X, also lediglich einer aus dem Trio Tchouaméni, Valverde oder Eduardo Camavinga. Denn die Fähigkeit, den Rhythmus eines Spiels zu diktieren, bringt keiner der drei mit wie es der Portugiese tut.
Und es zeigt einmal mehr, wie sehr es die Führungsriege abermals verpasst hat, im Sommer die Baustelle zentrales Mittelfeld zu schließen bzw. wie schmerzhaft der verpasste Transfer Rodris in der Retrospektive wirklich wiegt. Dass man es nun im zweiten bzw. dritten Jahr hintereinander nicht geschafft hat, die Abgänge Toni Kroos‘ und Luka Modrićs zu kompensieren – obwohl man bisher ohne die beiden Mittelfeld-Granden keine einzigen großen Titel holen konnte – ist auch Versagen auf der sportlichen Führungsebene. Nun liegt es auch in Mourinhos Verantwortung zu versuchen, dieses Versagen bestmöglich aufzufangen, möglicherweise mit Bernardo Silva als neue zentrale Figur im Spiel der Blancos.
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