Miasanrot
·22. März 2026
Vielspieler beim FC Bayern: Ist Josip Stanišić die perfekte Lösung bei einem Laimer-Abgang?

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·22. März 2026

Josip Stanišić rauschte einst beim FC Bayern durch das Probetraining, in der C-Jugend war er den Löwen nicht mehr gut genug. Heute ist der Kroate an der Säbener Straße nicht mehr wegzudenken. Ein Portrait.
Es ist das harte Los eines Abwehrspielers, dass die breite Öffentlichkeit erst dann von einem Notiz nimmt, wenn ihm ein Fehler unterläuft. Nur selten zieren Abwehrspieler die Trikotrücken der Fans. Schließlich geht man doch für Spieler wie Olise, Kane, Gnabry oder Díaz ins Stadion. Für Spieler, die tolle Tore schießen oder mit spektakulären Dribblings für Furore sorgen.
Von den Offensivspielern gibt es haufenweise Highlight-Videos im Netz, eine Auswahl der schönsten Abwehraktionen sucht man meist vergeblich und auch die Sportschau kürt das „Tor des Jahres“ und nicht die „Grätsche des Monats“.
Josip Stanišić dürfte das reichlich egal sein. Die Nummer 44 des FC Bayern wirkt in einer Mannschaft voller Superstars wie der brave Musterschüler, der nicht gerne im Rampenlicht steht. Ein Spieler, der verlässlich und solide seinen Dienst verrichtet, das eigene Tor verteidigt und sich in den Dienst des Teams stellt. Ein Abwehrspieler eben.
Und die Beschreibung trifft ganz gut auf das zu, was Stanišić bis vor dieser Saison verkörpert hat. Der gebürtige Münchner glänzte im rot-weißen Trikot nur selten. Er war ein Kaderspieler, hochgezogen aus der eigenen Jugend, dessen Stern erst am Rhein so richtig aufging.
In der famosen Double-Saison von Bayer 04 Leverkusen, Stanišić absolvierte für die Werkself 38 Pflichtspiele (4 Tore und 6 Vorlagen), reifte der Kroate unter Xabi Alonso zum gestandenen Bundesliga-Spieler und unterstrich einmal mehr seine extreme Vielseitigkeit.
Der Abwehrspieler, als Grundschüler noch erfolglos beim FC Bayern zur Probe und anschließend mehrere Jahre in der Jugend beim TSV 1860 aktiv, wurde im Alonso-Team ab Weihnachten 2023 zum Vielspieler und konnte mit zahlreichen Assists und Toren in der Europa League und im DFB-Pokal zur Rekordsaison beitragen – Bayern-Fans werden sich noch schmerzlich an sein Tor in der Bundesliga gegen den FCB erinnern.
Schon unter Alonso spielte Stanišić auf mehreren Positionen und egal ob Rechts-, Innen-, Linksverteidiger oder sogar rechter Flügelverteidiger im 3-5-2: Der heute 25-Jährige erfüllte seinen Job souverän. Zurück in München dasselbe Bild: Wenn der im Sommer 2017 an die Säbener Straße gewechselte Rechtsfuß zum Einsatz kam, konnte man sich weitestgehend auf ihn verlassen. In der ersten Saison unter Kompany war dies, auch verletzungsbedingt, nur in 26 Spielen (1.770 Minuten) der Fall.
In der aktuellen Saison, angefangen mit der Klub-Weltmeisterschaft, zeigt sich ein komplett anderes Bild. Stanišić kommt nach dem Heimsieg gegen Union Berlin auf 2.261 Spielminuten. In den letzten elf Bundesliga-Spielen stand der kroatische Nationalspieler zehnmal in der Startelf. Auch in der Champions League gilt: Ist Stanišić fit, spielt er und steht in der ersten Elf. Bei der Klub-Weltmeisterschaft wurde er in vier von fünf Spielen von Beginn an eingesetzt.
Zugegeben: Zu Beginn profitierte der Abwehrspieler von den Verletzungen in der FCB-Defensive. In Abwesenheit von Hiroki Ito und Alphonso Davies kam der Allrounder vornehmlich auf der linken Seite zum Einsatz. Dort hatte er aber durchaus seine Schwierigkeiten.
Mit dem Jahreswechsel und der festen Position als Rechtsverteidiger hat Stanišić zunehmend Vertrauen in seine eigenen Stärken gewonnen. Der laufstarke Abwehrspieler sei, so Kompany, von einer guten Spielintelligenz gesegnet und hätte zudem neben seiner Vielseitigkeit einen weiteren Trumpf: „Er ist eigentlich richtig schnell, viele Leute sehen das nicht“, so der Belgier vor dem Duell gegen Bayer 04 Leverkusen in der Vorwoche.
Schnelligkeit ist ein gutes Stichwort. Stanišić hat sich schon als Edelreservist beim FC Bayern einen Namen gemacht, als er Kylian Mbappé in der Königsklasse und in direkten Duellen in der Nationalmannschaft weitestgehend aus dem Spiel nahm. Ein Duell, das im Viertelfinale der Champions League erneut vor der Tür steht. Stanišić mag nicht der Spieler sein, der mit dem meisten Talent gesegnet ist, aber vor allem in den großen Spielen wächst er so oft über sich hinaus, dass es womöglich gar kein über sich hinaus wachsen mehr ist.
Doch nicht nur defensiv besticht der Kroate. Christoph Freund findet, dass das Eigengewächs fußballerisch immer besser wird, sich mehr nach vorne traut und immer sehr aktiv sei. Vor dem Tor wirkt er zudem selbstbewusster – gegen Atalanta traf er früh zur Führung, gegen den BVB holte er mit einem klugen Dribbling einen Elfmeter raus.
Und in der Tat hat Stanišić eine gewisse Wandlung vollzogen. In der FCB-Offensive nimmt er einen wichtigen Platz im Pressing ein, ist oft der Spieler, der am höchsten positioniert ist und somit noch vor Olise. Von seiner rechten Seite zieht er dabei immer wieder in die Mitte und stresst so die gegnerischen Abwehrreihen.
Attribute, die man auch Konrad Laimer zusprechen kann. Der Österreicher überzeugt wie sein kroatisches Pendant mit Vielseitigkeit, Einsatzwillen und Offensivakzenten. Doch anders als die beim FC Perlach groß gewordene Nummer 44, könnte Laimer schon bald seine Zelte an der Isar abbrechen.
Die Vertragsverhandlungen mit dem 28-jährigen Salzburger stocken aktuell. Laimer, noch bis 2027 an den FC Bayern gebunden, will dem Vernehmen nach in neue Gehaltssphären vorstoßen. Stanišić, noch bis 2029 unter Vertrag, ist hier die kostengünstigere Alternative für den FCB.
Zwar hat laut Wyscout kein anderer Spieler im Kader in allen Wettbewerben mehr erfolgreiche Defensivaktionen als Laimer (8,8), aber Stanišić ist mit 7 nicht allzu weit dahinter. Während der Österreicher viele direkte Zweikämpfe führt (8,4 und 65 Prozent erfolgreich – Stanišić kommt auf 4 und 62 Prozent), ist sein Teamkollege bei den abgefangenen Pässen einen Tick besser (4,4 zu 3,2).
Offensiv hat Stanišić die Nase in mancher Statistik sogar leicht vorn: Mehr erfolgreiche Offensivaktionen pro 90 Minuten (1,3 zu 0,8), eine bessere Erfolgsquote bei Dribblings (65 Prozent zu 25 Prozent). Dafür kommt Laimer auf etwas mehr erfolgreiche Pässe in die Gefahrenzone vorm gegnerischen Tor im Radius von 20 Metern (1,3 zu 1,1) und mehr Pässe, die zu einer Torchance führen (0,6 zu 0,3).
Laimers Niveau ist insgesamt durchaus nochmal höher einzuschätzen. Trotzdem hätte der FC Bayern eine sehr gute Alternative im eigenen Kader, sollte der Österreicher sich verändern wollen. Die Frage, die man sich dann an der Säbener Straße stellen müsste, wäre: Will man auf dieser Position in die Spitze investieren oder vertraut man der Qualität des fast schon chronisch unterschätzten Stanišić?
Ihm eilt noch immer der Ruf nach, dass sein Profil nicht dem eines Stammspielers beim FC Bayern entspreche. Eine Aussage, die vor einem Jahr vermutlich kaum jemand bestritten hätte. Nun hat der 27-malige kroatische Nationalspieler allerdings einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht. Wenn er diese Leistung halten kann, wird sich diese Meinung schnell legen. Und dann ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis man mehr Stanišić-Trikots in der Allianz Arena sieht.









































