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·26. September 2026

Vier Spiele in elf Tagen, ein Fenster, viele Ausfälle – die Zwischenbilanz der neuen Länderspielpause

Artikelbild:Vier Spiele in elf Tagen, ein Fenster, viele Ausfälle – die Zwischenbilanz der neuen Länderspielpause

Frankfurt. Am Donnerstagabend fiel Jamal Musiala beim Aufwärmen aus, ohne dass ihn jemand berührt hatte. Am Freitagabend verletzte sich Kylian Mbappé bei seinem eigenen Torschuss, ebenfalls ohne Fremdeinwirkung. Zwei der teuersten Offensivspieler Europas, zwei Abende, zwei Rückreisen zum Klub. Dazwischen und drumherum eine Liste, die sich in der ersten Hälfte dieser Länderspielperiode auffällig schnell gefüllt hat.

Die naheliegende Frage lautet: Liegt das am neuen Kalender? Die ehrliche Antwort lautet: Das lässt sich nach vier Tagen nicht beweisen. Was sich aufschreiben lässt, ist die Liste – und der Kontext, in dem sie entsteht.


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Die Ausfälle dieser Woche

Deutschland: Jamal Musiala zog sich beim Aufwärmen in Amsterdam einen Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel zu, laut Sky drei bis vier Wochen Pause. Kai Havertz erlitt nach einem Tritt von Quinten Timber eine Muskelzerrung. Beide reisten am Freitag ab, Florian Wirtz und Jonathan Burkardt rückten nach. Brajan Gruda fällt mit einer Bauchmuskelzerrung aus. Schon vor dem Lehrgang hatten Rocco Reitz, Assan Ouédraogo und Angelo Stiller gefehlt, dazu der verletzte Leon Goretzka.

Frankreich: Mbappé verletzte sich bei seinem Siegtor in İzmit am linken Knie – laut Verband eine Sehnenverletzung, Rückreise nach Madrid, Ausfall für den Rest des Lehrgangs. Ibrahima Konaté hatte bereits am Mittwoch das Training mit Knieschmerzen abgebrochen. Aurélien Tchouaméni fehlte von Beginn an mit einer Leistenverletzung, N’Golo Kanté ebenfalls.

Österreich: Michael Gregoritsch musste in seinem ersten Spiel als Kapitän nach 34 Minuten mit einer Knöchelverletzung vom Platz.

Türkei: Kenan Yıldız fiel mit gebrochenem Fuß aus, Orkun Kökçü konnte wegen Zehenbeschwerden an keiner Trainingseinheit teilnehmen.

England: Thomas Tuchel musste fünf Absagen verkraften, darunter Declan Rice und Marcus Rashford.

Niederlande: Brian Brobbey ging in Amsterdam angeschlagen vom Platz.

Was am Kalender neu ist

Erstmals gibt es im Herbst nicht zwei Länderspielfenster mit je zwei Partien, sondern ein einziges mit vier. Die FIFA hatte die Änderung bereits im März 2023 beschlossen, in Kraft ist sie seit dieser Saison. Für die Nationalmannschaften bedeutet das: vier Spiele zwischen dem 24. September und dem 4. Oktober, gestreckt über zwei Wochenenden. Für die Bundesliga: drei Wochen Pause zwischen dem 4. und dem 5. Spieltag.

Die offizielle Begründung liest sich rückblickend pointiert. „Oberste Ziele sind klare Verhältnisse sowie sinnvolle Spiele“, erklärte FIFA-Präsident Gianni Infantino. „Grundlegend ist aber auch der Schutz des Wohlergehens der Spieler.“

Was sich daraus ableiten lässt – und was nicht

Hier ist Vorsicht geboten. Für die These „mehr Spiele in kürzerer Zeit gleich mehr Verletzungen“ spricht die Logik, nicht die verfügbare Datenlage. Eine systematische Auswertung dieser Länderspielperiode im Vergleich zu früheren liegt nicht vor, dafür ist sie zu jung.

Auffällig ist etwas anderes: Mindestens drei der prominentesten Ausfälle entstanden ohne Gegnereinwirkung. Musiala beim Aufwärmen, Mbappé beim eigenen Schuss, Gruda mit einer Bauchmuskelzerrung. Das sind typische Überlastungsmuster – und sie treten bei Spielern auf, die im Vereinsalltag ohnehin durchspielen. Musiala hatte eine Woche zuvor beim 7:0 gegen Union Berlin erstmals in dieser Saison 90 Minuten absolviert, nach einer unterbrochenen Vorbereitung.

Gegen eine vorschnelle Schuldzuweisung spricht: Havertz‘ Zerrung folgte einem Tritt, Gregoritschs Knöchelverletzung einem Zweikampf, Yıldız‘ Fußbruch stammt aus dem Vereinsfußball. Ein Teil dieser Liste hätte jede Woche passieren können.

Die Kritik aus der Bundesliga

In den Vereinen fällt das Urteil über das neue Modell überwiegend negativ aus, allerdings aus einem anderen Grund als dem Verletzungsrisiko. Sebastian Hoeneß nennt die lange Pause einen „negativen Aspekt“: „Jetzt ist aber eigentlich auch die Phase, wo du es am wenigsten brauchst.“ Uli Hoeneß hat sich laut Sky ebenfalls kritisch geäußert. Anders sieht es René Wagner, für den es wichtig sei, dass seine Spieler nach vier Spieltagen und langer Vorbereitung „ein paar Tage durchschnaufen und mental herunterkommen“ können.

Der Zwiespalt ist typisch: Wer keine Nationalspieler abstellt, gewinnt drei Wochen Trainingszeit. Wer viele abstellt, bekommt sie nach elf Tagen mit vier Spielen in den Beinen zurück – und geht dann in den nächsten Block. Der FC Bayern bestreitet nach der Pause acht Pflichtspiele in 25 Tagen.

Klopps Antwort auf das Problem

Bemerkenswert ist, dass ein Bundestrainer die Belastungsfrage selbst zum Planungsprinzip gemacht hat. Jürgen Klopp hat 44 Spieler nominiert und in zwei Gruppen aufgeteilt: eine für die ersten beiden Spiele, eine für die letzten beiden. Er hatte angekündigt, kein Spieler werde alle vier Partien über 90 Minuten bestreiten.

Das UEFA-Reglement erlaubt das, weil pro Spiel eine neue 23er-Liste gemeldet werden darf. In dieser Woche hat sich der Nutzen zweimal gezeigt: Nach Musialas und Havertz‘ Ausfällen musste niemand kurzfristig nachnominiert werden, Wirtz und Burkardt reisten einfach früher an.

Gleichzeitig hat Klopp beschlossen, Musiala, Serge Gnabry und Nico Schlotterbeck über die gesamten drei Wochen bei der Nationalmannschaft zu behalten – damit sie nach ihren Verletzungen durchgehend betreut werden, statt bei ihren Klubs freie Tage zu bekommen. Bei Musiala ist dieser Plan nach dem ersten Aufwärmen hinfällig geworden.

Die Zwischenbilanz

Es steht 2:2 in dieser Länderspielperiode: zwei gespielte Termine, zwei noch ausstehende. Was bisher passiert ist, reicht nicht für ein Urteil über den neuen Kalender – aber es reicht, um die Frage zu stellen. Am 1. und 4. Oktober folgen die nächsten beiden Spiele, danach kehren die Spieler in Klubs zurück, die sofort in englische Wochen gehen.

Falls die Liste bis dahin weiterwächst, wird die Debatte über Infantinos Satz vom „Schutz des Wohlergehens der Spieler“ lauter werden. Falls nicht, war es eine Woche mit Pech. Beides ist derzeit möglich.

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