90PLUS
·5. August 2026
Vier statt drei Gelbe – und die Uhr bleibt trotzdem stehen

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·5. August 2026

Ein zweiseitiges Rundschreiben, Nummer 51/2026, datiert auf den 4. August, unterzeichnet von Generalsekretär Theodore Theodoridis. Darin stehen zwei Änderungen an den UEFA-Wettbewerbsreglements, die sofort in Kraft treten – und von denen eine anders funktioniert, als es die ersten Zusammenfassungen nahelegen.
Bislang galt in Champions League, Europa League und Conference League: Nach der dritten Verwarnung, die nicht zu einem Platzverweis führte, ist ein Spieler für die nächste Partie gesperrt. Danach traf es ihn bei jeder ungeraden Karte erneut – fünfte, siebte, neunte.
Ab sofort greift die Sperre in der Ligaphase erst nach der vierten Gelben Karte, die nächste dann nach der sechsten, achten und so weiter. Zwei Karten Abstand bleiben, der Einstieg verschiebt sich.
Der letzte Punkt geht in Kurzmeldungen gern verloren und ist der wichtigste: In den Qualifikationsrunden und Play-offs bleibt es bei drei Karten, inklusive der Regel, dass nach je zwei absolvierten Runden eine noch nicht abgesessene Verwarnung gestrichen wird. Da die Qualifikation zur Königsklasse bereits am 7. Juli begonnen hat, läuft die neue Regel also mitten in eine Saison hinein, in der sie zunächst niemanden betrifft. Erst am 8. September, zum Start der Ligaphase, wird sie relevant.
Bemerkenswert ist die Ausdehnung auf die Conference League. Deren Ligaphase umfasst weiterhin sechs Spiele, die Begründung für die Änderung greift dort also gar nicht. Die UEFA begründet es mit dem Registrierungsfenster im Februar: Wechselt ein Spieler zwischen zwei Klubs in unterschiedlichen Wettbewerben, sollen nicht zwei verschiedene Zählweisen aufeinandertreffen.
Das Rundschreiben nennt den Anlass offen: Die Formatreform von 2024/25 hat die Zahl der Partien in der Ligaphase von sechs auf acht erhöht – in Champions League und Europa League. Damit verschob sich das Verhältnis von Karten zu Spielen, und das Risiko einer Sperre durch Anhäufung stieg überproportional. Ziel der Anpassung sei es, das ursprüngliche Gleichgewicht wiederherzustellen.
Übersetzt: Der Verband repariert eine Nebenwirkung seiner eigenen Reform. Von einer Lockerung kann man kaum sprechen. Rechnerisch stellt die vierte Karte auf acht Spiele ungefähr das her, was drei Karten auf sechs Spiele einmal bedeuteten.
Vorausgegangen war eine öffentliche Debatte mit prominentem Absender. Im April, vor dem Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid, forderte Vincent Kompany eine Überarbeitung der Regel: Für Verteidiger sei es „fast unmöglich, nicht gesperrt zu sein“. Bei Bayern standen damals gleich mehrere Profis mit zwei Karten vor dem Halbfinale. Bayer-Geschäftsführer Fernando Carro, Mitglied der zuständigen Klubkommission, bestätigte kurz darauf, dass dort intensiv diskutiert werde – bei unterschiedlichen Positionen. Vier Monate später liegt das Ergebnis vor.
Der zweite Punkt wird bereits falsch weitergereicht. Nein, die Stadionuhren dürfen in UEFA-Wettbewerben nicht über die 45. und 90. Minute hinaus weiterlaufen. Der neue Wortlaut schreibt ausdrücklich vor, dass sie am Ende der regulären Spielzeit jeder Halbzeit anzuhalten sind, bei Verlängerung entsprechend nach 105 und 120 Minuten. Fortlaufende Zeitanzeige bleibt verboten.
Geändert hat sich etwas anderes: Bisher untersagte das Reglement den Ausrichtern, nach Ablauf der regulären Spielzeit überhaupt eine gespielte Zeit anzuzeigen. Künftig darf die Nachspielzeit dargestellt werden – als zusätzliche Minuten im Format 45+x beziehungsweise 90+y. Die Tafel zeigt also „90+3″, nicht „93:00″.
Die UEFA nennt die alte Bestimmung selbst überholt. Sie stamme aus einer Zeit, in der Zuschauer im Stadion die Partie nicht parallel auf dem Handy verfolgten und Bildmaterial rund um die Coachingzone untersagt war. Das Verbot habe das Stadionerlebnis eingeschränkt. Die Regel gilt ab sofort für sämtliche UEFA-Wettbewerbe, nicht nur für die Klubwettbewerbe der Männer.
„Heimlich“ beschlossen wurde hier übrigens nichts. Das Rundschreiben ging an alle Mitgliedsverbände, adressiert an Präsidenten und Generalsekretäre, in Kopie an das UEFA-Exekutivkomitee, die FIFA, die European Leagues, die European Football Clubs und FIFPRO Europe. Dass es in Deutschland zunächst kaum Widerhall fand, liegt eher am Datum: erster Augustdienstag, Bundesliga-Vorbereitung, Transferfenster.
Beide Beschlüsse sind Nachjustierungen. Der eine holt zurück, was ein größeres Format weggenommen hat. Der andere streicht eine Vorschrift, die spätestens mit dem Smartphone im Zuschauerblock ihren Zweck verloren hatte. Verbände arbeiten selten schneller als die Wirklichkeit. Sie arbeiten nur gründlicher.







































