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·5. Juni 2026

Visa-Posse um Embolo: Wenn Bürokratie die WM-Vorbereitung kapert

Artikelbild:Visa-Posse um Embolo: Wenn Bürokratie die WM-Vorbereitung kapert

Ein Stammspieler verpasst den Teamflug, weil eine Botschaft kurzfristig Akten nachfordert. Der Fall zeigt, was Verbände bei diesem Turnier unterschätzen.

Es gibt eine kleine Geschichte aus der Schweizer WM-Vorbereitung, die größer ist, als sie auf den ersten Blick wirkt. Breel Embolo, vom Trainer Murat Yakin als Stammspieler eingeplant, sitzt nicht im Flugzeug, mit dem die Nationalmannschaft am Dienstag in die USA aufbricht. Zweieinhalb Stunden vor Abflug erhält der Schweizer Fußballverband die Mitteilung, dass die elektronische Reisegenehmigung des Stürmers zusätzliche Abklärungen erfordert. Der Tross fliegt ohne ihn. Am Donnerstagabend dann die Entwarnung: Das Visum ist genehmigt, Embolo darf am Freitag nachreisen.


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Was hinter diesen Abklärungen steckt, hat der SFV transparent gemacht. Die US-Botschaft in Bern verlangte Gerichtsdokumente zu einem abgeschlossenen und seit diesem Frühjahr rechtskräftigen Urteil im Zusammenhang mit einer ausgesprochenen Drohung aus dem Jahr 2018. Konkret wollten die Behörden wissen, ob physische Gewalt zur Anwendung gekommen war. Das war laut Verband nicht der Fall. Es ist also kein dramatischer Akt, sondern ein bürokratischer Vorgang, der sich an einem rechtskräftig erledigten Verfahren entzündet — und der trotzdem dazu führt, dass ein Stammspieler eine Woche vor dem WM-Start eine Reise verpasst, die für die Mannschaft längst beschlossen war.

Genau hier liegt der Punkt, der über Embolo hinausweist. Wenn ein Verband zweieinhalb Stunden vor Abflug erfährt, dass ein bewilligtes ESTA plötzlich nicht mehr reicht, dann ist die Vorbereitung nicht mehr nur eine sportliche, sondern auch eine administrative Disziplin. Mannschaften planen seit Monaten Trainingsorte, Testspiele, Akklimatisierung. Ein einzelner behördlicher Vorgang kann diese Planung verschieben, ohne dass jemand dem Verband oder dem Spieler einen Vorwurf machen müsste. Die Schweiz hat Glück, dass die Klärung schnell ging und der Spieler rechtzeitig nachreisen kann.

Für Yakin ist die Lage damit sportlich entspannt. Embolo wird in den USA erwartet, am Samstag steht in San Diego das letzte Testspiel gegen Australien an, danach beginnt für die Schweizer die heiße Phase vor der Gruppe B mit Katar, Co-Gastgeber Kanada und Bosnien-Herzegowina. Ob Embolo dieses Testspiel schon bestreitet oder erst später ins Mannschaftstraining einsteigt, ist offen. Klar ist nur: Der Stürmer von Stade Rennes, der einst auch für Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach gespielt hat, soll bei der WM von Beginn an eine zentrale Rolle übernehmen.

Bleibt die strukturelle Frage, die der Fall aufwirft, ohne dass man sie zu groß machen muss. Eine WM in den USA — vom 11. Juni bis 19. Juli — bringt 48 Mannschaften, hunderte Spieler, tausende Funktionäre und Begleitpersonen ins Land. Jeder dieser Reisenden durchläuft Verfahren, die nicht für sportliche Großereignisse gemacht sind, sondern für den Alltag der US-Einreisebehörden. Der Fall Embolo zeigt, wie kurzfristig solche Verfahren in Bewegung geraten können, selbst wenn am Ende alles geklärt wird. Man kann über die USA als WM-Gastgeber nur den Kopf schütteln. Leider nicht zum ersten Mal.

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