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Philipp Overhoff·7. März 2026

Vom Trainer-Friedhof nach Europa? Buli-Coach erlebt epische Auferstehung

Artikelbild:Vom Trainer-Friedhof nach Europa? Buli-Coach erlebt epische Auferstehung

Als Manuel Baum am 1. Dezember als Trainer beim FC Augsburg einsprang, sollte er eigentlich nur eines in den Klub bringen: Ruhe. Mehr nicht. Keine großen taktischen Revolutionen, keine wilden Experimente. Zeit gewinnen, bis ein neuer Trainer kommt. Doch Baum gewann nicht nur Zeit, sondern auch Spiele. Die Frage ist jedoch, ob die Erfolgswelle jetzt jäh zum Stillstand kommt?

So nervös wie in den Monaten zuvor war es im bayrischen Schwabenland lange nicht zugegangen. Unter Sandro Wagner herrschte Unsicherheit. Nach nur zehn Punkten aus zwölf Spielen stand Augsburg auf Platz 14, die Tendenz zeigte klar nach unten. Besonders die heftigen Pleiten gegen Leipzig (0:6) und Hoffenheim (0:3) ließen alle Alarmglocken schrillen.


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Baums Mission lautete deshalb zunächst, das Team kurzfristig zu stabilisieren und halbwegs geordnet in die Winterpause zu bringen. Doch unter ihm präsentierte sich der FCA plötzlich deutlich stabiler. In drei Spielen kassierte die Mannschaft nur ein Gegentor und sammelte wichtige Punkte – unter anderem gegen Vizemeister Bayer 04 Leverkusen. Baum darf deshalb bis Saisonende Cheftrainer bleiben.

Schon diese Nachricht dürfte für den 46-Jährigen ein persönliches Highlight gewesen sein. Denn eigentlich hatte er mit einer Tätigkeit als Bundesliga-Trainer längst abgeschlossen.

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📸 Selim Sudheimer - 2026 Getty Images

Ein Trainer, der schon abgeschrieben war

Baum kennt Augsburg bestens. Zwischen Dezember 2016 und April 2019 saß er bereits auf der FCA-Bank und führte den Klub durch mehrere verhältnismäßig stabile Bundesliga-Jahre. Doch danach verlief seine Trainerkarriere holprig. Man könnte auch suboptimal sagen.

Sein Engagement beim FC Schalke verkam 2020 zu einem ziemlich unglücklichen Kapitel. Nach gerade einmal drei Monaten und nur vier Punkten aus zehn Spielen war Schluss, zum Saisonende stiegen die Königsblauen ab. Stichwort Arenaring.

Danach schien es, als würde Baum das Kapitel Bundesliga endgültig ad acta legen. Ein kleines Detail zeigt, wie wenig er selbst noch an eine Rückkehr glaubte: Seiner Tochter hatte er einst ein Pferd versprochen, sobald er 100 Bundesligaspiele als Trainer erreicht hätte. Baum stand damals kurz vor dieser Marke, ging aber offenbar davon aus, dass er sie nie mehr knacken würde.

Stattdessen arbeitete er später als sportlicher Leiter im Nachwuchsleistungszentrum von RB Leipzig. Zu Beginn dieser Saison kehrte er schließlich zum FCA zurück und übernahm als Leiter Entwicklung und Fußballinnovation.

Als Interimstrainer sprang er überhaupt nur ein, weil sein Herzensverein plötzlich in akuter Abstiegsnot steckte. Und weil ihm zugesichert wurde, dass er danach wieder in seine ursprüngliche Position wechseln könne. Was dann folgte, dürfte selbst Baum überrascht und seiner Tochter eine Pony eingebracht haben.

„Keep it simple“

Bemerkenswert ist vor allem, wie Baum diese Wende geschafft hat. Früher galt er als Prototyp des etwas verkopften „Laptop-Trainers“, der Fußball bis ins kleinste Detail durchdachte und teilweise auch verkomplizierte. Heute verfolgt er ein deutlich einfacheres Motto: „Keep it simple“.

Eine Anekdote beschreibt diesen Wandel perfekt. Wenn er früher ein Fußballbuch geschrieben hätte, erklärte Baum einmal schmunzelnd, wären daraus vermutlich 200 Seiten geworden. Heute wären es wohl eher fünf.

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📸 Sebastian Widmann - 2026 Getty Images

Genau diese Reduktion auf das Wesentliche scheint Augsburg gutzutun. Baum hat der Mannschaft ihre klassischen Grundtugenden zurückgegeben. Manche würden auch sagen, die typische Augsburger Ekligkeit ist wieder da.

Der FCA verteidigt kompakt, weiß genau, was er kann und was nicht und hat keinerlei Problem damit, Spiele auch mal unansehnlich zu gestalten. Hauptsache am Ende stehen Punkte.

Damit ist Baums Ansatz praktisch das Gegenteil der Idee seines Vorgängers Wagner. Der extrovertierte Ex-Co-Trainer von Bundestrainer Julian Nagelsmann wollte aus Augsburg eine Ballbesitzmannschaft formen und brachte viele komplexe Konzepte mit. Baum hingegen setzte den FCA-Spielstil schlicht auf Werkseinstellungen zurück.

Der vielleicht überraschendste Lauf der Saison

Nach mittlerweile zwölf Spielen im Amt steht der Coach bei einem bemerkenswerten Schnitt von 1,75 Punkten pro Partie. Hochgerechnet auf eine komplette Saison entspräche das knapp 60 Punkten. Mit diesem Wert ist man normalerweise im Rennen um die Champions League unterwegs.

Schaut man nur auf die Rückrundentabelle, befindet sich Augsburg tatsächlich genau dort: auf einem Champions-League-Platz. Nur der FC Bayern und Borussia Dortmund waren in diesem Zeitraum noch erfolgreicher.

Zuletzt gewann der FCA fünf seiner vergangenen sechs Spiele. Darunter fiel sogar ein Sieg gegen Bayern in der Allianz Arena. Für einen Klub, der noch vor wenigen Monaten tief im Abstiegskampf steckte, ist das eine ziemlich spektakuläre Wendung.

Plötzlich liegt Augsburg nur noch drei Punkte hinter einem Europapokalplatz. Rang acht, der möglicherweise zur Teilnahme an der Conference League berechtigt, ist sogar nur zwei Zähler entfernt. Alles andere als eine weitere Verlängerung mit Baum würde überraschen.

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Euphorie mit kleinem Sternchen

Ganz ohne Einschränkungen ist der Höhenflug allerdings nicht zu bewerten. In den vergangenen Wochen spielte Augsburg ausschließlich gegen direkte Konkurrenten aus dem unteren Tabellendrittel. Die kommenden Aufgaben werden deutlich härter. Von den nächsten sieben Gegnern stehen aktuell sechs auf einem Europapokalplatz. Es ist also durchaus möglich, dass der aktuelle Aufwärtstrend zu einem zeitnahen Ende kommt.

Doch selbst wenn: Baum hat bereits jetzt alles erreicht, wofür er ursprünglich geholt wurde – und sogar deutlich mehr.

Er hat den unruhigen Wagner-FCA beruhigt, die Mannschaft stabilisiert und dafür gesorgt, dass der Klassenerhalt nach nur 24 Spieltagen praktisch sicher ist. Die paar Punkte, die Augsburg theoretisch noch fehlen, wird das Team ziemlich sicher einsammeln. Das Ganze vermutlich auf die typisch augsburgische Art. Unschön. Zäh. Und für viele Gegner ziemlich nervig.


📸 Sebastian Widmann - 2026 Getty Images

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