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Philipp Overhoff·28. Februar 2026
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Philipp Overhoff·28. Februar 2026
Ein kleiner Klub aus dem hohen Norden Skandinaviens mischt plötzlich die Giganten Europas auf, stolpert nicht ehrfürchtig über große Namen, sondern schickt sie einfach nach Hause. Mittendrin ein Bundesliga-Flop, dessen Traum einer großen Karriere eigentlich schon geplatzt schien, der plötzlich aber wieder zur heißen Aktie wird und damit auch seinen Ex-Klub glücklich machen könnte.
Der FK Bodø/Glimt ist DIE Cinderella-Story dieser Königsklassen-Saison. Sensationssiege gegen Manchester City und Atlético Madrid katapultierten den norwegischen Vizemeister auf den allerletzten Metern der Ligaphase noch in die Playoffs. Schon das fühlte sich an wie ein Wunder. Das anschließende Duell mit Vorjahresfinalist Inter schien maximal Bonusmaterial zu sein.
Doch der Außenseiter hatte andere Pläne. Ein verdienter 3:1-Heimsieg im Hinspiel ließ Europa erstmals richtig aufhorchen. Spätestens nach dem Rückspiel-Triumph im legendären San Siro eroberte der Underdog dann sämtliche internationale Fan-Herzen.

Das Gesicht dieser märchenhaften Reise ist Jens Petter Hauge. Der 26-Jährige liefert in der Champions League ab, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Ihm gelangen sechs Tore und ein Assist in zehn Spielen, darunter zwei Treffer gegen Inter. Bei diesen Werten reiben sich viele Bundesliga-Fans – ganz besonders in Frankfurt – verwundert die Augen.
Denn dort hat man Hauge in allererster Linie als fetten Transferflop in Erinnerung. Als Eintracht Frankfurt ihn verpflichtete, überwies Sportvorstand Markus Krösche inklusive Leihgebühr über zehn Millionen Euro an die AC Mailand. Die Erwartungen waren entsprechend hoch, die Realität in Form von drei Toren in in 55 Pflichtspielen dagegen ernüchternd. Weder am Main noch während seiner Leihe nach Gent fand der Offensivspieler wirklich in die Spur.
📸 Christian Kaspar-Bartke - 2023 Getty Images
Warum es im Ausland nie funktionierte, hat mehrere Gründe. Hauge besaß auf dem Platz schlichtweg keine echte Heimat. Bei der SGE wurde er auf gleich sechs Positionen eingesetzt. Mal war er Spielmacher, mal hängende Spitze, mal Mittelstürmer oder Schienenspieler. Ironischerweise spielte er quasi nie dort, wo er sich am wohlsten fühlt: auf dem linken Flügel.
Dort ist damals ein gewisser Filip Kostić gesetzt gewesen. Der Serbe war Publikumsliebling, Leistungsträger und Platzhirsch. An ihm führte kein Weg vorbei. In Bodø hingegen darf Hauge endlich uneingeschränkt auf seiner heiß geliebten linken Außenbahn wirbeln. Er erhält Vertrauen, Freiheit und Verantwortung.
Davon war in Frankfurt nicht viel zu sehen. Ein letzter gemeinsamer Versuch im Sommer 2023 ließ kurzzeitig Hoffnung aufkeimen. In der Vorbereitung überzeugte Hauge, doch Trainer Dino Toppmöller forderte mehr Verantwortung und weniger Ballverluste, was sein Schützling nie ausreichend in die Tat umsetzen konnte. Trotz vorbildlicher Arbeitseinstellung und sogar acht verlorener Kilo blieb der Durchbruch aus.
Im Januar 2024 folgte schließlich die Rückkehr zu Bodø/Glimt. Dorthin, wo seine Karriere einst Fahrt aufgenommen hatte, ehe zu Milan ging.
Nach starken Leistungen während einer einjährigen Leihe verpflichteten die Nordnorweger ihren verlorenen Sohn im Januar 2025 fest. Vier Millionen Euro kassierte Frankfurt, immerhin ein Teil der ursprünglichen Investition floss also zurück.
Mit etwas zeitlichem Abstand könnte sich dieser Transfer sogar noch so richtig auszahlen. Denn wie 'Bild‘ berichtet, sicherte sich die Eintracht eine Weiterverkaufsbeteiligung in Höhe von 20 Prozent.
Mit jedem weiteren Hauge-Tor wächst daher nicht nur der Mythos Bodø/Glimt, sondern auch der potenzielle Geldregen für die Adlerträger. Interesse gibt es bereits reichlich. Lazio, Benfica, Trabzonspor sowie MLS-Klubs wie Los Angeles FC und New York City FC sollen den Norweger laut 'Sportsboom‘ beobachten. Mit jeder zusätzlichen Champions-League-Sensation dürfte die Liste länger und Hauge teurer werden.
📸 Martin Ole Wold - 2026 Getty Images
Und auch national glänzt der Flügelspieler. Acht Tore und fünf Vorlagen in der vergangenen Eliteserien-Saison sprechen eine klare Sprache. Sein Marktwert kletterte bereits von 2,5 auf 4,5 Millionen Euro, die nächste Aufwertung scheint nur Formsache.
In Frankfurt wird man den weiteren Champions-League-Weg von Bodø/Glimt daher ganz genau verfolgen. Nicht nur, weil die Geschichte des norwegischen Underdogs unfassbar charmant ist. Sondern weil dieses Märchen die eigene Kasse noch einmal ordentlich klingeln lassen könnte.
Während Bodø/Glimt weiter Europas Fußballadel ärgert, stellt sich am Main eine ganz andere Frage: Schläft Markus Krösche inzwischen in Bodø/Glimt-Bettwäsche? Er dürfte damit dieser Tage nicht alleine sein.
📸 Martin Ole Wold - 2026 Getty Images









































