Vor den Wahlen: Was für und gegen die Kandidaten spricht | OneFootball

Vor den Wahlen: Was für und gegen die Kandidaten spricht | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: REAL TOTAL

REAL TOTAL

·5. Juni 2026

Vor den Wahlen: Was für und gegen die Kandidaten spricht

Artikelbild:Vor den Wahlen: Was für und gegen die Kandidaten spricht
Artikelbild:Vor den Wahlen: Was für und gegen die Kandidaten spricht

Am Sonntag (9 bis 20 Uhr) haben circa 80.000 Socios die Wahl: Riquelme oder Pérez – Fotos: instagram.com/legadoyfuturo, getty images

Pro Enrique Riquelme:

  • er verspricht Socios mehr Mitspracherecht und Transparenz als zuletzt
  • er ist klar gegen jede Art von Privatisierung, der Klub soll zu 100 Prozent in den Händen der Socios bleiben
  • dass Real wieder „mehr Real“ sein soll, dafür spricht auch, dass er Unterstützer wie Klublegenden Raúl González, Fernando Hierro und Iker Casillas um sich schart, die teilweise im umreinen mit Pérez gegangen sind (wobei beispielsweise Casillas nicht bei allen Socios als positiv gesehen wird, unter anderem weil er früher unter Mourinho der Maulwurf gewesen sein soll; so ist Casillas fast schon ein Kontra)
  • im Gegensatz zu Pérez will Riquelme einen Sportdirektor installieren (Raúl; Hierro soll dagegen Leiter der Jugend sein, auch wenn Manu Fernández diese eigentlich erfolgreich führt)
  • er will Erling Haaland verpflichten und behauptet sogar, eine Einigung mit dem Spieler zu haben (auch wenn dessen Umgeld das natürlich dementiert, so wie damals bei Pérez und Figo auch, auch wenn der Portugiese damals aufgrund eines noch nicht verlängerten Vertrags deutlich unzufriedener war als Haaland)
  • als zweiten Star will er wohl auch Rodri verpflichten, auch wenn das noch nicht bestätigt wurde
  • er will die Mitgliedsbeiträge halbieren bis zum nächsten CL-Titel und sollte er sein Haaland-Versprechen nicht halten, würde er die Mitgliedsbeiträge wohl ganz ausfallen lassen
  • er verspricht den Socios eigene Bereiche auf dem Trainingsgelände in Valdebebas: wo Pérez dort quasi ein spanisches „Silicon Valley“ bauen will für Firmen und Mehreinnahmen, will Riquelme für die Socios verschiedene Sportanlagen und sonstige Einrichtungen bauen (wie realistisch und umsetzbar das ist, sei mal dahin gestellt)
  • er will andere Abteilungen fördern, beispielweise das Estadio Alfredo Di Stéfano vergrößern und auch mal die Frauen im Estadio Santiago Bernabéu spielen lassen
  • er stellt klar: die Entlassung von Xabi Alonso sei ein Fehler gewesen, so will er einem Trainer viel mehr Macht und Möglichkeiten geben, als das zuletzt der Fall war
  • er will wohl Jürgen Klopp als Trainer – auch wenn er das noch nicht bestätigt hat
  • er findet auch, dass Real sich im Negreira-Fall viel zu lange zu passiv verhalten habe, und dass sogar Pérez beziehungsweise sein Berater Anas Laghrari sogar finanziell geholfen haben soll, dass Joan Laporta bei Barça zurück kam, und der holte immerhin drei der letzten vier Meisterschaften
  • er verspricht wieder mehr Spanisches bei Real, sodass so etwas wie die WM 2026, die erste WM ohne einen spanischen Nationalspieler von Real, nie mehr vorkommen soll

Kontra Enrique Riquelme:

  • zu wenig bekannt? Sowohl unter Socios und generell Fans als auch in der Sportwelt oder sonstigen Branchen (Politik, Presse, Wirtschaft, Banken) scheint noch nicht jeder ihn zu kennen (zumindest scheint er nicht annähernd so bekannt zu sein wie Pérez selbst), da könnte es schwierig sein, sich etwas aufzubauen – seien es Transfers oder Kredite
  • ihm werden dubiose Verbindungen nachgesagt, unter anderem zu Liga-Chef Javier Tebas, Atlético-Chef Gil Marin, Pérez-Vorgänger Ramón Calderón und auch den von Pérez als Gruppe verbannten Ultras Sur
  • teilweise verhält und äußert er sich noch unkonkret, nicht nur zu sportlichen Zielen und Vorhaben (Klopp?), sondern auch, wie er beispielsweise steht zu Tebas oder den Ultras Sur, die für ihre teils rechtsradikalen Verbindungen berüchtigt sind, oder auch, wie er mit der Grada verfahren würde
  • dazu kommt generell der Eindruck, dass er an seiner überschaubaren Bekannt- und Beliebtheit teilweise auch selbst schuld, denn nachdem er 2021 eine Kandidatur noch zurückgezogen hatte, hätte er in den Jahren danach mehr tun können und müssen, sprich: er hat zu lange geschlafen und sich „nur“ auf die turnusmäßig nächsten Wahlen in 2028/29 vorbereitet, aber auch dazu war bisher noch nichts zu sehen

Verwandte Beiträge


OneFootball Videos


Pérez plant Rekord-Einkauf

Florentino Pérez nimmt die Verpflichtung eines Mega-Stars in Angriff, der mindestens 150... weiterlesen

Pro Florentino Pérez:

  • es ist Florentino Pérez, der titelreichste Präsident in Real Madrids Historie und einer der mächtigsten Männer im Weltfußball mit der größten Erfahrung, den meisten Kontakten (Presse, Politik, Wirtschaft, Banken)
  • er hat nach dem Super-League-Aus mittlerweile auch wieder deutlich bessere Verbindungen mit der UEFA, der ECA (also PSG-Boss Al-Khelaifi) und nach wie vor auch mit der FIFA, weswegen das Bernabéu wohl beste Karten hat für das WM-Finale 2030
  • er will José Mourinho zurückholen, was Benfica bestätigt hat
  • er will den ablösefreien Ibrahima Konaté holen, was Pérez selbst verraten hat
  • er will noch einen mindestens-150-Millionen-Transfer von einem CL-Klub tätigen (Vitinha? Neves?), aber ob dieser dann auch getätigt wird, hängt noch vom anderen Klub ab
  • Javier Tebas ist gegen Pérez (also höchstwahrscheinlich pro Riquelme), und vermutlich will kein Madridista, dass Tebas aufgrund eines Geschehnis bei Real froh ist…

Kontra Florentino Pérez:

  • die Öffnung des Vereins (Real ist noch einer von vier LaLiga-Klubs, die 100 Prozent ihren Mitgliedern gehören) für Investoren ist vielen Socios ein Dorn im Auge, auch wenn Pérez bei der Mitgliederversammlung 2025 einerseits verriet, dass es sich (anfangs?) nur um fünf bis zehn Prozent belaufen solle und zweitens, dass darüber ein Referendum abgehalten solle (unklar, ob unter allen wahlberechtigten circa 80.000 Socios oder den circa eintausend und Pérez eher freundlich gesinnten Socios Compromisarios); trotzdem befürchten einige Socios so oder so, dass die bald noch mehr Kontrolle verlieren und dass diese Wahlen (die ersten seit 2006) die letzten sein könnten
  • die sportliche Entwicklung der letzten Jahre: zwei titellose Jahre, zu viele verlorene Top-Spiele (sechs der letzten sieben Clásicos, darunter drei Final-Clásicos), vier Trainer innerhalb 13 Monaten, fast einhundert Verletzungen in zwei Jahren, dazu der Eindruck, dass Transfers eher aufgrund Namen und günstiger Gelegenheiten getätigt wurden, aufgrund einer 100-prozentigen sportlichen Passung
  • die generelle Entwicklung, auch moralisch und institutionell: steigende Ticket- und Trikotpreise (und ein teils nicht moderner Onlineshop) und das Gefühl, dass das Bernabéu primär für reiche Fans, Touristen, VIP und Influencer ist, während „normale Familien“ sich kaum noch Spiele leisten können, so ist das Bernabéu auch stimmungstechnisch keine Macht mehr, zumal es seit dem Umbau noch nie zu 100 Prozent voll ausgelastet war; dazu kommen unter anderem: Interview-Boykotts nach Spielen, das Streichen der alten Hymne nach Abpfiff, mehr und mehr die Entwicklung hin zum Bernabéu (ohne Estadio Santiago) aus Gründen der Internationalisierung und Vermarktung, die auf 1,3 Milliarden explodierten Umbaukosten (der noch immer nicht zu 100 Prozent abgeschlossen ist), desweiteren sind Castilla-Spiele nicht öffentlich, an ausländische Feiertage und Feste denkt der Klub aber nicht an Feiertage in Spanien oder Madrid, die Frauen-Abteilung wird in Augen mancher eher lieblos geführt als „Must Have“ und hat auch nach sechs Jahren noch immer keinen Titel (und nur einen einzigen Clásico) gewonnen, weder die Frauen noch die Basketballer oder Castilla durften bisher im umgebauten Stadion spielen, bei ausnahmsweise positiven LaLiga-Neuerungen wie dem 30-Euro-Gästeblock-Agreement oder dem Retro-Spieltag macht Real nicht mit, dazu generell wenig Mitsprache recht der Fans oder generell das Tolerieren oppositioneller Bewegungen
  • der generelle Eindruck, bei Real Madrid seien mittlerweile ökonomische Ziele wichtiger als sportliche, Umsatzrekorde vor Titelerfolgen, sodass von den 1,2 Milliarden Euro zu viele Personen im Klub (Spieler wie Verantwortliche) „erkauft und mundtot“ gemacht werden, sodass keine Kritik nach außen gerät und keine Entscheidung in Frage gestellt wird, weswegen es nicht nur hier und da zu dubiosen Transfers kommt mit im Hintergrund mitverdienenden Personen (angeblich bei Mastantuono), sondern angeblich auch generell zu korrumpierten Strukturen bis zu Vetternwirtschaft oder generell vielen Verantwortlichen, die sich gegenseitig schützen und nach dem Motto „So haben wir es schon immer gemacht“ arbeiten, wie beispielsweise der Fall mit der Ex-Ernährungsberaterin zeigte, auch wenn Pérez genau sie wollte, aber sie Strukturen, die er über Jahre aufgebaut hat, ließen das nicht zu
  • die Art und Weise, wie die Wahl jetzt zustande kam: kurzfristig und damit wenig Vorbereitungszeit für Riquelme (der eigentlich an 2028/29 dachte), keine direkte Konfrontation der beiden in einem Eins-gegen-eins-Duell (Pérez will nicht), auch die Briefwahl soll teilweise hürdenreich sein (mit Notar?), zumal aufgrund der kurzfristigen Wahlen viele Entscheidungen einerseits auf sich warten lassen und andererseits teilweise noch teurer werden (Mourinho kostet neun Millionen mehr) oder zumindest schwieriger (Nico Paz), dazu die generell hohen Hürden, weswegen sich seit 2006 kein Gegenkandidat mehr gefunden hat

Prognose und Meinung von Nils Kern

Nach sportlich teils maximal erfolgreichen Jahren, ist der Klub meiner Meinung nach schon länger in Schieflage geraden – sportlich wie moralisch und institutionell. Jeder macht Fehler, man kann nicht immer die CL gewinnen, und trotzdem denke ich, dass speziell der Vorstand (nicht Pérez direkt oder selbst) neuen, frischen, jüngeren Wind braucht. Daher würde ich mir große Veränderungen wünschen, die über sportliche Transfers hinaus gehen. Pérez ist und bleibt so oder so der zweitwichtigste Mann in Real Madrids 124-jähriger Historie, trotzdem stimme ich vielen Socios zu, dass es mit der Öffnung für Investoren eine rote Linie überschritten werden würde. Ich bin kein Socio (noch so ein Kritikpunkt, dass das auch nach vielen Jahren und hunderten live gesehener Spiele unmöglich ist…), würde aber für Riquelme stimmen, trotz des Wissens über die Realität: dass der Madridismo viele Strukturen hat, die mich an die CDU erinnern. Revolution? Nein danke, lieber weiter so, und nur ja nicht Selbstkritik eingehen. Daher ist meine Prognose trotzdem: Pérez wird gewinnen mit circa 80 Prozent. Eine Riquelme-Überraschung ist theoretisch möglich, würde mich aber schon sehr überraschen… Aber immerhin: Endlich gibt es mal wieder Wahlen, so muss es bei einem demokratischen Verein sein, und hoffentlich bleibt das auch genau so…

Impressum des Publishers ansehen