Vor WM-Start: Welche Taktiktrends den Maßstab im Weltfußball setzen | OneFootball

Vor WM-Start: Welche Taktiktrends den Maßstab im Weltfußball setzen | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: 90PLUS

90PLUS

·8. Juni 2026

Vor WM-Start: Welche Taktiktrends den Maßstab im Weltfußball setzen

Artikelbild:Vor WM-Start: Welche Taktiktrends den Maßstab im Weltfußball setzen

Taktische Elemente und Innovationen spielen im modernen Fußball eine große Rolle. Trainer entwickeln ihre Ideen immer weiter, setzen neue Trends, aus denen dann wieder Gegentrends hervorgehen. So befindet sich dieser Sport in einem permanenten Wandel. 

Nun, da mit der Weltmeisterschaft 2026 ein großes Turnier bevorsteht und die Saison 2025/26 vorüber ist, lohnt sich der Blick auf aktuelle Entwicklungen.


OneFootball Videos


Welche Trends gibt es? In welche Richtung entwickelt sich der Fußball? War das Hinspiel zwischen PSG und dem FC Bayern wirklich ein Fingerzeig für den Fußball der Zukunft? Und wird man bei dieser Weltmeisterschaft auch ähnlich spektakuläre Spiele sehen?

Diesen Fragen gingen wir vor dem Turnier mit Experte Alexander Belinger auf den Grund, der als U-15 Trainer bei Admira Wacker und als Spielanalyst für das U19-Nationalteam Österreichs arbeitet.

Was sich im Weltfußball auf taktischer Ebene gerade tut

Doch was ist gerade en vogue, nachdem in den letzten Jahren „inverted Fullbacks“ oder das Provozieren von Pressing häufiger eine Rolle spielten? „Eine Auffälligkeit ist, dass gegen den Ball das Mittelfeldpressing wegfällt. Das ist nicht überall so, aber auf dem Topniveau immer häufiger. Es wird entweder sehr hoch gepresst oder im Gegenteil ganz tief verteidigt, heißt mit fast allen Feldspielern am eigenen 16er. Man hat bei Arsenal im Endspiel der Champions League gesehen, wie gut sie das können“, erklärt Belinger.

Artikelbild:Vor WM-Start: Welche Taktiktrends den Maßstab im Weltfußball setzen

Foto: Getty Images

Doch warum genau ist das so? Einerseits „weil sich das Ballbesitzspiel weiterentwickelt hat“, so Belinger. Aber: „Auch durch die Analysemöglichkeiten sind die Mannschaften sehr gut darin geworden, das Mittelfeldpressing zu erkennen und zu umspielen. Teams haben gelernt, wie man Freiräume erkennen kann. Das kommt auch aus Italien, da wurde früh mit Mannorientierungen gearbeitet, speziell Gian Piero Gasperini mit Atalanta hat das umgesetzt und genau das ist auf dem absoluten Topniveau jetzt angekommen. Aber in unterschiedlichem Ausmaß. Bayern spielt es zum Beispiel extremer, PSG sichert mehr ab.“

Laut Belinger gehe es im Ballbesitz nun in die Richtung, genau das zu bespielen. Es geht darum, das Tempo zu variieren und jederzeit aufnehmen zum können. Und: „Rotation ist ein großer Punkt, Beispiel Kane: Der baut immer wieder defensiv auf.“ Zudem geht es darum, möglichst viel „individuelle Qualität zu haben, um Situationen zu lösen.“

Für die Trainer ist es mittlerweile nicht mehr von essenzieller Bedeutung, strukturelle Vorteile zu schaffen. Jeder hat eine gewisse Grundstruktur, aber diese ist nicht mehr ausschlaggebend dafür, den Gegner vor Probleme zu stellen. Und genau deswegen entwickeln sich Spiele so, wie sich das Neun-Tore-Spektakel zwischen PSG und Bayern im Hinspiel entwickelt hat. „Es geht dann eher darum, individuelle Qualität zu kontrollieren, was extrem schwer ist. Es sind eher einzelne Aktionen, die Spiele entscheiden, nicht die Tatsache, ob jemand jetzt den 6er abkippen lässt“, so Belinger.

Was sich im Vergleich zum letzten Turnier geändert hat

Interessant ist natürlich auch, was sich im Vergleich zum letzten Turnier, der EM in Deutschland, geändert hat. Und tatsächlich hat es in den letzten zwei Jahren nicht allzu viele Innovationen gegeben, die komplett neu sind.

„Es gibt nicht so viele Veränderungen, sondern es hat eher eine Weiterentwicklung stattgefunden. Die Teams sind heutzutage generell im Pressing besser geworden. Como zeigt zum Beispiel eine Anpassung, nämlich, dass man den Abstoß als Ballsicherung nutzt. Teams schieben dann sehr weit vor, was den Gegner dann im Anschluss dazu zwingt, viel Personal in der eigenen Hälfte zu haben und das sorgt dann für einen weiteren Weg zum Tor“, erklärt Belinger.

PSG gegen Bayern als Fußball der Zukunft?

Nicht wenige Experten waren derweil nach dem Spiel zwischen PSG und dem FC Bayern in der Champions League der Meinung, dass man hier den Fußball der Zukunft gesehen hat. Auch 90PLUS berichtete darüber. Kurz gesagt: Beide konzentrierten sich darauf, die Offensive so gut wie möglich zu gestalten, um es der gegnerischen Defensive so schwer wie möglich zu machen. Dass das Spiel ohne die ganz großen Schnitzer in der Defensive mit 5:4 endete, das spricht für sich.

Artikelbild:Vor WM-Start: Welche Taktiktrends den Maßstab im Weltfußball setzen

Foto: Getty Images

„Das Hinspiel war sicher ein Maßstab. Es war und ist ein Zeichen, wie der Fußball in Zukunft aussehen wird. Die individuelle Qualität im Fußball ist ungemein hoch und wird immer höher. Wenn man sieht, was da für Fußballer auf dem Platz standen, ist das verdammt gut. Und die Spieler sind verdammt gut.“

Man muss sich vor Augen führen: „Wenn Bayern gegen PSG im Mittelfeldpressing agiert, dann nimmt PSG das auseinander und im Endeffekt drücken sie Bayern hinten rein. Dementsprechend agiert man als Team in solchen Fällen oft im tiefen Block und wenn das der Fall ist, kannst du nicht dominant auftreten. PSG zwingt dir dann das eigene Spiel auf, sie schnüren dich ein und das kannst du 90 Minuten nicht verteidigen. Keine Chance.“

Genau deswegen sieht Belinger den Bayern-Ansatz gegen PSG auch als völlig nachvollziehbar an. Nicht der Ansatz war am Ende das Problem, sondern die Tatsache, dass PSG seinen Ansatz im Endeffekt besser und mit weniger Fehlern umgesetzt hat.

Was das im Hinblick auf die WM bedeuten kann? „Defensive Organisation herzustellen ist generell sicher einfacher. Aber gegen die allergrößte Qualität bringt dir das immer wenig. Bei der WM ist das vielleicht anders, weil es nur ein Spiel gibt. Man hat bei einem Rückstand einfach weniger Zeit. Deswegen denke ich nicht, dass es viele Teams geben wird, die solch ein Risiko gehen werden“, blickt Berliner voraus.

Welchen Einfluss haben die Standards?

In den letzten Wochen und Monaten sind Standardsituationen im Fußball immer wichtiger geworden. Klubs haben mittlerweile Standard- oder Einwurftrainer, sind in der Lage, diverse Variationen einzubauen, wenn die ruhenden Bälle im Mittelpunkt stehen. Eine entscheidende Frage dabei ist: Können auch die vermeintlich kleineren Nationen auf höchstem Level agieren, wenn es um den ruhenden Ball geht?

„Hier stellt sich die Frage, ob Teams Spieler haben, die dahingehend Qualität mitbringen. Da kommt wirklich viel auf die Größe und Kopfballstärke an. Eine Präzision bei den Hereingaben ist außerdem essenziell wichtig. Kleinere Teams können diese Qualität haben und haben dann keinen Nachteil.“

Und: „Skandinavische Teams bringen momentan zum Beispiel viel Größe mit. Das haben andere nicht. Dann sind die Voraussetzungen auch einfach andere. Natürlich kann jedes kleine Team auch einen guten Schützen haben. Generell und pauschal beantworten kann man das nicht. Man muss sich das von Team zu Team genau ansehen.“

Impressum des Publishers ansehen