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·29. Januar 2026
Wahnsinn von Lissabon: Wie sich Real den Play-off-Umweg selbst eingebrockt hat

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·29. Januar 2026

Es war einer dieser Champions-League-Abende, die sich nicht rational erklären lassen. Einer, an dessen Ende eine Wahrheit stand, die Real Madrid hart treffen dürfte: Die Königlichen müssen in die Play-offs.
Allerdings nicht wegen eines einzelnen Moments, sondern weil sich in Lissabon das bündelte, was diese Saison Real so unberechenbar macht. Dabei begann alles mit einem Warnsignal, denn Benfica trat von der ersten Minute mit einer Klarheit und Intensität auf, die Real vermissen ließ. Die Portugiesen drückten, gewannen zweite Bälle, kamen zu Chancen und hätten früh führen können. Dass Kylian Mbappe den Spielverlauf mit seinem Treffer nach einer halben Stunde auf den Kopf stellte, war typisch für diesen Abend.
Doch anstatt Kontrolle zu gewinnen, blieben die Madrlinen fahrig. Benfica reagierte sofort, glich aus, ging kurz vor der Pause per Elfmeter in Führung und legte nach dem Seitenwechsel sogar das 3:1 nach. Erst hier zeigte Real die Reaktion, die man von einem Titelanwärter erwarten würde. Mbappe verkürzte, das Spiel kippte wieder und Chancen auf beiden Seiten folgten, sodass alles offem war. Und genau hier begann das eigentliche Drama.
Als sich der Blick zunehmend auf die Parallelspiele richtete, wurde klar: Ein Tor würde über alles entscheiden. Für Benfica über Weiterkommen oder Aus. Für Real über direkte Achtelfinal-Qualifikation über die Top 8 oder doch der bittere Gang in die Play-offs. Diese Gemengelage führte zu einer Schlussphase, die selbst für Champions-League-Verhältnisse absurd war.
Real verlor die Kontrolle, auch emotional. Erst sah Raul Asencio Gelb-Rot in der Nachspielzeit, dann folgte auch noch Rodrygo. Mit neun Mann versuchten die Königlichen, das Ergebnis irgendwie zu verwalten. Umso kurriorser war an dieser Stelle, dass der Sieg der Portugiesen zunächst „nur“ wie ein Sieg schien, bis klar wurde, dass ein weiteres Tor zu den Play-offs reichen sollte.
Was dann folgte, wird wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Torhüter Anatoliy Trubin spielte zuvor noch bewusst auf Zeit, offenbar im Glauben, das Ergebnis reiche aus. Erst die hektischen Gesten von der Bank um Jose Mourinho machten deutlich, dass Benfica noch ein Tor brauchte. Beim letzten Standard rückte Trubin dann mit nach vorne und köpfte den Freistoß tatsächlich zum 4:2 ein. Ein Torwarttreffer in der achten Minute der Nachspielzeit, während alle anderen Spiele bereits abgepfiffen waren. Das Estadio da Luz explodierte, Benfica rettete sich als 24. gerade noch in die Play-offs und Real Madrid stürzte von Platz drei auf neun ab.

Foto: Getty Images
So spektakulär der Schlusspunkt war, so deutlich fiel die Analyse danach aus. Der Real-Coach verzichtete auf Ausreden und nahm die Niederlage auf seine Kappe. „Wir waren heute sehr weit von dem entfernt, was wir zeigen wollten. Wir waren nicht auf der Höhe des Gegners und seiner Spielweise“, erklärte der Spanier. Besonders deutlich wurde Arbeloa bei der Ursachenanalyse: „Um Spiele wie diese zu gewinnen, musst du extrem viele Dinge gut machen, nicht nur Verzeinzeltes. Und das vor allem konstant.“ Am Ende blieb für ihn nur ein Fazit: „Wenn wir nicht die Leistung bringen, die wir brauchen, dann liegt die Verantwortung zu hundert Prozent bei mir.“ Mbappe fand noch klarere Worte: „Wir haben furchtbar gespielt.“ Es fehle „ein bisschen von allem“.
Doch Real scheiterte nicht an einem Gegentor, nicht am Schiedsrichter und auch nicht an Trubins Kopfball. Real scheiterte an der eigenen Instabilität. Die Konsequenz daraus ist gravierend, denn jetzt stehen zwei zusätzliche Spiele im ohnehin übervollen Kalender an und damit ein unnötiger Umweg und das Risiko, früh auf einen weiteren Hochkaräter zu treffen. Kurioserweise sogar in den Play-offs wieder auf Benfica oder FK Bodö/Glimt.
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