Warum Daniel Farke mit Leeds United im Abstiegskampf auf den FA Cup setzt | OneFootball

Warum Daniel Farke mit Leeds United im Abstiegskampf auf den FA Cup setzt | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: feverpitch.de

feverpitch.de

·6. April 2026

Warum Daniel Farke mit Leeds United im Abstiegskampf auf den FA Cup setzt

Artikelbild:Warum Daniel Farke mit Leeds United im Abstiegskampf auf den FA Cup setzt

Leeds steht drei Punkte über dem Abstieg, doch Trainer Farke jagt mit seinem Team das FA-Cup-Halbfinale in Wembley – als psychologisches Kalkül für den Klassenerhalt.

Vier Spiele ohne Tor in der Liga. Sechs Spiele ohne Sieg. Drei Punkte über dem Abgrund. Das ist die Realität von Leeds United in der Premier League – und normalerweise der Moment, in dem ein Trainer alles auf den Klassenerhalt setzt, den Pokal als Ablenkung abtut und das Wort "Belastungssteuerung" zum Mantra erhebt. Daniel Farke macht das Gegenteil. Er jagt mit einer Mannschaft, die in der Liga kaum noch trifft, ein FA-Cup-Halbfinale in Wembley. Und genau das könnte der klügere Weg sein. Was am Sonntagabend bei West Ham passierte, war mehr als ein Pokal-Weiterkommen. Leeds führte 2:0, verspielte den Vorsprung in der Nachspielzeit, sah Joel Piroe im Elfmeterschießen scheitern – und gewann trotzdem 4:2. Eine Mannschaft, die seit Wochen in der Liga erstarrt wirkt, zeigte in der brutalsten aller Situationen eine mentale Widerstandskraft, die kein Trainingsplan der Welt simulieren kann. Diese Erfahrung lässt sich nicht priorisieren. Sie passiert – oder sie passiert nicht. Der übliche Einwand liegt auf der Hand: Die Doppelbelastung kostet Kraft, die Leeds im Abstiegskampf fehlt. Chelsea mit seinen acht FA-Cup-Titeln, seinen 7:0-Demonstrationen im Viertelfinale gegen Port Vale, seiner Mannschaft voller – wie Farke selbst sagt – "Top-Spieler", wird im Halbfinale der härtestmögliche Gegner. Und die Liga wartet nicht. Platz 15, 33 Punkte nach 31 Spielen: Das ist kein Polster, das ist eine Schneide. Nur greift dieses Argument zu kurz. Eine Mannschaft, die nicht mehr weiß, wie Gewinnen sich anfühlt, braucht kein Schonprogramm. Sie braucht einen Grund, an sich zu glauben. Farke hat das präzise formuliert: "Ich hatte vorher gesagt, dass es nicht realistisch ist, den FA Cup zu gewinnen, aber wir wollen auch unrealistische Ziele erreichen – und wir sind auf dem besten Weg, das zu tun." Das ist kein blinder Optimismus. Das ist ein psychologisches Kalkül. Ein Trainer, der Anton Stach und Lukas Nmecha durch ein Elfmeter-Drama führt und danach sagt, sein Team sei "gierig" auf den nächsten Schritt, programmiert eine Mentalität, die sich nicht auf den Pokal beschränken lässt. In der deutschen Trainerkultur gilt Wettbewerbsverzicht als Vernunft. Man rotiert, man streicht, man managt – und nennt es Professionalität. Farke, ein Trainer mit Stationen von Lippstadt bis Norwich, mit einem Championship-Titel mit 100 Punkten im Gepäck, wählt den anderen Weg. Er weiß: Wer einer Mannschaft im März den Glauben an etwas Großes nimmt, bekommt ihn im April nicht zurück. Leeds stand zuletzt 1987 in einem FA-Cup-Halbfinale. Das letzte Finale datiert von 1973. "Das ist ein großer Schritt für den Klub und eine großartige Belohnung für jeden, der zu ihm hält", sagt Farke. Geschichte schreiben und Klasse halten – das eine nährt das andere. Der 25. oder 26. April in Wembley wird zeigen, ob Leeds reicht gegen Chelsea. Farke selbst nennt sein Team den Außenseiter, und die Zahlen geben ihm recht. Aber das Entscheidende ist längst passiert: Ein Kader, der in der Liga verstummt war, hat seine Stimme wiedergefunden – ausgerechnet im Moment der größten Dramatik. Das ist kein Zufall, das ist Trainerwirkung. Wer Prioritäten setzen muss, hat schon verloren. Farke setzt auf Hunger.

Impressum des Publishers ansehen