LIGABlatt
·2. Februar 2026
Warum das EuGH-Urteil 2026 die Spielregeln für Online-Casinos in Deutschland neu sortieren könnte

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·2. Februar 2026

Der Europäische Gerichtshof wird 2026 über Fragen entscheiden, die tief in die Entstehungsgeschichte des deutschen Online-Casino-Markts reichen. Nicht um ein juristisches Detail, sondern um die Frage, ob ein erst seit wenigen Jahren im Alltag angekommenes System langfristig trägt.
Den deutschen Online-Casino-Markt konnte man vor zehn Jahren nur als Provisorium bezeichnen. Es gab ein paar Angebote, die Nachfrage war da, doch bis auf ein paar Zusätze im Steuerrecht blieb der rechtliche Rahmen in der Grauzone. Mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 und seinen Folgen änderte sich alles. Online Spielautomaten und Poker wurden erlaubt, es fanden die ersten Lizenzen und eine zentrale Aufsicht ihren Platz. Doch die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam und das gesamte Konstrukt entpuppte sich als kaum mehr als ein Übergang. Der Europäische Gerichtshof stellt diese Realität nun in Frage und will aufräumen.
Die Verfahren, bei denen das EuGH 2026 eine Entscheidung bringen dürfte, blicken zurück auf ein Szenario, in dem deutsche Vorgaben und europäische Freiheiten sich noch nicht sauber aneinandergerieten. Betreiber hatten EU-Lizenzen, deutsche Genehmigungen ließen auf sich warten oder galten als faktisch nicht zu bekommen.
Deutsche Gerichte waren daher gehalten, Rückforderungen zu entscheiden, ohne die in Europa klare Leitlinie zu konsultieren. Dieses Zusammenspiel von Umständen macht deutlich, warum der Blick auf Luxemburg für den Markt wichtiger ist als jede nationale Reform-Debatte. Hinzu kommt, dass sich vieles, worüber gestritten wird, zeitlich genau auf jene Übergangsjahre legt, in denen Regulierung bereits angekündigt, aber noch nicht vollzogen war. Daraus entsteht ein Graubereich, der weder klar vergangen noch erfasst ist, dessen Bewertung aber weit über die Folgen für einzelne Anbieter hinausgeht.
Mit Regulierung wächst auch der Bedarf sie zu verstehen. Listen der Lizenzinhaber, Einsatzbegrenzungen und technische Vorgaben werden zwar festgelegt, aber sie zu erklären ist nach wie vor eine Aufgabe. In dem Regelwerk haben sich transparente Online-Casino-Vergleichsportale wie Betterbonus.com als eine Art Übersetzer des Regelwerks für Spieler einen Namen gemacht – sofern sie ein Kriterium wie ein regulatorischer Maßstab nachvollziehbar abbilden und nicht nur nach Marketingkriterien gesetzt sind. Ihre Bedeutung liegt weniger in dem, was sie im Einzelnen zeigen, sondern mehr, in welcher Phase des Spiels von Recht und Unrecht sie den Marktteilnehmern eine Hilfe bieten können.
Ein Blick auf die letzten Jahre zeigt eine feine, aber spürbare Verschiebung. Der Gerichtshof akzeptiert nationale Glücksspielregulierung weiterhin, prüft sie jedoch genauer. Kohärenz ist zum Schlüsselwort geworden. Wenn ein Staat Online-Angebote streng begrenzt, gleichzeitig aber landbasierte Alternativen duldet oder bewirbt, entstehen Fragen. Diese Linie prägt auch die laufenden Verfahren. Sie richten sich weniger gegen Regulierung an sich als gegen ihre innere Logik. Entscheidend ist dabei nicht die formale Zielsetzung, sondern die tatsächliche Wirkung der Regeln im Marktalltag. Wo Schutzargumente inkonsequent umgesetzt werden oder wirtschaftliche Interessen sichtbar durchscheinen, wächst die europarechtliche Skepsis.
Im Kern stehen drei Themen. Erstens die Dienstleistungsfreiheit im digitalen Raum. Zweitens die Ausgestaltung nationaler Lizenzverfahren. Drittens die zivilrechtlichen Folgen vergangener Jahre. Besonders der dritte Punkt wirkt nach. Sind Spielverträge automatisch unwirksam, wenn eine nationale Lizenz fehlte, obwohl europäische Erlaubnisse bestanden. Oder zählt die faktische Duldung eines Marktes. Die Antworten betreffen nicht nur alte Fälle, sondern definieren Maßstäbe für künftige Regulierung.
Tatsächlich nicht sehr viel. Denn für Anbieter mit deutscher Lizenz steht wenig auf dem Spiel, zumindest kurzfristig. Das Geschäftsmodell ist etabliert, die regulatorischen Kosten einkalkuliert. Eine Entscheidung aus Luxemburg dürfte keine Rolle rückwärts erzwingen. Wahrscheinlicher ist eine Präzisierung, die bestätigt, was sich im Markt ohnehin durchgesetzt hat. Rechtssicherheit entsteht nicht durch ein Urteil allein, sondern durch die Erwartung, dass Regeln Bestand haben. Genau diese Erwartung wird 2026 überprüft.
Spielerklagen prägen die öffentliche Debatte, weniger den Alltag der Gerichte. Die Zahl der Verfahren ist überschaubar, ihre Ergebnisse uneinheitlich. Deutsche Richter differenzieren zunehmend nach Zeitraum, Anbieter und Rechtslage. Der Gedanke einer pauschalen Rückabwicklung verliert an Boden. Das spricht für eine Entwicklung, die auch der Markt spürt. Recht wird granularer, weniger schematisch. Für Anbieter wie Spieler bedeutet das mehr Komplexität, aber auch mehr Vorhersehbarkeit.
Die wirtschaftliche Bedeutung erklärt, warum diese Fragen nicht abstrakt bleiben. Der deutsche Glücksspielmarkt erzielte 2024 einen Bruttospielertrag von rund 14,4 Milliarden Euro. Der regulierte Online-Sektor steuerte etwa vier Milliarden Euro bei. Steuern und Abgaben lagen bei rund sieben Milliarden Euro. Gleichzeitig schätzt die Aufsicht den Anteil illegaler Angebote im Online-Bereich weiterhin auf etwa 25 Prozent. Diese Zahlen zeigen, wie eng Regulierung, Marktakzeptanz und Rechtsklarheit miteinander verknüpft sind.
Die Erwartung eines großen Einschnitts verkennt die Dynamik der letzten Jahre. Der Markt hat sich angepasst, professionalisiert, reguliert. Zahlungsdienstleister prüfen genauer, Werbung ist messbar zurückgegangen, Spielerschutz greift technisch. Eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs wird diesen Prozess nicht aufheben. Sie wird ihn einordnen. Für den deutschen Online-Casino-Markt bedeutet das weniger Drama als Verdichtung. Das System wird nicht neu erfunden, sondern rechtlich abgerundet.
Am Ende bleibt ein nüchterner Befund. 2026 entscheidet nicht über die Existenz des Marktes, sondern über seine Erzählung. Ob Regulierung als stabiler Rahmen gilt oder als Dauerbaustelle. Diese Einordnung wird länger wirken als jedes einzelne Urteil.
Foto: pexels.com








































