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·11. Februar 2026

Warum die finanzielle Lücke der Bundesliga zur Premier League wächst

Artikelbild:Warum die finanzielle Lücke der Bundesliga zur Premier League wächst

Der deutsche Profifußball präsentiert sich in diesen Tagen so wirtschaftlich gesund wie selten zuvor. Die Stadien sind voll, die Bilanzen vieler Vereine schwarz, und die organisatorische Struktur der DFL gilt weltweit als Vorbild für Nachhaltigkeit. Dennoch herrscht bei vielen Verantwortlichen der Bundesliga-Klubs eine spürbare Unruhe, wenn der Blick über den Ärmelkanal schweift. Die englische Premier League ist der Bundesliga finanziell in einer Weise enteilt, die den europäischen Wettbewerb zunehmend einseitig gestaltet. Während deutsche Top-Klubs jeden Euro zweimal umdrehen müssen, bevor sie auf dem Transfermarkt aktiv werden, scheinen die Ausgabenlimits in England kaum zu existieren.

Analyse der aktuellen TV-Gelder-Verteilung in Europa

Der offensichtlichste Treiber für den finanziellen Graben zwischen Deutschland und England liegt in der Vermarktung der Medienrechte. Die Premier League hat es geschafft, ihre Marke global so stark zu positionieren, dass ihre internationalen TV-Einnahmen mittlerweile die der heimischen Vermarktung übertreffen. Für die Bundesliga hingegen bleibt der heimische Markt die Haupteinnahmequelle, während das internationale Wachstum nur mühsam voranschreitet. Zwar sind die Erlöse der DFL stabil, doch im direkten Vergleich wirken sie fast bescheiden. Die englische Liga generiert jährlich über drei Milliarden Euro allein durch Auslandsvermarktung, was jedem einzelnen Klub – unabhängig vom Tabellenplatz – eine garantierte Einnahmebasis verschafft, die oft das Gesamtbudget eines deutschen Europa-League-Teilnehmers übersteigt.


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Unterschiedliche Investorenmodelle und die 50+1-Regel

Neben den TV-Geldern ist die Eigentümerstruktur der wohl markanteste Unterschied zwischen den beiden Ligen. In Deutschland gilt die 50+1-Regel als heiliger Gral der Fankultur. Sie verhindert, dass externe Investoren die Stimmenmehrheit an den Kapitalgesellschaften der Vereine übernehmen können. Dies schützt die Klubs vor der Willkür einzelner Mäzene und bewahrt die demokratische Teilhabe der Mitglieder. Die Kehrseite dieser Medaille ist jedoch ein massiver Wettbewerbsnachteil bei der Kapitalbeschaffung. Deutsche Klubs müssen erwirtschaften, was sie ausgeben. Externe Finanzspritzen sind streng reglementiert und oft nur als Sponsoring oder Minderheitsbeteiligung möglich.

In der Premier League hingegen sind die Tore für Investoren weit geöffnet. Ganze Staaten, Oligarchen und US-amerikanische Hedgefonds haben englische Traditionsvereine übernommen und nutzen diese teilweise als geopolitische Soft-Power-Instrumente oder reine Renditeobjekte. Vereine wie Manchester City oder Newcastle United operieren mit finanziellen Mitteln, die nicht primär aus dem operativen Fußballgeschäft stammen müssen. Wenn ein Eigentümer beschließt, hunderte Millionen Euro in den Kader oder die Infrastruktur zu investieren, ist dies in England unter Einhaltung gewisser – oft dehnbarer – Fair-Play-Regeln möglich.

Einfluss strenger Werbe- und Marktregulierungen in Deutschland

Ein oft übersehener Aspekt im europäischen Vergleich sind die unterschiedlichen regulatorischen Rahmenbedingungen für Sponsoring und Werbung. Während die Premier League und andere Ligen sehr liberale Märkte für Werbepartner bieten, sieht sich der deutsche Profifußball mit strengeren gesetzlichen Vorgaben konfrontiert. Dies betrifft verschiedene Branchen, die im Ausland als zahlungskräftige Sponsoren auftreten, in Deutschland aber durch Verbraucherschutzgesetze oder spezifische Staatsverträge reglementiert sind. Diese Einschränkungen schützen zwar die Gesellschaft, limitieren aber gleichzeitig das Einnahmepotenzial der Vereine im Vergleich zur internationalen Konkurrenz.

Besonders deutlich wird dies im Bereich der Glücksspiel- und Sportwettenwerbung. In England ist es gang und gäbe, dass Wettanbieter prominent auf Trikots werben und tief in die Vermarktung der Liga integriert sind. In Deutschland hingegen setzt der Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) enge Grenzen (Quelle: https://esportsinsider.com/de/gluecksspiel/wetten-ohne-lugas). Solche regulatorischen Unterschiede führen dazu, dass deutschen Klubs Millionenbeträge entgehen, die ihre englischen Konkurrenten fast beiläufig als „Low Hanging Fruit“ einsammeln.

Auch in anderen Sektoren, wie etwa bei der Werbung für Krypto-Dienstleister oder Alkohol, sind die Hürden in Deutschland oft höher oder gesellschaftlich stärker umstritten. Die Vereine müssen bei der Wahl ihrer Partner deutlich sensibler vorgehen, um keinen öffentlichen Aufschrei zu riskieren. Diese moralische und rechtliche Integrität ist zwar ein hohes Gut und stärkt die Marke Bundesliga als „sauberes“ Produkt, sie hat jedoch ihren Preis. In einer globalisierten Unterhaltungsindustrie, in der jeder Quadratzentimeter Werbefläche monetarisiert wird, agiert die Bundesliga quasi mit angezogener Handbremse, während die Konkurrenz Vollgas gibt.

Strategische Ansätze für mehr Wettbewerbsfähigkeit der Klubs

Trotz dieser strukturellen Nachteile ist die wirtschaftliche Bilanz der Bundesliga beeindruckend und zeigt, dass Wettbewerbsfähigkeit nicht allein durch Deregulierung erreicht werden muss. Die Liga setzt auf organisches Wachstum und eine Maximierung der klassischen Einnahmequellen. Aktuelle Daten belegen den Erfolg dieser Strategie: Die Bundesliga-Klubs erzielten im Geschäftsjahr 2024/25 erstmals über 5 Milliarden Euro Umsatz. Dieser Rekordwert von 5,12 Milliarden Euro zeigt, dass die Attraktivität der Liga ungebrochen ist, insbesondere was die Einnahmen an Spieltagen und durch klassisches Sponsoring betrifft.

Die Strategie der deutschen Vereine konzentriert sich zunehmend darauf, das Stadionerlebnis zu optimieren und die Bindung zu den Fans zu monetarisieren, ohne die Ticketpreise auf englisches Niveau zu heben. Dies gelingt durch eine hohe Auslastung und innovative Marketingkonzepte. Ein Blick auf die Gesamtzahlen verdeutlicht die Dimension: Der Gesamtumsatz aller 36 Profivereine auf 6,33 Milliarden Euro gestiegen ist, was einem signifikanten Wachstum gegenüber dem Vorjahr entspricht. Wichtig ist hierbei nicht nur der Umsatz, sondern auch die Profitabilität. Im Gegensatz zu vielen englischen Klubs, die trotz Milliardenumsätzen Verluste schreiben, wirtschaftet die Bundesliga profitabel.

Der Weg in die Zukunft kann für die Bundesliga daher nicht die bloße Kopie des englischen Modells sein. Stattdessen muss die Liga ihre Alleinstellungsmerkmale – volle Stadien, finanzielle Stabilität und Fankultur – noch stärker als globalen Markenkern etablieren. Die Lücke bei den TV-Geldern wird sich kurzfristig nicht schließen lassen, doch durch kluges Management und eine exzellente Nachwuchsarbeit können deutsche Klubs sportlich konkurrenzfähig bleiben. Die schwarze Null in der Bilanz mag weniger glamourös sein als ein Scheich-Investor, sie garantiert aber das Überleben des Vereins über die nächste Saison hinaus. Langfristig könnte sich genau diese wirtschaftliche Vernunft als der entscheidende Wettbewerbsvorteil erweisen, wenn die Blase der unbegrenzten Ausgaben in anderen Ligen eines Tages platzen sollte.

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