feverpitch.de
·20. Juni 2026
Warum Uli Hoeneß auf WM-Reise und den Infantino-Kommerz wirklich verzichtet

In partnership with
Yahoo sportsfeverpitch.de
·20. Juni 2026

Bayern-Patron Uli Hoeneß verzichtet auf die WM in den USA. Er nennt 2000 Dollar fürs Finalticket ein Fiasko und meidet die Nähe zu Mar-a-Lago.
Manchmal sagt eine abgelehnte Einladung mehr als eine Pressekonferenz. Uli Hoeneß, inzwischen 74, Klub-Patron des FC Bayern München, hat der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erzählt, dass ihm ein Bekannter angeboten habe, während der Weltmeisterschaft kostenlos in dessen Haus in Florida zu wohnen. Ein Angebot, das man im normalen Leben kaum ausschlägt, schon gar nicht, wenn man als Funktionär ein berufliches Interesse an einem Großturnier haben könnte. Hoeneß hat trotzdem die Reise abgesagt. Und er hat erklärt, warum.
Die Lage des Hauses, sagt er, habe ihm den Rest gegeben. „Fünf Minuten entfernt von Mar-a-Lago, dem Anwesen von Donald Trump." Damit ist die politische Distanzierung in einem einzigen Satz erledigt, ohne Manifest, ohne Aufruf, ohne erhobenen Zeigefinger. Hoeneß muss Trump nicht erwähnen, um Trump zu erwähnen. Er nennt nur die Entfernung, und die Entfernung ist das Argument. Wer in Florida fünf Minuten von Mar-a-Lago entfernt wohnt, wohnt für Hoeneß zu nah.
Dahinter steckt aber mehr als eine private Aversion. Hoeneß formuliert eine grundsätzliche Abrechnung mit dem XXL-Turnier in den USA, Mexiko und Kanada, und seine Begründung ist nicht moralisch, sondern ökonomisch: „Ich glaube, dass diese Weltmeisterschaft ein Fiasko für den Fußball wird." Beleg ist eine Zahl. Zweitausend Dollar für ein Finalticket mittlerer Güte. Nicht für die Premiumloge, nicht für den VIP-Bereich, sondern für den mittleren Rang. „Wo soll das enden?", fragt Hoeneß. Es ist eine rhetorische Frage, aber eine berechtigte.
Bemerkenswert ist, wer sie stellt. Hoeneß ist nicht der Mann, der Kommerz im Fußball reflexhaft beklagt. Er hat den FC Bayern zu dem gemacht, was er heute ist, mit Sponsoren, mit internationaler Vermarktung, mit allem, was dazugehört. Genau deshalb wiegt sein Satz schwerer als andere: „Ich bin immer für Kommerz im Fußball gewesen, aber nicht in dieser extremen Form." Wer Hoeneß kennt, weiß, dass er sich nicht plötzlich zum Romantiker umstilisiert. Er zieht eine Linie, von der er sagt, dass sie überschritten ist.
Die Konsequenz ist konkret. Hoeneß will den Ticketkauf nicht unterstützen, also fährt er nicht hin. Auch das ist bemerkenswert, weil ein Funktionär seines Formats bei einer Weltmeisterschaft normalerweise zu den Selbstverständlichkeiten gehört. Hoeneß macht aus dem Fernbleiben eine Aussage. Kein Boykottaufruf, keine Kampagne, einfach nur: Ich gehe nicht. Wer das ernst nimmt, versteht es als Signal an die FIFA, an die Vermarkter, an die Kollegen in den Verbänden.
Ob das Signal ankommt, ist eine andere Frage. Die Ticketpreise werden nicht sinken, weil ein bayerischer Klub-Patron in Florida nicht übernachten will. Das Turnier wird stattfinden, mit allen Begleiterscheinungen, die Hoeneß befürchtet. Aber er hat etwas getan, was im Fußballgeschäft selten geworden ist: Er hat gesagt, was ihn stört, mit Namen, mit Zahlen, mit Adresse. Zweitausend Dollar, mittlere Güte, fünf Minuten zu Mar-a-Lago. Drei Angaben, drei Argumente. Mehr braucht eine Absage nicht.







































