Nur die Raute
·22. Mai 2026
Was für ein Jahr! Die drei spektakulärsten Momente der HSV-Saison

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·22. Mai 2026

Der HSV kehrte nach siebenjähriger Abstinenz in die Bundesliga zurück und schaffte souverän den Klassenerhalt. So mancher Moment wird noch weit über das Saisonende hinaus in Erinnerung bleiben.
Denn die am Ende mit neun Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz abschließenden Hanseaten waren an einigen sehr unterhaltsamen Begegnungen beteiligt. Insbesondere im in sämtlichen Pflichtspielen ausverkauften Volksparkstadion bekamen die leidenschaftlichen Fans viel geboten. Der HSV sammelte dort einen Großteil seiner Punkte ein und brachte sogar Branchengrößen in Bedrängnis.
Doch auch auf fremden Platz gelang ihm der ein oder andere Coup, sodass letztlich ein wohl für alle Beteiligten zufriedenstellender 13. Platz heraussprang. Auf die drei aus Sicht der Redaktion spektakulärsten Momente der Saison 2025/26 werfen wir nochmals einen Blick.
Wie schon in der Einleitung beschrieben, gelang es dem HSV im Volksparkstadion auch die Bundesliga-Spitzenteams vor Herausforderungen zu stellen. Ende November lieferte er dem VfB Stuttgart einen aufopferungsvollen Kampf. Das frühe 1:0 des kurz darauf verletzungsbedingt ausscheidenden Robert Glatzel konterte Deniz Undav nach dem Seitenwechsel. Der vor dem Anpfiff liebend gerne unterschriebene Punktgewinn geriet nach einem strittigen Platzverweis gegen Alexander Røssing-Lelesiit nochmals in Gefahr.
Die Rothosen beschränkten sich in der Endphase fast ausschließlich aufs Verteidigen. Tief in der Nachspielzeit bekamen die Gäste nochmals einen Freistoß aus halbrechter Position zugesprochen. Die Hamburger Unterstützer bangten um das Remis, waren sich selbstverständlich noch nicht bewusst, was wenige Sekunden später geschehen würde. Die Freistoßvariante misslang nämlich komplett: Angelo Stiller spielte Nicolás Capaldo in die Füße, dieser leitete umgehend auf Fábio Baldé weiter, der aus der eigenen Hälfte bis in den gegnerischen Sechszehner stürmte und irgendwie den Ball durch die Beine von Chema Andrés auf den mitgelaufenen Fábio Vieira stocherte. Der Portugiese vollendete überlegt zum 2:1.

Foto: Getty Images
Bei den inmitten in dieser Szene schon längst aufgesprungenen Fans brachen daraufhin alle Dämme. Die Jubelarie erinnerte auf den Rängen aber auch auf dem Spielfeld von Lautstärke und Intensität an das Aufstiegsspiel gegen Ulm. Die Hamburger Bank setzte von Ersatzspielern über das Trainerteam bis hin zu den Betreuern zum kollektiven Jubelsprint in Richtung Eckfahne an. Wenig später ertönte der Schlusspfiff. Der HSV feierte aus dem Nichts einen Last-Minute-Sieg, der nicht nur eine fünf Spiele andauernde Negativserie beendete, sondern auch enormen Auftrieb für die kommenden Wochen gab.
Schon sieben Tage später stieg das nächste denkwürdige Spiel im Volksparkstadion. Der HSV empfing den SV Werder Bremen zum ersten Bundesliga-Nordderby seit dem 24.02.2018. Dementsprechend war das Duell mit dem Erzrivalen mit einer Menge Brisanz versehen. Auf dem Rasen brauchte die Begegnung eine Weile, um an Fahrt aufzunehmen. Jens Stage brachte die Gäste kurz vor der Pause in Führung. Albert Sambi Lokonga egalisierte in der 63. Minute für die über weite Strecken tonangebenden Hausherren.
Zwölf Zeigerumdrehungen später stand der Volkspark kopf. Der HSV drehte die Begegnung durch Luka Vuskovic. Es war jedoch nicht nur das 2:1 an sich, sondern auch die Entstehung des Treffers, die für Begeisterung sorgte. Der Innenverteidiger hatte einen Vieira-Freistoß aus halbrechter Position nämlich mit dem Rücken zum Tor stehend mit der Hacke (!) an Torhüter Mio Backhaus vorbei ins Netz weitergeleitet.
Während der für sein junges Alter ohnehin sehr reif auftretende Vuskovic recht abgebrüht vor der Nordtribüne feierte, schlug Nicolai Remberg etwa vor Staunen die Hände über den Kopf zusammen. Es war im Übrigen nicht der Schlussakkord auf ein in der zweiten Hälfte rasantes Nordderby. Justin Njinmah glich fast postwendend zum 2:2 aus, ehe in der 84. Minute der eingewechselte Yussuf Poulsen mit seinem letztlich einzigen Saisontor den umjubelten Hamburger Triumph sicherte.
Dieser war aus vielerlei Gründen besonders, wird aber vor allem mit dem Traumtor von Vuskovic in Verbindung gebracht. Deutschlandweit hinterließ der Geniestreich ebenfalls Eindruck. Bei der Sportschau-Wahl zum „Tor des Jahres“ 2025 landete Vuskovic auf Rang zwei hinter Luis Díaz vom FC Bayern München.
Eine zentrale Rolle nahmen in der abgelaufenen Spielzeit abermals die Fans ein, auch bei einem der Schlüsselspiele auf dem Weg zum Klassenerhalt. Am 07. März reiste der HSV mit sechs Punkten Vorsprung zum damaligen Vorletzten aus Wolfsburg und besaß die Gelegenheit, sich frühzeitig deutlich von den direkten Abstiegsplätzen zu distanzieren. Das Gastspiel in der Autostadt fühlte sich allerdings keineswegs wie ein solches an. Denn die Hamburger Anhänger hatten den freien Kartenverkauf genutzt und sich mit Karten in sämtlichen Blöcken eingedeckt, sodass die Sympathien unter den 28.917 Zuschauenden ungefähr gleich verteilt waren.
Stimmungstechnisch gaben sie von Beginn an den Ton an. Der HSV konnte auf dem Spielfeld jedoch nicht mitziehen und geriet durch einen Foulelfmeter frühzeitig in Rückstand. Doch obwohl er sich mannschaftlich weit von Bestform entfernt befand, gelang ihm die Wende. Luka Vuskovic erwischte wieder einmal außergewöhnlichen Tag und holte gleich zwei Strafstöße heraus. Den ersten zitterte er selbst zum Ausgleich über die Linie, den zweiten überließ er dem souverän vollendenden Jean-Luc Dompé.

Foto: Getty Images
Anschließend stellten die Hanseaten nahezu sämtliche Offensivbemühungen ein und verteidigen das 2:1 mit Leidenschaft, Glück, Geschick sowie der unglaublichen Unterstützung von den Rängen, die immer weiter zunahm. Nach dem erlösenden Abpfiff bat Merlin Polzin seine Auswahl erst gar nicht zum obligatorischen Mannschaftskreis, sondern ließ sie direkt zum Feiern in Richtung Gästeblock durchlaufen. Anschließend hieß es immer wieder in Interviews von Spielern, die durch weite Teile des Stadions noch eine Ehrenrunde drehten: „Es hat sich angefühlt wie ein Heimspiel.“
Zuhause fühlte sich der als Aufsteiger auch auf den Support von den Rängen angewiesene HSV bekanntermaßen sehr wohl, holte dort offiziell 24 seiner 38 Zähler – schließt man den „Heimsieg“ in Wolfsburg mit ein, sind es sogar 27 von 38 und damit mehr als die beiden direkten Absteiger Heidenheim und St. Pauli im gesamten Saisonverlauf holten. Maßgeblich trug dazu die enge Bindung zwischen Mannschaft und Fans bei, die an diesem Tag, wo die VfL-Anhänger parallel frustriert Feuerwerkskörper aus dem Block schossen, besonders offenkundig zur Schau gestellt wurde.







































