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·20. Januar 2026

Was macht eigentlich Marco Thiede?

Artikelbild:Was macht eigentlich Marco Thiede?

Marco Thiede ist ein waschechter Augsburger. Mit zwölf Jahren kam er zum FCA und durchlief alle Jugendteams bis zur U23. Anschließend wechselte er in die 2. Bundesliga zum SV Sandhausen. Danach spielte er sieben Jahre für den Karlsruher SC und über die Station Darmstadt 98 wechselte er letzten Sommer zum griechischen Zweitligisten Anagennesi Karditsas. 

Gia sou Marco, wo habe ich dich denn gerade erreicht? Ich bin vom Training nach Hause gekommen, habe mit meinem Labrador eine Runde gedreht und warte jetzt auf mein Mittagessen.


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Was gibt's denn, Gyros mit Pita? Das Essen hier ist schon super und Gyros mit Pita könnte ich tatsächlich täglich verdrücken (lacht).

Du hast beim SSV Dillingen und FC Gundelfingen mit dem Kicken begonnen und bist mit 12 Jahren zum FCA gewechselt.  Genau, das war in der D-Jugend. Der FCA wollte mich schon früher holen, aber meine Mutter hat damals noch ihr Veto eingelegt, aber ein Jahr später durfte ich zum FCA. Dort habe ich dann alle Teams bis zur U23 durchlaufen, in der U19 war ich Kapitän und zurückblickend würde ich schon sagen, dass diese Zeit mit die schönste überhaupt war.

Mit 19 hast du beim FCA deinen ersten Profivertrag unterschrieben. Was war das damals für ein Gefühl? Das war unbeschreiblich, denn darauf habe ich all die Jahre hingearbeitet. Trotzdem war es irgendwie surreal, beim eigenen Verein Profi zu werden. Ich würde das alles zu gerne mit dem heutigen Wissen noch einmal erleben.

Ich sehe schon, du sprichst mit großer Leidenschaft über den FCA. Auch wenn ich schon lange weg bin, der FCA ist mein Klub. Ich verfolge alles mit großem Interesse und schaue mir möglichst alle Spiele live an und fiebere da auch voll mit. Für mich wäre es definitiv ein Traum, eines Tages zum FCA zurückzukehren.

Was sagt dir der 25.10.2011? Das war mein Profi-Debüt beim Pokalspiel gegen RasenBallsport Leipzig. Das war natürlich ein großer Moment.

Du bist mit der U23 des FCA in die Regionalliga aufgestiegen. 2013 folgte dann der Wechsel zum SV Sandhausen, dort hast du drei Jahre in der 2. Bundesliga gespielt und kamst auf 80 Einsätze.  Und ein Tor (lacht). Das war zu dieser Zeit der richtige Schritt für mich. Herr Reuter hat mich gefragt, ob ich nicht noch ein Jahr beim FCA bleiben will, aber ich wollte unbedingt spielen und habe mich dann für den SVS entschieden, auch wenn es mir sehr schwerfiel, Augsburg zu verlassen.

2017 folgte dann der Wechsel zum Karlsruher SC, dort hast du sieben Jahre gespielt. Du warst Stammspieler und bist auf über 200 Einsätze gekommen. Ich nehme mal an, dass der KSC deine schönste und beste Zeit als Profi war? Ja, das kann man definitiv sagen. Nach so vielen Jahren ist Karlsruhe auch meine zweite Heimat geworden, dort habe ich viele Kumpels und mein bester Freund Fabian Schleusener spielt heute noch beim KSC. Das Witzige ist, dass seine Freundin aus Augsburg kommt.

Anschließend ging es dann für eine Saison zum SV Darmstadt 98. Seit letztem Sommer spielst du jetzt für Anagennisi Karditsa. Wie bist du denn in Griechenland gelandet? Mein Agent ist vor geraumer Zeit nach Griechenland ausgewandert. In seiner Agentur arbeiten drei griechische Berater und nachdem es immer ein Traum von mir war, auch noch einmal im Ausland zu spielen, ergab sich diese Gelegenheit. Asien hätte mich auch sehr gereizt, aber der Vorteil an Griechenland ist, dass man in zwei Stunden mit dem Flieger in der Heimat ist. Ich war davor zweimal bei meinem Berater im Urlaub zu Gast und mir hat es dort außerordentlich gut gefallen und so bin ich eben bei Karditsa gelandet.

Dann schmeckt dir also das Leben in Südeuropa? Eigentlich bin ich ja so der klassische Deutsche und mag Ordnung und Struktur, aber wenn man mal diese Art von way of life annimmt…die Lebensqualität hier ist schon sehr hoch. Ich wohne in Trikala, das ist eine coole Stadt mit etwas mehr als 60.000 Einwohner, da pulsiert das Leben 24 Stunden am Tag. Eines der ersten Wörter, die ich gelernt habe, war „avrio“, was „morgen“ bedeutet. Hier lebt man im Hier und Jetzt, hier ist alles etwas lockerer und entspannter, die Griechen beherrschen die Leichtigkeit des Seins und sind in ihrer Art sehr freundlich und hilfsbereit und der Sommer hier war traumhaft. Das Einzige was mir fehlt, ist das Meer, da muss ich über eine Stunde fahren.

Karditsa spielt in der 2. Liga Nord und ist derzeit auf dem 2. Tabellenplatz. Der Erste steigt direkt in die Superleague auf. Hat sich dein Abenteuer bisher gelohnt? Definitiv. Ich habe einen Zweijahresvertrag, aber eines habe ich in Griechenland gelernt, nichts ist sicher. Vor allem die Trainer leben hier auf einem Pulverfass. Iraklis Saloniki ist derzeit Tabellenführer und hat in dieser Saison schon vier Trainer verschlissen. Der Letzte wurde nach dem Unentschieden gegen uns noch auf dem Platz vom Präsidenten gefeuert.

Dein ehemaliger Teamkollege Ioannis Gelios spielt ebenfalls in der 2. griechischen Liga für AO Kalamata, da allerdings in der Gruppe Süd. Hattest du vor deinem Wechsel noch Kontakt zu ihm? Ja natürlich, ich habe ihn angerufen, aber auch meinen ehemaligen Kollegen Tim Rieder der ja für PAS Giannina gespielt hat. Vor Saisonbeginn hatten wir auch ein Testspiel gegen Kalamata und da bin ich dem Gelios begegnet.

Am kommenden Sonntag steigt das Spitzenspiel auswärts gegen den Tabellenführer Iraklis Saloniki.  Das wird natürlich eine heiße Nummer, vor allem auch weil Iraklis eine beachtliche Fanszene hat. Aber ich war auch von unserer Fanszene sehr positiv überrascht, da ist auswärts schon auch immer ein ordentlicher Mob dabei.

217 Spiele in der 2. Bundesliga, über 300 Einsätze als Profi. Bist du zufrieden mit deiner Bilanz? Mit Sandhausen hatten wir damals großes Glück, wir sind nur deshalb in der 2. Bundesliga geblieben, weil dem MSV Duisburg die Lizenz entzogen wurde. In Karlsruhe war ich jahrelang Stammspieler, klar hätte ich mir auch einige Spiele in der Bundesliga gewünscht, aber ich bin sehr zufrieden, wie es gelaufen ist.

Du bist jetzt 33. Wo planst du später zu leben, in Karlsruhe oder in Augsburg? Da bin ich noch komplett offen. Klar, Augsburg ist natürlich eine ganz heiße Option, ich liebe die Stadt, habe dort Familie und Freunde. Aber ich bin offen für alles und ich kann mir auch gut vorstellen, hier in Griechenland zu bleiben.

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