Fussballnationalmannschaft.net
·19. Juni 2026
Weltmeister Trainer Jogi Löw mit Diskussion um DFB Führungsspieler: Neuer & Kimmich sind zu wenig!

In partnership with
Yahoo sportsFussballnationalmannschaft.net
·19. Juni 2026

Joachim Löw hat sich nach langer Zurückhaltung ungewöhnlich deutlich über den deutschen WM 2026 Kader geäußert. In der Live-Show Kroos & Kroos: Die WM unter der Lupe kritisierte der Weltmeistertrainer den Mannschaftskern und stellte klar, dass es aus seiner Sicht noch an Stabilität und prägenden Persönlichkeiten fehle.

Joachim Löw steht heute unter Druck gegen Portugal / AFP PHOTO / Luis Acosta
Der frühere Bundestrainer, am 11. November 2021 offiziell verabschiedet, hatte sich seit seinem Abschied meist anerkennend über seine Nachfolger und deren Teams geäußert. Umso mehr sorgte seine neue Einordnung für Aufsehen, zumal sie kurz vor dem zweiten Spiel der Nagelsmann-Elf gegen die Elfenbeinküste fiel.
Löw sagte, die Auswahl verfüge zwar über „viel Qualität, aber noch nicht die Stabilität, die es braucht, um Titel zu gewinnen“. Noch deutlicher wurde er beim Thema Führungsfiguren. Es fehlten „Persönlichkeiten, wie wir sie 2014 hatten. allein wird nicht reichen, oder „.
Dass diese Worte ohne sichtbaren Widerspruch aus der Branche stehen blieben, machte sie zusätzlich schwer. Gerade weil Löw menschlich als ausgesprochen wohlgelitten gilt, saßen die Sätze besonders tief.
Brisant ist der Befund auch deshalb, weil Löw selbst nie ein Verfechter ausgeprägter Hierarchien war. Als Bundestrainer setzte er die klaren Führungsspieler Torsten Frings und Michael Ballack ab. Zuvor hatte er als Assistent von Jürgen Klinsmann bereits den Wechsel im Tor von Oliver Kahn zu Jens Lehmann mitgetragen.
Auch die Kapitänsfrage passte zu diesem Ansatz. Löws Spielführer wurde Philipp Lahm, ein kluger und rhetorisch sicherer Profi, aber aus Sicht vieler Beobachter eben kein Anführer im Stil von Kahn oder Ballack. Die „Welt“-Korrespondenten beschrieben ihn 2014 aus Brasilien entsprechend mit dem Hinweis: „Joachim Löw ist kein Trainertyp wie Sepp Herberger oder Felix Magath. Er lebt einen modernen Führungsstil vor und setzt auf flache Hierarchien.“
Genau deshalb wirkt seine jetzige Kritik an der Hierarchie im DFB-Team so bemerkenswert. Die Frage, ob eine Mannschaft überhaupt zwingend Führungsspieler braucht oder ob dieser Begriff eher aus dem Denken von Herbergers Zeiten stammt, stellte sich der langjährige Bundesliga-Coach Hans-Dieter Tippenhauer in seiner Dissertation. Er sprach dafür mit Dutzenden Akteuren aus dem Fußball, darunter Andreas Rettig, Dieter Hecking und Thomas Schaaf, sowie mit Spielern, Trainern und Funktionären.
Das Ergebnis seiner Analyse lautete: Ja, Führungsspieler sind wichtig, aber nur als ein Faktor unter mehreren. Zudem nimmt ihr Einfluss ab, wenn in einer Mannschaft mehrere solche Persönlichkeiten vorhanden sind. Damit gerät Löws Einschätzung ins Blickfeld, die Nagelsmann-Elf verfüge allenfalls über zwei Führungsspieler.
In der Praxis lassen sich allerdings weitere Profis erkennen, die intern oder auch nach außen Verantwortung übernehmen. Antonio Rüdiger ist zuletzt verstärkt in den Fokus gerückt, während auch Nico Schlotterbeck und Deniz Undav als meinungsstark gelten. Undav fehlt allerdings als Nicht-Stammspieler die Autorität eines Joshua Kimmich.
Bislang war Löw der einzige prominente Beobachter der WM, der das Fehlen einer klaren Hierarchie als eines der größeren Probleme der deutschen Mannschaft benannte. Gleichzeitig bekam seine Sicht Anschluss, weil auch Uli Hoeneß Bundestrainer Julian Nagelsmann vor dem Turnierstart vorhielt, zu viel experimentiert und sich nicht früh genug auf eine Stammelf festgelegt zu haben. Diese scheint sich inzwischen gefunden zu haben, was Löw wiederum anerkennt.







































