Miasanrot
·2. Juli 2026
Wenn Audi aussteigt: Wer steigt beim FC Bayern ein?

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·2. Juli 2026

Audi soll über einen Ausstieg beim FC Bayern nachdenken. Kommt es jetzt zur Wunsch-Ehe zwischen dem FCB und BMW oder müssen Bayern-Fans sich auf Petro-Dollars einstellen?
Der Volkswagen-Konzern steckt in der Krise und stellt so einiges auf den Prüfstand. Dazu gehören auch die umfangreichen Aktivitäten im Sport. Über die Konzern-Tochter Audi ist Volkswagen nicht nur Sponsor, sondern gar Anteilseigner an der FC Bayern AG.
CORRECTIV berichtete, dass es konkrete Pläne zum Verkauf der Anteile am FCB und am VfB Stuttgart gebe. Audi hält derzeit ebenso wie adidas und die Allianz 8,33 Prozent der Anteile an der FC Bayern AG. Die restlichen 75 Prozent hält der e.V.
Für den Bundesligisten stellen sich Fragen: Wenn Audi aussteigt, wer übernimmt die Anteile? Kann der Club vielleicht sogar von einem Eignerwechsel profitieren oder droht Ungemach?
Miasanrot ordnet mögliche Konsequenzen und Chancen und Risiken ein.
Audi hat 2009 8,33 Prozent an der AG gekauft. Für die VW-Tochter dürfte sich der Einstieg bisher gelohnt haben: Die enge Verbindung sicherte sich eine Pole Position beim Sponsoring. Seit 2009 sind viele Millionen Euro Dividende aus München nach Ingolstadt in die Audi-Zentrale geflossen. Zudem hat sich der Wert des Clubs seit 2009 vervielfacht, dadurch haben auch die Anteile an Wert gewonnen.
Auch an der Säbener Straße wird man mit der Partnerschaft zufrieden sein. Audi ist nicht nur Anteilseigner, sondern Sponsor. Mit dem Audi-Cup finanziert der Sponsor ein lukratives Vorbereitungsturnier und hilft dem Club so auch bei der Erschließung internationaler Märkte. Der Einstieg 2009 kam in einer wichtigen Phase: International gehörte man nicht zu den Top-Teams. Der Bau der Allianz Arena hatte für zusätzliche Kosten gesorgt.
Die Millionenerlöse durch den dreifachen Anteilsverkauf an den Autohersteller, die Allianz und adidas dürften ihren Teil dazu beigetragen haben, dass der FC Bayern es ab 2010 zu einer vorher nie gekannten Dominanz im deutschen Fußball geschafft hat und in Europa zu den Top-Teams aufgeschlossen hat, zwei Champions-League-Titel inklusive.
Diese Verbindung zwischen Bayern und Audi könnte nun ein Ende finden. Volkswagen steckt in einer Krise. Wenn Milliardenkonzerne in Krisen stecken, gibt es die immergleichen Mechanismen: Workshops, Analysen, Consultants, Krisenmeetings. Und als Ergebnis dann Tabellen und Präsentationen voller Sparprogramme, Quick Wins, strategischer Maßnahmen und vielem mehr.
Eine solche Maßnahme könnte ein Verkauf des Anteils am Rekordmeister sein. Für Volkswagen eine klassische Abwägung: Was bringt wirtschaftlich und strategisch mehr? Ein Verkauf der Anteile bringt einen Einmalerlös im dreistelligen Millionenbereich. Einerseits ein netter “Quick Win” in einer Krise. Andererseits für den VW-Konzern mit 300 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr doch nur ein viel zu kleines Pflaster.
Demgegenüber stehen stabile Dividenden aus der Beteiligung und ein hoher sportpolitischer Wert. Kann Volkswagen auf den FCB als Verbündeten im Kampf gegen 50+1 verzichten?
Am 9. Juli soll der Aufsichtsrat von Volkswagen über Pläne zum Sparpaket tagen. Dann könnte eine Entscheidung zum Umgang mit den Audi-Anteilen getroffen werden.
Das Wirtschaftsmagazin Forbes bewertet den Branchenführer des deutschen Fußballs mit 5,7 Milliarden Dollar, also rund fünf Milliarden Euro. 8,33 Prozent davon wären rund 400 Millionen Euro wert. Solchen Nennungen von Unternehmenswerten sind nie eine absolute Wahrheit, sondern Schätzungen.
Um den Wert der Münchner oder anderer Unternehmen zu schätzen, haben Kaufleute ein ganzes Repertoire an Werkzeugen. Dazu gehören Benchmarking-Analysen, also ein Blick darauf, was vergleichbare Fußballvereine wert sind, die komplett oder teilweise verkauft wurden oder börsennotiert sind. Dazu gehören heutige und prognostizierte zukünftige Umsätze und Gewinne und natürlich ein Blick in die Bilanz des Unternehmens. In Summe ergeben sich daraus plausible Näherungswerte.
Bei den Anteilen kommt als Einschränkung dazu, dass es Minderheitsanteile sind. Da 75 Prozent beim e.V. liegen und gemäß 50+1 auch eine Stimmenmehrheit beim Verein bleiben muss, bringen die Audi-Anteile nur einen begrenzten Einfluss auf die AG. Das bewerten Investoren üblicherweise mit einem Abschlag auf den Wert. Aber selbst mit einer konservativeren Schätzung als der von Forbes und einem Abschlag wegen fehlender Kontrolle sollten die Anteile im Jahr 2026 mindestens 300 Millionen Euro wert sein.
Entscheiden wird letztlich der Markt. Gibt es ein Wettbieten um die Anteile, kann der Preis auch weit über 400 Millionen Euro ansteigen. Gibt es kaum Interessenten und weitere Einschränkungen, kann es deutlich weniger werden.
Zunächst – falls der Volskwagen-Aufsichtsrat wirklich verkaufen will – bedeutet der Verkauf herzlich wenig für Bayern. Ob teuer oder günstig, die Verkaufssumme wird an den Autohersteller fließen, nicht an den FCB.
Es muss aber nicht so sein, dass Bayern nicht profitiert. Ein Szenario wäre eine vertragliche Rückkaufklausel für den Club. Hertha BSC hatte eine solche mit ihrem Investor KKR vereinbart. 2014 verkaufte Hertha Anteile an KKR und kaufte sie vier Jahre später für zehn Millionen Euro Aufpreis wieder zurück. Falls man eine solche Option hat, dürfte auch diese eine Wertsteigerung enthalten.
Anteile 17 Jahre nach Verkauf zum usprünglichen Nominalwert zurückkaufen zu dürfen wäre ein riesiger Jackpot für den Deutschen Meister. So riesig, dass davon nicht auszugehen ist. Plausibler wäre eine jährliche Wertsteigerung, zum Beispiel gemessen an Zinsniveau, der Inflation oder der Umsatzentwicklung der Bayern. Dann wäre die Rechnung eine einfache: Kann man die Anteile von Audi günstiger zurückkaufen als danach weiterzuverkaufen, winkt ein Gewinn. Je nach Berechnung des Aufpreises und Marktlage sogar ein dreistelliger Millionengewinn.
Der FC Bayern könnte die Anteile auch zurückkaufen und erstmal behalten. Für schlechtere Zeiten oder für Zeiten, in denen der Club noch wertvoller ist. Oder er geht den umgekehrten Weg: Er nutzt die anstehende Unternehmensbewertung und Käufersuche, um weitere Prozentpunkte zu verkaufen. Laut 50+1 dürfte Bayern noch 25 Prozent verkaufen. Laut eigener Satzung noch fünf Prozent. Vielleicht lädt der FC Bayern adidas, die Allianz und den neuen Investor dazu ein, auf jeweils zehn Prozent aufzustocken. Fünf Prozent neu veräußerte Anteile könnten 200 bis 250 Millionen Euro einbringen.
Auch losgelöst von direkten finanziellen Konsequenzen kann ein Eigentümerwechsel neue Chancen bringen: Der FCB wollte schon mehrfach von Audi zu BMW wechseln. Endlich wäre der Weg frei für die lang ersehnte Partnerschaft mit dem Münchner Autokonzern, neue lukrative Sponsoringverträge inklusive.
Wo Chancen sind, sind Risiken meist nicht weit. Zum einen ist Audi beim FC Bayern nicht nur Eigentümer, sondern auch Sponsor. Wie wirkt sich das Ende der einen auf die andere Geschäftsbeziehung aus? Die aktuellen Werbeverträge mit Audi sollen bis 2030 laufen. Angenommen, BMW stiege 2027 als Eigentümer ein, würde das nicht zusammenpassen. Im Worst Case droht eine zerfahrene Situation.
Vorher stellt sich ohnehin erstmal die Frage, ob BMW überhaupt Anteile kaufen will. Auch bei BMW gibt es Workshops, Strategien und Konzept-Papiere. Passen dort 300 Millionen plus X für Anteile am Rekordmeister ins Konzept? Was, wenn BMW zwar kaufen will, aber Audi nicht an seinen Konkurrenten BMW verkauft? Was, wenn andere Investoren deutliche höhere Kaufpreise bieten? Diese anderen Investoren könnten theoretisch viele sein, nötiges Kleingeld vorausgesetzt. Oligarchen, Petrodollars, Hedgefonds oder Multi-Club-Owner gehören dazu.
Und dort beginnt die eigentliche Crux. Verliert man die Kontrolle über seine Eigentümer? Die Erstverkäufe der Anteile hatte man sorgfältig kuratiert: Allianz, Audi, adidas, drei deutsche Weltkonzerne aus Bayern. Aber wie das nunmal so ist bei der Öffnung für Investoren: Bei Weiterverkäufen entscheiden in der Regel die Halter der Anteile, nicht die Investitionsobjekte. Hertha BSC hat diese Entwicklung schmerzlich erfahren und wurde in den letzten Jahren von Investor zu Investor weitergereicht.
Deshalb gilt: Ja, es gibt ein Szenario, in dem die Anteile von Audi an einen staatlichen Ölfonds, einen amerikanischen Milliardär, einen Hedgefonds oder sonstigen Investoren verkaufen will. Dass plötzlich Saudi-Arabien Anteile kauft.
Kann Bayern nicht mitsprechen? Ein Verkauf entgegen der Interessen und Wünsche der Münchner ist zumindest unwahrscheinlich. Selbst wenn Volkswagen sich zurückzieht, wäre eine offene Konfrontation mit dem FCB kommunikativ nochmal eine andere Ebene. Bayern könnte sogar ein vertragliches Mitspracherecht oder Vetorecht haben.
Ob die im Streitfall wirklich durchsetzbar sind, ist aber eine andere Frage. Die Mitsprache ist in der Praxis meist an Bedingungen geknüpft. Und wo es Bedingungen gibt, gibt es Schlupflöcher. Das sind dann Fälle für hochbezahlte Topanwälte. Und da spielen die Topstars meist für die Investmentbanken, nicht für die Fußballvereine.
Falls Volkswagen wirklich verkaufen will, findet sich aller Voraussicht nach eine einvernehmliche Lösung mit dem FC Bayern. Im Normalfall geht die Transaktion für den Club selbst wertneutral über die Bühne, vielleicht profitiert er sogar finanziell, durch Rückkäufe, neue Sponsoring-Partnerschaften oder einen Verkauf weiterer Anteile im Zuge des Verkaufsprozesses.
Sicher ist das aber nicht. Es gibt auch ein Szenario, in dem Audi seine Anteile an einen Investoren verkaufen will, der nicht in die Kategorie strategischer Partner mit Heimatnähe passt. Fanproteste, Tennisbälle und eine heiße Mitgliederversammlung inklusive.







































