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·25. Juni 2026

Wenn das Remis genügt: Algerien gegen Österreich weckt alte Geister

Artikelbild:Wenn das Remis genügt: Algerien gegen Österreich weckt alte Geister

In der Nacht auf Sonntag trifft Algerien auf Österreich, beide mit drei Punkten. Ein Remis könnte je nach Konstellation beiden Teams genügen.

Vier Punkte, Tordifferenz plus eins. Das ist die Zahl, die ein Gruppendritter dieser WM derzeit sicher braucht, um zu den acht Glücklichen zu gehören, die aus der erweiterten Vorrunde noch in die K.o.-Phase rutschen. Sicher heißt: rechnerisch nicht mehr einzuholen. In den Gruppen D, I, J und L kann der jeweils Dritte diesen Wert ohnehin nicht mehr erreichen, also liegt die Hürde dort fest. Mit jeder weiteren Gruppe, die abgeschlossen wird, sinkt sie ein Stück. Was unten herauspurzelt, ist ebenfalls klar. Ein Punkt reicht definitiv nicht. In mindestens acht Gruppen wird der Dritte am Ende mindestens zwei Zähler einsammeln, und damit ist das Schicksal jedes Teams besiegelt, das mit einem mickrigen Remis aus drei Spielen heimfährt. Ecuador weiß das vor dem letzten Auftritt gegen Deutschland sehr genau: Eine Niederlage bedeutet das Aus, selbst wenn die Südamerikaner Tabellendritter blieben. Wer durch will, muss liefern oder hat schon geliefert. Spannend ist die Zone dazwischen. Drei Punkte, vermutlich plus eins oder plus zwei Tore, das ist nach Erfahrung früherer Turniere die wahrscheinlichste Schwelle. Vier Punkte werden mit hoher Wahrscheinlichkeit reichen, unabhängig von der Tordifferenz. Festgeschrieben ist davon nichts: In elf der zwölf Gruppen kann der Dritte theoretisch noch auf vier Punkte kommen. Wer rechnet, rechnet also mit Wahrscheinlichkeiten, nicht mit Garantien. Und genau diese Lücke zwischen Statistik und Sicherheit ist es, in der Fußballgeschichten entstehen. Eine davon kennt jeder, der lange genug dabei ist. 1982, Gijon, Deutschland gegen Österreich, ein Ergebnis, das beiden reichte, ein Spiel, das niemand mehr ernsthaft spielte. Algerien war damals das Opfer, ein Team, das sportlich die Vorrunde verdient hatte und am Schreibtisch zweier europäischer Mannschaften scheiterte. Die Vokabel Schande von Gijon hat sich seither festgesetzt, und sie kehrt nun zurück, weil das Los ein bemerkenswertes Wiedersehen arrangiert hat. In der Nacht auf Sonntag treffen Algerien und Österreich aufeinander, beide mit drei Punkten, beide in einer Lage, in der ein Remis je nach Konstellation in den anderen Gruppen genügen kann. Die Spieler von 1982 sind längst keine Spieler mehr, die Beteiligten sind andere, die Logik der Tabelle ist die gleiche. Ob beide Mannschaften vor dem Anpfiff schon wissen, dass ein Unentschieden reicht, hängt davon ab, was bis dahin auf den anderen Plätzen passiert ist. Das ist die unangenehme Eigenschaft des erweiterten Modus: Er produziert Konstellationen, in denen Nichtangriff zur rationalen Option wird. Ein Opfer gäbe es auch diesmal. Es hätte einen Namen, der erst spät feststünde, wahrscheinlich nach tagelangem Warten am Telefon oder am Bildschirm. Es wäre jener Gruppendritte, der bis zum letzten Anpfiff noch über dem Strich stand, der sein Hotelzimmer verlängert hatte, der die Reisepläne der Familie umgeschrieben hatte. Und der dann doch heimfahren müsste, weil zwei andere Mannschaften sich mit dem Resultat zufriedengegeben haben, das beiden nützt. Das ist nicht verboten. Es ist nur unangenehm zu erklären, falls es tatsächlich so kommt.

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