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·21. September 2026
Wer fordert Infantino heraus? Der Fahrplan bis zur FIFA-Wahl

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·21. September 2026

Zehn Millionen Dollar für jeden der 211 Verbände, 2,1 Milliarden insgesamt – und überweisen soll das Geld ausgerechnet Gianni Infantino. Was wie eine Finanzforderung daherkommt, ist der erste echte Wahlkampfzug seiner Gegner.
Unterschrieben haben UEFA-Präsident Aleksander Čeferin und CONCACAF-Chef Victor Montagliani, adressiert ist das Schreiben vom 18. September an Infantino. Gelesen werden soll es woanders. Die FIFA sitze nach der WM in den USA, Kanada und Mexiko auf Reserven von rund sechs Milliarden Dollar, rechnen die beiden vor – den höchsten ihrer Geschichte. Eine einmalige Ausschüttung von mindestens zehn Millionen je Verband für Infrastruktur und Nachwuchs sei damit problemlos zu stemmen. Ganz ohne Investoren.
Genau das ist die Spitze. Anfang August war bekannt geworden, dass Infantino WM-Vermarktungsrechte an US-Geldgeber verkaufen wollte; laut Bild ging es um 20 Prozent der kommerziellen Rechte für 20 Milliarden Dollar. Die 55 UEFA-Verbände drohten mit einem Boykott sämtlicher FIFA-Wettbewerbe, Infantino zog den Plan vorerst zurück. Sein Argument aber blieb stehen: Die kleinen Verbände bräuchten frisches Geld, und nur er könne es beschaffen.
Der Brief nimmt ihm dieses Argument weg. Für den DFB sind zehn Millionen eine Randnotiz im Haushalt. Für einen Verband in der Karibik, in Zentralafrika oder Ozeanien ist es ein Jahrzehnt Entwicklungsarbeit. Und exakt dort liegt Infantinos Machtbasis. Čeferin und Montagliani schlagen ihn mit seiner eigenen Waffe: dem Scheck.
Der Fahrplan im FIFA-Machtkampf
Anfang August
Infantinos Investorenmodell wird publik. Die UEFA droht mit Boykott, der Plan wird zurückgezogen.
Anf. September
Offener Brief von UEFA, AFC und CONCACAF an die „Fußball-Familie“.
18. September
Čeferin und Montagliani fordern 2,1 Milliarden Dollar für die 211 Verbände.
8./9. Oktober
UEFA-Gipfel in Berlin. Präsidenten und Generalsekretäre aller 55 Verbände tagen. Voraussichtlich fällt die Entscheidung über eine Gegenkandidatur.
15. Oktober
FIFA-Council. Bis dahin verlangen die Absender eine unabhängige Analyse der FIFA-Finanzen. Hier zeigt sich, wer im Rat die Hand hebt.
18. November
Nominierungsfrist. Wer bis dahin nicht gemeldet ist, steht im März nicht auf dem Wahlzettel.
18. März 2027
FIFA-Kongress. Infantino will sich zum vierten Mal wählen lassen.
Der Kalender erklärt, warum die Opposition jetzt Tempo macht. In Berlin kommt am 8. und 9. Oktober die komplette Führungsebene des europäischen Fußballs zusammen, eine Woche später tagt das 37-köpfige FIFA-Council, dem auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf angehört. Wer dort gegen eine Ausschüttung an die eigenen Mitglieder stimmt, muss das zu Hause erklären. Bequemer kann man Konföderationschefs nicht in Verlegenheit bringen.
Parallel läuft die juristische Schiene: Die UEFA bereitet nach Angaben des ZDF eine Strafanzeige wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung vor. Der DFB hat sich festgelegt – Neuendorf und sein Vize Hans-Joachim Watzke fordern Infantinos Ablösung. Der 56-Jährige selbst denkt nicht ans Aufgeben und will wie geplant antreten.
211 Stimmen im FIFA-Kongress
Ein Verband, eine Stimme. Die einfache Mehrheit liegt bei 106.
55
35
46
54
10
11
106
UEFA 55 und
CONCACAF 35 – die erklärte Opposition: 90 Stimmen
AFC 46 – hat den offenen Brief mitgetragen, ist aber nicht festgelegt
CAF 54, CONMEBOL 10, OFC 11 – bislang Infantinos Hausmacht
Rechenmodell nach Konföderationen. Gewählt wird geheim, kein Verband ist an seinen Kontinentalverband gebunden.
Die Arithmetik ist ernüchternd für alle, die Infantino schon stürzen sehen. UEFA und CONCACAF kommen zusammen auf 90 der 211 Stimmen – selbst bei perfekter Blockdisziplin fehlen 16 zur Mehrheit. Asien hat Anfang September den offenen Brief mitunterzeichnet, in dem es hieß, der Fußball gehöre weder einer Einzelperson noch einer Institution. AFC-Chef Scheich Salman war 2016 Infantinos unterlegener Gegenkandidat, eine alte Rechnung ist da durchaus offen. Nur: Ein Brief ist kein Wahlzettel, und Asiens 46 Verbände reichen von Japan bis Guam.
Auf der anderen Seite stehen Afrika, Südamerika und Ozeanien, 75 Stimmen. CAF-Präsident Patrice Motsepe nannte Infantino noch im Februar einen verlässlichen Freund des afrikanischen Fußballs, mehrere Verbände aus Afrika und Südamerika haben laut Inside World Football bereits signalisiert, bei ihm zu bleiben. Ihre Loyalität beruht auf Geld, das aus Zürich kommt. Deshalb die zehn Millionen. Die Botschaft an jeden einzelnen dieser Verbände lautet: Das Geld ist da, ihr bekommt es auch ohne ihn.
Bleibt die Frage nach dem Gesicht. Vieles deutet auf Montagliani hin, und das wäre klug. Ein Europäer an der Spitze würde genau das Narrativ füttern, mit dem Infantino seit zehn Jahren Mehrheiten organisiert: das reiche Europa gegen den Rest der Welt. Ein Kanadier, der eine Konföderation voller Kleinstverbände führt und gerade eine WM mitveranstaltet hat, ist dagegen schwerer zu dämonisieren. Čeferin bliebe, was er am liebsten ist – der Mann, der die Stimmen liefert.
Wer in drei Wochen nach Berlin schaut, sollte die Erwartung justieren. Dort fällt voraussichtlich die Entscheidung, dass es einen Gegenkandidaten gibt und wer es wird. Ob er gewinnen kann, entscheidet sich eine Woche später im Council und in den Monaten danach in Verbandszentralen zwischen Dakar und Asunción.
Infantino hat drei Wahlen gewonnen, zwei davon ohne Gegner. Zum ersten Mal muss er wieder Stimmen zählen. Wer im Weltfußball das Geld verteilt, gewinnt – diese Regel hat er selbst perfektioniert. Jetzt wird sie gegen ihn gewendet.















