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·3. Juli 2026

What about Tuchel? Er muss jetzt für Deutschland den Titel holen

Artikelbild:What about Tuchel? Er muss jetzt für Deutschland den Titel holen

Warum ein WM-Triumph der Three Lions unter Thomas Tuchel für den deutschen Fußball ein Trost wäre – und welche vier Gegner im Weg stehen.

Während die Three Lions am Mittwochabend gegen Kongo spielten, erwischte ich mich bei einem Gedanken, der jahrzehntelang gegen alle Gesetze der Vernunft verstoßen hätte: Wenn schon die deutsche Nationalmannschaft nicht Weltmeister werden kann, dann sollen wenigstens die Engländer gewinnen.


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Mein Selbstwertgefühl hängt am seidenen Faden, ich geb's zu.

Doch es gibt gute Gründe, so zu denken. Der erste: Thomas Tuchel. Die Engländer haben einen deutschen Trainer. Der zweite: Harry Kane. Der größte Star in den Reihen der Engländer wurde von der Bundesliga turnierfest geformt.

Ja, ein WM-Triumph Englands würde meinen Schmerz und die Schmach von Boston erträglicher machen. Sollte ein deutscher Trainer den Fluch besiegen und England zum ersten WM-Titel seit 1966 führen, dann kann doch nicht alles so schlecht sein, wie wir es gemacht haben. Ich hätte für jeden Abgesang auf den deutschen Fußball nur einen Satz übrig: What about Tuchel?

Ich kann natürlich das Gegenargument nachvollziehen: So tief kann doch keiner sinken, dass ein emotionaler Pakt mit dem Erzfeind, der obendrein eine EU-Allergie hat, denkbar wird. Aber haben uns die Mütter des Fußballs nicht bereits die Hände gereicht, als sie einen Kraut zum Nationaltrainer machten? Was sollen sie denn noch tun, damit wir sie mögen? King Charles macht den Camillexit und heiratet Angela Merkel?

Selbst die Medien auf der Insel, Grundeinstellung skeptisch, tauen langsam auf, was Deutschland angeht. Bei der Pressekonferenz nach dem 2:1 trotz Rückstand gegen Kongo fragte ein Journalist Tuchel, ob er denn wisse, was da eben passiert sei, dass nämlich England gerade zum ersten Mal seit 60 Jahren ein WM-Spiel nach 0:1 gedreht habe. Am 30. Juli 1966 lag die Elf um Bobby Moore im Finale gegen Deutschland früh zurück. Helmut Haller hatte getroffen. Der Rest ist Geschichte – 4:2 gewannen die Gastgeber dank eines Tores, das keins war.

Aber: Wir haben die Engländer 1972 sensationell in Wembley besiegt, dasselbe 1996 bei der EM im eigenen Land getan – plus ihre Queen gezwungen, uns den Pott auszuhändigen. Wir haben die Engländer bei der WM 1990 aus dem Halbfinale gekegelt und 2000 im letzten Spiel im alten Wembleystadion besiegt. Bei der WM 2010 demontierten wir die Goldene Generation der Engländer – Beckham, Gerrard, Rooney, Lampard – mit 4:1.

Die Rechnung von 1966 wurde systematisch und aufs Brutalste beglichen.

Doch Deutsche sind am Ende auch nur Menschen. Wir müssen jetzt mal gönnen können.

Tuchel, se German; gespielt bei den Stuttgarter Kickers, studiert an der Berufsakademie Stuttgart, gejobbt in der Stuttgarter In-Kneipe Radio Bar. Wenn ausgerechnet er ganz England auf den Thron hebt – was wäre das für eine Geschichte?!

Und Jude Bellingham, neben Kane der anderer Superstar der Engländer! Den hätte ich fast vergessen vor lauter Gönnen. Wo wurde Hey Jude noch mal ausgebildet? Ach ja, richtig, bei Borussia Dortmund.

Der deutsche Fußball, er ist immer da! Ich spüre: Mir geht's schon besser.

Aber das alles ist nur hingebogene Hoffnung. Die vier Haken kommen jetzt. Der erste: Frankreich. Wirkt derzeit unschlagbar. Der zweite: Argentinien. Hat Messi. Der dritte: Marokko. Afrika ist im Kommen. Sie alle stehen England im Weg wie kürzlich den Deutschen ein Mann aus Paraguay mit Handschuhen.

Der letzte Haken: Mexiko. Englands Gegner im Achtelfinale. Diese Mannschaft hat vier von vier WM-Spielen gewonnen, dabei kein Gegentor kassiert, in der Nacht zum Montag ein ganzes Volk hinter sich – und das Spiel findet vor 80.000 Zuschauern im Aztekenstadion statt.

What about Tuchel? Ich werde Daumen drücken.

Deutschland vor, noch ein Tor!

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