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·12. Juli 2026

Wieder ein blaues Auge: Argentinien quält sich weiter

Artikelbild:Wieder ein blaues Auge: Argentinien quält sich weiter

Lionel Messi hüpfte, seine „Erlöser“ hüpften, die euphorischen Anhänger hüpften. Und weil es so schon Tradition hat, sangen sie alle gemeinsam aus vollem Hals: „Wer nicht hüpft, ist Engländer.“ Im brodelnden Arrowhead-Stadium von Kansas City dürften wenig Engländer gewesen sein, wenn überhaupt, am Mittwoch (21.00 Uhr MESZ) aber, da treffen die singenden Argentinier und ihr leidenschaftlich verhasster Rivale nun direkt aufeinander: Halbfinale der WM in Atlanta, der Weltmeister gegen die Three Lions – mehr Emotionen gehen historisch bedingt kaum.

Zunächst aber müssen Messi und seine Argentinier sich erst mal sammeln – und sich ein paar Gedanken machen. Zum dritten Mal in Serie kamen sie in der K.o.-Runde beim 3:1 (1:1) nach Verlängerung gegen die wackere Schweiz nur mit einem blauen Auge davon: 3:2 gegen den Außenseiter Kap Verde, Sieg in der Extraschicht durch ein Eigentor (111.). 3:2 gegen Ägypten nach wilder Aufholjagd, Siegtreffer in der Nachspielzeit (90.+2).


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Es war kein gutes Spiel der Argentinier

„Wieder einmal war es Zeit zu leiden, aber diese Mannschaft verliert nie den Glauben. Wir sind wieder unter den Top vier der Welt – auf geht’s, verdammt!“, schrieb Messi bei Instagram nach dem glanzlosen Sieg im Viertelfinale gegen mutige Schweizer, der durch Gelb-Rot für den unglückseligen Breel Embolo nach einer Schwalbe mit VAR-Eingriff auch noch begünstigt wurde.

„Wir hatten Glück, denn einer ihrer Spieler hat einen Platzverweis kassiert“, bekannte Trainer Lionel Scolari. Kurz zuvor hatte Dan Ndaye (67.) die Führung durch Alex Mac Allister (10.) ausgeglichen, die Schweiz war am Drücker. Erst nachdem Embolo in der 72. Minute runter musste, kam Argentinien so langsam wieder in Schwung. Julian Alvarez (110.) und Lautaro Martinez (120.+1) sorgten schließlich für die Erlösung.

Dass seine Mannschaft längst nicht weltmeisterlich spielt, dass der von den Anhängern bereits besungene „vierte Stern“ weit weg erscheint, das wusste auch Scaloni. „Wir müssen realistisch sein“, sagte er, „es gibt Dinge, die wir verbessern müssen. Aber was diese Mannschaft erreicht hat, ist historisch, auch wenn wir besser hätten spielen können.“ Tatsächlich, behauptete Torschütze Alvarez, „ist so ein Sieg ein enormer Motivationsschub. Wir gewinnen zwar lieber auf andere Weise, aber das Wichtigste ist, dass wir uns weiterentwickeln.“

Zur Weiterentwicklung wäre auch ein Lionel Messi in der Form der ersten fünf Spiele erforderlich. Ein Tor gelang ihm erstmals bei diesem Turnier und nach neun WM-Spielen in Serie nicht. Den Führungstreffer von Mac Allister bereitete er mit einem perfekt getretenen Eckball vor, er hat nur zehn Scorerpunkte (8 Tore/2 Vorlagen). Bis auf ein paar gefährliche Aktionen in der Schlussphase aber blieb er nahezu wirkungslos. Egal, schrieb die Zeitung La Nacion, „die Illusion fragt nicht danach, wer besser spielt: Argentinien findet immer einen Star, der das Team rettet und den WM-Traum am Leben erhält.“

Das Halbfinale gegen England wird nun allerdings zu einer ultimativen Herausforderung. Die Argentinier wühlt noch immer der Falkland-Krieg auf, England das WM-Viertelfinale 1986, das durch die „Hand Gottes“ und ein Super-Solo von Diego Maradona verloren ging (1:2). Nicht zufällig kommt das alles auch im neuen Fan-Song der Argentinier vor: „Für die Malvinas (Anm.: die Falklandinseln), für Diego und für Leos letzten (Titel). Wir gewannen den dritten mit Lionel, jetzt wollen wir wieder Champions werden.“

Es versteht sich von selbst, dass die Argentinier nach dem Sieg gegen die Schweiz den Song so laut in ihrer Kabine grölten, dass er durch die Katakomben des Arrowhead dröhnte. So energisch, wie sie singen, müssten sie aber gegen England wohl auch mal wieder Fußball spielen.

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