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·28. Mai 2026

WM 1974: Der Triumph im eigenen Land

Artikelbild: WM 1974: Der Triumph im eigenen Land

Am 11. Juni beginnt die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Deutschland nimmt zum bereits 21. Mal an einer WM-Endrunde teil. In einer Serie blickt DFB.de auf die deutsche WM-Geschichte zurück, von Turnier zu Turnier. Heute: die achte Teilnahme mit dem zweiten Titelgewinn bei der WM 1974 in Deutschland.

Selten hatte ein Gastgeber mehr Druck als Deutschland 1974. Nach dem EM-Triumph 1972 schwärmte die Weltpresse schon vom "Fußball 2000", und als der FC Bayern München einen Monat vor dem WM-Turnier erstmals den Europapokal der Landesmeister gewannen, war die Favoritenrolle zementiert. Im Kader von Helmut Schön, der traditionell in Malente Quartier bezog, standen sieben Bayern. Schön setzte auf Blockbildung, damit endeten die Parallelen zur Herberger-Ära auch schon.


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Mittlerweile standen findige Geschäftsleute auf dem Platz, mit Werbepartnern und Gespür für Eigen-PR. So gab es in Malente vor dem Turnier vor allem ein Thema: die Prämien. Der DFB wollte 30.000 Mark zahlen, entsprechend der Prämie von 1970 für Platz 3. Für die Stars um Kapitän Franz Beckenbauer undenkbar. Nach 15 turbulenten Verhandlungsstunden, während denen sowohl Helmut Schön als auch Paul Breitner abreisen wollten, gab es mit Hilfe von Ausrüster adidas eine Einigung: 70.000 Mark pro Kopf.

Wasserschlacht von Frankfurt

Die Stimmung hob sich in der Vorrunde aber nicht, es gab sowohl bei den Siegen (ChileAustralien) als auch bei der Niederlage im Bruderkampf gegen die DDR (0:1) Pfiffe. Der Favorit gewann nicht mal seine Gruppe. "So nicht, Herr Schön!", titelte die Bild am Sonntag. Das berühmte Sparwasser-Tor von Hamburg wurde indes zu einem Segen für den bundesdeutschen Fußball. In einer weiteren langen Malente-Nacht wurde in der Küche der Sportschule der Weltmeister gebacken. Beckenbauer sprach auf Wunsch von Schön ein Machtwort, wusch einigen Spielern den Kopf und in der Zwischenrunde spielte plötzlich eine andere Mannschaft - nominell und qualitativ. Nach Siegen in Düsseldorf gegen Jugoslawien (2:0) und Schweden (4:2) kam es im letzten Gruppenspiel quasi zu einem Halbfinale gegen die Polen und zu einer legendären Wasserschlacht.

In Frankfurt herrschten im Prinzip irreguläre Verhältnisse. Der Himmel öffnete knapp 90 Minuten vor Anpfiff seine Schleusen, 14 Liter pro Quadratmeter gingen nieder. "Die Regentropfen sprangen einen halben Meter vom Boden hoch", erinnerte sich der Schiedsrichter Erich Linemayr aus Linz. 40 Minuten dauerte der Spuk, und er hinterließ auf dem Rasen des Waldstadions eine Seenlandschaft. Die rührenden Bemühungen der örtlichen Feuerwehr und Ordner, die barfuß liefen, fruchteten kaum.

Schlecht für spielerisch gute Mannschaften - aber diese Deutschen konnten auch kämpfen. Es war nötig gegen die Polen, Torwart Sepp Maier machte das wohl beste Spiel seines Lebens. Er verhinderte eine Niederlage, und den Sieg sicherte der, der es in jenen Tagen eigentlich immer tat: Gerd Müller hatte rechtzeitig seinen Torriecher wiedergefunden.

Müller trifft unnachahmlich zum WM-Sieg

So trafen am 7. Juli 1974 zwei sich nicht freundlich gesinnte Nachbarn in München aufeinander. Ressentiments prägten die Stunden vor dem Finale Deutschland gegen Niederlande. "Wir holen uns die Fahrräder zurück", hieß das Motto von "Oranje", und auch Trainer Rinus Michels erinnerte in der Teamsitzung an den Krieg, der nun schon 30 Jahre zurücklag. Es war kein normales Spiel, gewiss nicht. Für die elf Deutschen war es das Spiel ihres Lebens. Trotzdem fragte Helmut Schön im Bus: "Habt ihr alle eure Schuhe mit?"

Ob sie alle ganz wach waren, mussten sich dann die Fans fragen, als die Niederländer schon in der ersten Minute in Führung gingen. Johan Neeskens drosch einen von Uli Hoeneß an Johan Cruyff verschuldeten Elfmeter in die Tormitte. Aber auch Deutschland bekam einen Elfmeter, der wohl auf ewig umstritten bleiben wird. Der erst nach der Vorrunde in die erste Elf gerückte Bernd Hölzenbein wehrt sich bis heute gegen den Schwalben-Vorwurf. Paul Breitner, obwohl nicht vorgesehen als Schütze, glich aus (25.).

Und dann kam er wieder, der Moment, den alle Gegner fürchteten - wenn Gerd Müller im Strafraum zum Schuss kommt. Auf Flanke von Rainer Bonhof traf er im Nachsetzen zum 2:1 (43.) - und weil danach kein Tor mehr fiel, hatte der zwischenzeitlich von Oranje abgelöste Favorit sein Ziel erreicht. Nur Gerd Müller wusste zu dem Zeitpunkt, dass es sein letztes Tor für Deutschland war. Mit Wolfgang Overath und Jürgen Grabowski trat er zurück, als es am Schönsten war - als Weltmeister.

Wer schoss die deutschen Tore?

Müller (4), Breitner (3), Overath (2), Bonhof, Cullmann, Grabowski, Hoeneß (je 1).

Wieviele eingesetzte Spieler?

18.

Fakten

Gerd Müller trat als deutscher Rekordtorschütze (68) und deutscher WM-Rekordtorschütze (14) nach dem gewonnenen Finale mit 28 Jahren aus der Nationalmannschaft zurück. Beide Marken hielt er bis 2014, ehe ihn Miroslav Klose ablöste.

Nur gegen Australien (3:0 in Hamburg) war eine deutsche WM-Partie nicht ausverkauft.

Kurioses

Uli Hoeneß bekam in der Nacht vor dem Finale Fieber. Das verschwieg er Helmut Schön und ließ sich vom Vereinsarzt des FC Bayern Medikamente bringen, denn er wollte unbedingt spielen. Sein Glück, dass das Finale in München stattfand.

Bernd Hölzenbein hatte mit Jupp Heynckes, der bis zu seiner Verletzung eigentlich gesetzt war als Linksaußen, vereinbart, dass er sich für ihn auswechseln lasse. Das habe er dann aber dummerweise "vergessen", und Heynckes war noch einige Zeit schlecht auf Hölzenbein zu sprechen.

Zitat

"Ganz klar, es war ein Elfmeter. Zeigt diese Szene im Urwald oder Schiedsrichtern, die sie nie gesehen haben. Alle pfeifen Elfmeter. Es geht gar nicht anders." (Bernd Hölzenbein auf den Schwalben-Vorwurf)

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