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·16. Juli 2026
WM-2026-Fazit: Aufgebläht, aufgeheizt, ausverkauft

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·16. Juli 2026

48 Teams, 104 Spiele, ein Turnier von der Ausdehnung eines halben Kontinents. Und am Ende stehen sich im Finale zwei Namen gegenüber, die man schon vor dem Eröffnungsspiel hätte tippen können: Spanien und Argentinien. Die wirklich großen Geschichten dieses Sommers – sie spielten sich oft neben dem Rasen ab.
Fangen wir mit der Rechnung an, die alles erklärt. 32 von 48 Mannschaften erreichten die K.-o.-Runde – zwei von drei Teams. Wer als Gruppendritter liegen blieb, durfte in vielen Fällen trotzdem weiterträumen, denn auch die acht besten Dritten kamen weiter. Das nahm der Vorrunde genau das, was sie über Jahrzehnte spannend machte: den letzten Spieltag als Fallbeil.
Die Frage ist nicht, ob mehr Teams mehr Fußball bedeuten. Die Frage ist, was ein Gruppenspiel noch wert ist, wenn ein Remis fast immer reicht. Das neue Sechzehntelfinale schob die Entscheidungen einfach nach hinten. Do or die? Erst ab der ersten K.-o.-Runde. Vorher wurde verwaltet, taktiert, abgewartet.
Und dann war da Kap Verde. Ein Inselstaat mit rund 600.000 Einwohnern, WM-Debütant, die kleinste Nation, die je die K.-o.-Runde einer Weltmeisterschaft erreichte. Hinter Gruppenkopf Spanien wurde die Auswahl von Trainer „Bubista“ Zweiter – der erste Neuling seit Ghana 2006, der die Vorrunde überstand.
Im Sechzehntelfinale von Miami trieb Kap Verde ausgerechnet Weltmeister Argentinien in die Verlängerung. Zweimal führte die Albiceleste, zweimal glichen die „Blauen Haie“ aus. Der 40-jährige Torhüter Vozinha parierte, was zu parieren war, selbst gegen Messi. Erst ein Eigentor in der 111. Minute beendete den Traum – 3:2. Wer Turniere kennt, weiß: So knapp entkommt ein Favorit selten.
Die große Bühne, sie gehörte zuletzt den Gewohnten. Im Halbfinale standen Spanien, Frankreich, England und Argentinien – vier Schwergewichte, kein einziger Überraschungsgast. Spanien schlug Frankreich 2:0 durch Oyarzabal und Porro und kassierte im gesamten Turnier bis dahin nur ein einziges Gegentor. Argentinien drehte gegen England spät auf: Nach Gordons Führung trafen Enzo Fernández und in der Nachspielzeit Lautaro Martínez – beide Treffer von Messi aufgelegt.
Es ist Messis sechste WM, sein drittes Endspiel. Im Rennen um den Goldenen Schuh liegt er mit acht Treffern gleichauf mit Kylian Mbappé, dessen Frankreich im Halbfinale scheiterte. Die Bühne wurde größer. Die Sieger blieben dieselben.
Rund 9,3 Milliarden Euro spült dieses Turnier laut FIFA-Prognose in die Kassen – das lukrativste Einzel-Sportereignis der Geschichte, mehr als das Doppelte der Sommerspiele von Paris. Die Tickets? Ein Reizthema. Für die beste Kategorie im Finale wurden vierstellige, in Einzelfällen fünfstellige Beträge fällig, während der günstige „Supporter“-Zugang zum Festpreis nur für wenige reichte. Am Wiederverkauf über die eigene Börse verdient der Verband kräftig mit.
Dazu die Inszenierung: erstmals eine elfminütige Halbzeitshow beim Finale, mit Madonna, Shakira und BTS. Infantino versprach „104 Super Bowls in einem Monat“. Man muss ihm lassen: Geliefert hat er. Die Frage ist nur, wer am Ende die Rechnung zahlt.
Manche Spiele trug nicht der Rasen, sondern die Weltlage. Seit Februar 2026 befanden sich die USA und der Iran im Krieg – und trotzdem trat das iranische Team im Land des Gegners an. Zum ersten Mal seit 1930 empfing ein Gastgeber eine Mannschaft, mit der er sich im Kriegszustand befand.
Die Spieler bekamen Visa, durften die USA aber zeitweise nur am Spieltag betreten und mussten noch am selben Abend wieder ausreisen. Mehreren Funktionären wurde die Einreise verweigert, das Quartier lag im mexikanischen Tijuana. Erst ein Friedensabkommen Mitte Juni lockerte die Auflagen. Das letzte Gruppenspiel gegen Ägypten stieg ausgerechnet im weltoffenen Seattle. So nah standen Sport und Weltpolitik bei einer WM selten beieinander.
In jedem der 104 Spiele unterbrach der Schiedsrichter nach gut 22 Minuten pro Halbzeit für drei Minuten – Pflicht, unabhängig von der Temperatur. In einigen Stadien gab es dafür Pfiffe, der Vorwurf lautete: zusätzliche Werbeflächen. Infantino verteidigte die Regel als kleine Verschnaufpause. Forscher des Imperial College und der World Weather Attribution schätzten, dass rund ein Viertel aller Partien unter erheblicher Hitzebelastung stattfinden könnte, gefühlte Temperaturen von bis zu 49,5 Grad im Extremfall inklusive.
Die Ironie: Ausgerechnet die überdachten Arenen in Dallas, Houston und Atlanta sind klimatisiert – am stärksten gefährdet waren die offenen Stadien und vor allem die Fans auf den Rängen. Auch das Finale steigt unter freiem Himmel. Die Frage ist nicht, ob es heiß war. Die Frage ist, wer die Hitze ausbadete.
Diese WM war ein Rekord in fast jeder Kategorie: größer, teurer, heißer, politischer als je zuvor. Kap Verde lieferte das Märchen, Messi das Drama, die FIFA die Zahlen. Nur der Fußball selbst war über weite Strecken die kleinste Geschichte. Wer allein auf den Rasen schaute, hat die halbe Weltmeisterschaft verpasst – und vielleicht ist genau das der eigentliche Befund dieses Turniers.
Spanien trifft am 19. Juli in East Rutherford bei New York auf Titelverteidiger Argentinien. Spanien setzte sich im Halbfinale 2:0 gegen Frankreich durch, Argentinien gewann 2:1 gegen England.
Der WM-Debütant erreichte als kleinste Nation der Geschichte die K.-o.-Runde und schied dort erst gegen Argentinien aus – 2:3 nach Verlängerung. Es war der erste Neuling seit Ghana 2006, der die Gruppenphase überstand.
Die FIFA rechnet mit rund 9,3 Milliarden Euro allein aus diesem Turnier – ein Rekord und das lukrativste Einzel-Sportereignis überhaupt. Größte Posten sind TV-Rechte, Ticket- und Hospitality-Verkäufe sowie Sponsoring.
Vor dem Finale führen Lionel Messi und Kylian Mbappé mit je acht Toren. Messi steht im Endspiel, Mbappé nur noch im Spiel um Platz drei – Erling Haaland (7) ist mit Norwegen bereits ausgeschieden.
Die USA und der Iran befanden sich seit Februar 2026 im Krieg. Erstmals seit 1930 empfing ein Gastgeber ein Team, mit dem er im Kriegszustand stand. Die Spieler durften zeitweise nur am Spieltag einreisen, mehreren Funktionären wurde das Visum verweigert.
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